Aporrisiarius (grch.) hieß seit dem 4. Jahrh. n. Chr. ein außerordentlicher oder auch beständiger Abgesandter bedeutender Bischöfe, insbesondere aber der Päpste. Namentlich führte der päpstl. Legat am byzant. Hofe diesen Titel. Gregor d. Gr. und mehrere andere Päpste haben diese Stellung vor ihrer Erhebung auf den päpstl. Stuhl bekleidet. Die Apocrisiarien hatten die Bischöfe zu weihen, auch wurden sie von den Päpsten zu Rom zu Sendungen an die Patriarchen in Konstantinopel verwandt. Am fränk. Hofe war A. der Titel für den obersten Geistlichen, dessen Stellung etwa der des spätern Großalmoseniers entsprach. Doch führte der A. zugleich die Oberaufsicht über die Hofkanzlei, sodaß er auch, zum großen Teil wenigstens, die Leitung der Staatsgeschäfte in seiner Hand hatte. (S. Almosenier.) Apocyneen (Apocynsae R. Br.), eine gamopetale Pflanzenfamilie. In dieselbe gehören Bäume, Sträucher oder perennierende Kräuter meist mit bitterm, scharfem Milchsafte, dessen Genuß in verschiedener Weise nachteilig auf die Gesundheit einwirkt. Die Blätter sin In 0 und Eänen i⸗ gegen⸗ oder quirlständig, ohne Nebenlätter, die Blüten selten einzeln in den Blattachseln, meist in zusammengesetzten rispigen oder trugdoldigen Blütenständen, zwitterig und regelmäßig; der Kelch ist fünfspaltig oder fünfteilig; die Blumenkrone ührer Roßre mit schlundförmiger, trichteriger Röhre, an deren Saume oft eine zottige oder gefranste Nebenkrone angefügt ist; die Krone in der Knospenlage gedreht, fünfteilig oder fünfspaltig, abfallend. Die fünf Staubgefäße sind mit den Kronenzipfeln alternierend, in die Kronenröhre eingeschlossen, frei. Zwischen Krone und Fruchtknoten befindet sich ein drüsiger Wulst Oiscus) mehr oder weniger ausgebildet. Der Fruchtknoten ist oberständig, zweifächerig, mit einem, seltener zwei Griffeln, vielsamig, die Frucht mannigfaltig, teils Kapseln, teils Beeren oder Steinfrucht. ie Familie umfaßt gegen 900 Arten und ist über den ganzen Erdkreis verbreitet. audre der gedrehten Blumenkrone stellt man die A. in die Gruppe der Kontorteen. Apoc⁹ynum L., Pflanzengattung aus der Familie der Apocyneen, welche nach ihr benannt worden ist. Ihre Arten besitzen gegenständige, ganze und ganzrandige Blätter, kleine, doch hübsch gefärbte Blüten, eine glockenförmige, im Schlunde mit fünf spitzen Zähnen oder Läppchen (Nebenkrone) versehene Blumenkrone, sehr kurze Staub-Dri mit pfeilförmigen Antheren, fünf Nektarrüsen auf dem Blütenboden, zwei Fruchtknoten eine gedoppelte Balgfrucht voll mit einem Haarschopfe versehener kleiner Samen. Die Gattung ist reich an einem mehr oder minder giftigen Milchsafte. Mehrere Arten wachsen in Rordamerika, einige in Asien, eine einzige (A. vonetum L.) in Südeuropa am Adriatischen Meere. Es sind ausdauernde Kräuter oder Halbsträucher, welche sich wegen ihrer glänzenden Blätter und in Trugdolden oder Rispen gestellten Blüten zu Ziergewächsen eignen. In der That sieht man mehrere amerik. Arten, nämlich A. androsaemifolium L., mit rötlichweißen Blüten, A. cannabinum L., mit grünlichgelben Blüten, sowie die europ. Art, welche rosenrote Blüten ——1— ziemlich häufig in Gärten, aber eine leichte, milde, etwas 4 * Erde und Bedeckung während des Winters. an vermehrt sie durch Zerteilung der Wurzelstöcke. Sie sind unter dem Namen Hundskohl und Hundswolle bekannt. Das A. androsaemifolium ist noch deshalb besonders interessant, weil sich seine Blumenkronen, wenn eine Mücke oder kleine Fliege Halter kriecht, plötzlich schließen und das Insekt festhalten, ein Umstand, welcher dieser Pflanze den Namen Fliegenfänger, frz. gobe-mouche, zugezogen hat. Der Milchsaft dieser Pflanze ist so scharf, daß er auf der Haut Blasen zieht; ihre Wurzel wird in Amerika als Brechmittel, von den Indianern auch gegen Syphilis angewendet. Auch von A. cannabinum ist die Wurzel in Amerika offizinell, indem sie sich besonders bei Wassersucht heilkräftig gezeigt hat; der Bast dieser Art (Indian hemp) läßt sich zu feinen seidenartigen Zeugen verarbeiten; die Samenwolle wird zum Ausstopfen von Polstern, die Abkochung der ganzen Pflanze um Braun⸗ und Schwarzfärben benutzt. Die fleischige Wurzel von A. Juventus in Cochinchina steht dort im geschri Ansehen, indem ihr verschiedene Kräfte zugeschrieben werden.