Henoch, nach 1 Mos. 5, 18 fg. der siebente in der Geschlechtsreihe der zehn Urväter, welcher nach einem Leben von 365 Jahren nicht mehr auf der Erde zu finden war. Unter dem Namen dieses von der (ursprünglich indisch⸗-phrygischen) Sage gefeierten H. der althebr. überlieferung ist ein merkwürdiges Denkmal der spätjüd. Apokalyptik (s. d.) erhalten, in welchem H. als Empfänger einer Reihe von göttlichen Offenbarungen hingestellt wird, die den Zweck haben, ihm den ganzen Verlauf der Weltgeschichte bis zur Vollendung aller Dinge und zur endlichen Erfüllung der dem Volke Gottes gegebenen Weissagungen zu verkündigen. Der wichtigste Teil des sehr umfangreich angelegten Buchs, dessen Erzählung mit dem Engelfall (dem Falle der „(Wächtero) beginnt, sind die Traumgesichte (Kap. 3—91), in welchem der Verfasser in der künstlich verhüllten Weise der Apokalyptiker die Geschichte des jüd. Volks bis auf sein eigenes Zeitalter herunter beschreibt. Das Buch Daniel ist hierbei als Vorbild benutzt, die 70 Jahrwochen, welche nach Daniel bis zur messianischen Zeit zu verstreichen haben, sind aber in 70 Herrscherzeiten heidnischer Fürsten verwandelt. Als Abfassungszeit sind vielleicht die letzten Regierungsjahre des jüd. Fürsten Johannes Hyrkanus (um 110 v. Chr.) anzusetzen. Der Text des Buchs, auf welches schon der neu— testamentliche Brief Judä (V. 14) Bezug nimmt, ist nur in einer äthiop. übersetzung erhalten. Herausgegeben ist es zuerst von Lawrence (Oxf. 1821; 2. Aufl. 1833), dann von Dillmann (Lpz. 1851); übersetzt; erklärt wurde es von Hoffmann (2 Bde., Jena 1833—38) und Dillmann (Lpz. 1853). Beiträge zur Erklärung des Buchs lieferten Ewald, Köstlin, Hilgenfeld, Volkmar, Philippi, Wieseler u. a.