FeedApokalyptik
AllerleiBrockhaus 1882

Apokalyptik ist die Bezeichnung für einen eigentümlichen Zweig der spätern jüd. Litteratur, welcher die Zukunft des Gottesreichs und die Erscheinung des Messias zur Vollendung aller dem Volke Jergel gewordenen Weissagungen in der Form von symbolischen Bildern und wunderbaren Visionen se schildern versucht. Entstanden nach dem Abschlusse der ältern Prophetie in einer Zeit des tiefsten nationalen Elends Israels unter dem sach und röm. Drucke, bringt sie die glühende Sehnsucht der 75 genossen nach der Herstellung des Davidischen Messiasreichs dadurch zum Ausdruck, daß sie gefeierten Sehern der Vorzeit die Geschichte Israels und der Heidenvölker bis auf die Gegenwart herab in der Form von Weissagungen in den Mund legt und denselben zur Aufrichtung der nationalen Hossnung die Verkündigung einer nahe en laßt. De. Erscheinung des Messias anschließen läßt. Da aber mit dem Fortgange der Zeit das Unerfülltbleiben der alten Weissagungen immer wieder neue Zweifel erregen mußte, so suchen die Apokalyptiker durch neue richtigere Deutung derselben den Mut ihrer Volksgenossen wieder aufzurichten. Grundcharakter der A. ist daher die schriftstellerische Nachbildung und künstliche Ausdeutung der alten Prophetien sowie die durchgängige Pseudonymität, welche zugleich da, wo die geschichtliche Zukunftsmalerei der wirklichen Gegenwart näher rückte, eine Verhüllung der zu schildernden Ereignisse unter dunkle Rätselbilder notwendig machte. Der letztere Umstand erschwert die geschichtliche Ausdeutung dieser Litteraturprodukte ungemein und macht die oft weit auseinandergehenden Deutungsversuche neuerer Gelehrten erklärlich. Die älteste dieser Apokalypsen, zugleich das Vorbild aller spätern, ist das kanonische Buch Daniel, welches einen alten Seher aus der Chaldäerzeit die Drangsale der Juden unter Antiochos Epiphanes schildern läßt. Unter den spätern sind die bekanntesten das Buch Henoch aus der spätern Makkabäerzeit und die Apokalypse des Esra, nach einigen zur Zeit Herodes' d. Gr., nach andern unter Domitian verfaßt; in neuerer Zeit sind noch mehrere andere, wie das Buch der Jubiläen, die Himmelfahrt des Moses und die Apokalypse des Baruch wieder aufgefunden worden. Die älteste christl. Kirche hat diese Apokalypsen stark benutzt, teilweise vielleicht auch durch neuere Zusätze und Cinschiebsel für ihre Zwecke brauchbarer gemacht und namentlich in judenchristl. Kreisen eifrig nachgebildet. Außer der Apo 1½ des Johannes, welche dieser ganzen Litteratur den Namen gegeben hat, sind noch zahlreiche ähnliche apokalyptische Schriften bekannt welche zum Teil, wie die Testamente der 12 Patriarchen, die Auffahrt des Jesaias, der Hirte des Hermas, noch jetzt erhalten sind. Vgl. Hilgenfeld, Die üüdische A.» (Jena 1857).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 760Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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