FeedAntium
ErdkundeBrockhaus 1882

Antium, Stadt im Lande der Volsker, die aber bald zu Latium gerechnet wurde, gegen 70 km Wegs südlich von Rom, in der Nähe der Pontinischen Sümpfe, an der Küste des Tyrrhenischen Meeres auf einer weit in dasselbe vorspringenden felsigen Landspitze gelegen. Nach der Sage von einem Sohne des Odysseus, den ihm Circe geboren, gegründet, wurde A., wenn nicht von Anfang an, jedenfalls frühe, wie es scheint, von tyrrhen. Seeräubern, d. h. von Seeraub treibenden Etruskern, bewohnt. Als volskische Hauptstadt soll A. 468 v. Chr. von den Römern eingenommen und mit flanzbürgern besetzt worden sein. Nach dem letzten Kriege der Volsker und der Latiner gegen Rom wurde A. 338 v. Chr. römische Kolonie. Das Verbot, Schiffahrt 1 treiben, muß gleichfalls den Charakter des alten A. wesentlich verändert haben. Später hob sich die Stadt immer mehr, bis mit Ausgang der Republik die Zeit ihrer Blüte begann. Die röm. Großen wählten seitdem A. mit Vorliebe zu ihrem Sommeraufenthalte, und es herrschte dort ein üppiges, reiches Leben. 71 der Stadt, welche berühmte Tempel des Asulap und der Fortuna mit einem angesehenen Orakel besaß, erhoben sich nun me prächtige Paläste. Die Umgegend war mit Villen bedeckt, die sich längs der Küste bis nach Campanien hinzogen; auch Cicero hatte daselbst eine Besitzung. Claudius und Nero wurden in A. geboren. Letzterer erbaute die großartigen Hafendämme ins Meer hinaus, deren Reste noch jetzt sichtbar sind. Mit dem Untergange des weström. Reichs verfiel auch der Hafenplatz, der durch die Raubzüge der Sarazenen im 9. und 10. Jahrh. ganz verödete. Den Hafen soll der Sage nach Papst Alexander VI. 1496 haben verschütten ——— um eine etwaige Landung der Türken zu verhüten. tiiner XII. (1691—1700) ließ einen neuen, jedoch kleinern Hafen an der Ostseite des alten anlegen, der mit Leuchtturm, Arsenal und Fort versehen ward, während einige röm. Große auf des Papstes Veranlassung prächtige Villen am Strande erbauten. Allein nach Innocenz' Tode verfiel die Schöpfung, und Porto d'Anzio blieb ein elendes Fischerdorf von kaum 100 E., bis Pius IX. dem Orte seine Gunst zuwandte. Auf dessen Veranlassung wurde eine schöne Kirche erbaut, dabei auch ein Bagno eingerichtet, und außerdem legten reiche und vornehme Römer Villen an, sodaß sich (Porto d') Anzio wiederum zu einem freundlichen Städtchen von (1871) 1932 CE. erhoben hat. über demselben liegt die Villa, die Pius u Men⸗ Frühlingsaufenthalt benutzte, und die Villa Mencacei Grüher orsini), welche eine Reihe von Jahren von Dom Miguel bewohnt war. Links von der Straße nach dem etwa 2 km entfernten Nettuno liegen die Villa Aldobrandini und die Villa Borghese (ehemals Costaguti). Porto d'Anzio wie das benachbarte Nettuno gehören seit 1831 der Familie Borghese. Das Städtchen Nettuno zählt 2165 C., enthält die Mauern und Türme eines altermenligen Kastells und soll Hren Namen von einem Tempel des Neptun führen, dessen Trümmer man in der Nähe, kaum vom Meere bedeckt, zu erkennen glaubte. Der überlieferung nach ist Nettuno eine Niederlassung der Sarazenen. Das auf einer And il gelegene Städtchen 2 nur einen Zugang und ist durch die malerische Tracht seiner Frauen berühmt. In der Umgebung von Porto d' Anzio, sowohl oberhalb des Ortes wie längs der 90u finden sich die Trümmer der alten Stadt, in welchen viele der wichtigsten auf uns gekommenen Kunstwerke des Altertums gefunden worden sind. So unter Julius II. der Apoll von Belvedere bei dem sog. Arco-Muto und später der Borghesische Fechter. Vgl. Soffredini, «Storia di Anzio, Satrico, Astura e Nettunoo (Rom 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 730Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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