Antonianer ist der Name einer neuern antinomistischen Sekte in der Schweiz, besonders im Kanton Bern, begründet von Anton (Antoni) Unternährer. Geb. 5. Sept. 1759 zu Iusoldiugen im Kanton Luzern und seit 1800 in Amsoldingen bei Thun ansässig, fing er an in Versammlungen das Neue Testament auszulegen und unter Berufung auf göttliche Offenbarung seine Meinungen vorzutragen. Tumu Auhän Auftritte, welche Unternährer mit seinen Anhängern 16. April 180² bei der Münsterkirche zu Bern veranlaßte, führten zu seiner Verhaftung; nach ward aus dem Kamon erregte er wieder Unruhen, ward aus dem Kanton Bern verbannt, später in 5 rn in Haft genommen, wo er 29. Juni 1824 starb. Von seinen Schriften sind die wichtigsten das „Gerichtsbüchleino, die „Bibelsprüchev, das Buch der Erfüllungo und das „Ge-Aich der Liebeß. In Amsoldingen Ender die sich ziemlich ruhig, bis 1821 die Entdeckung schamloser nächtlicher Erzesse die Polizei zu kräftigem Einschreiten zwang; auch in Gsteig bei Interlaken ward strenges Vorgehen nötig. In Wohlen bei Bern trat 1830 Bendicht Schori als dritter Heiland auf, gab vor, der Geist Unternährers sei auf ihn übergegangen und proklamierte die Gemeinschaft der Weiber. J. 1838 trat zu Gsteig ein neuer Prophet auf, Namens Christian Michel. Er ward 1840 ins Zuchthaus gesperrt. Auch in den Kantonen Aargau und Zürich zeigten sich Spuren der Sekte. — Die Lehre der A. 398. Anklänge an ältere Mystiker und Theosophen. as Gott suf, war sehr gut, auch der Mensch mit seinen natürlichen Trieben; ihm war nur Ein Gebot gegeben: «seid fruchtbar und mehret euch o, und ein Verbot, nicht zu essen vom Baume der Erkenntnis. Erst durch den Teufel kam die Unterscheidung des Guten und Bösen und die 41 vor dem, was Gott gut gemacht hat. Die Erlösung geschah durch Christi Kreuzestod, bedarf aber der Vollendung durch Unternähver, den wiedererschienenen Christus. Wer die durch ihn verkündigte göttliche Weisheit gläubig annimmt, ist frei von jedem Gesetz, ausgenommen das der Liebe; dieses aber bezieht sich lche Geichhr auf die unbedingte und unverweigerliche Geschlechts-Schul⸗ aft unter den Gläubigen. Staat, Kirche, chule, Familie, persönliches Eigentum u. dgl. erscheinen dagegen als verwerfliche Werke des Satans. Vgl. Trechsel, «Beiträge Ber Geschichte der schweizerischen reform. Kirche (Bern 1841).