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ReligionBrockhaus 1882

Apostoliker oder Apostelbrüder ist der gemeinsame Name verschiedener christl. Sekten, welche im Gegensatz zur Verweltlichung der Kirche Rückkehr zu apostolischer Einfachheit forderten. Im 3. und 4. Jahrh. traten A., auch Apotaktiker genannt, in mehrern Entent ao⸗ Kleinasiens auf, sprachen jedem die Seligkeit ab, der Eigentum besitze oder in der Ehe lebe, wurden jedoch bald unterdrückt. Im 12. Daheh nannte sich ein Teil der Katharer . d.) am Nie zahint A. Im 13. Jahrh. erstand in Italien eine zahlreiche Gemeinschaft von A. Gherardo Segarelli von Parma, von den Franziskanern zurückgewiesen, entsagte seinen Gütern und durchzog seit 1260 gekleidet wie die Apostel bettelnd und Buße predigend das Land, begleitet von gleichgesinnten Brüdern und Schwestern. Das Einschreiten der Päpste (1280 ward Segarelli „Hidetse erst w1286 wieder freigelassen und aus der iöcese Parma verbannt, 1286 befahl Honorius IV. die Unterdrückung aller ohne päpstl. Bestätigung bestehenden Vereine) trieb die A. zu immer schärferer Opposition, sodaß sie jetzt laut gegen die Gebrechen der verweltlichten Kirche predigten und nach den Bildern der Apokalypse den Untergang des Papsttums voraussagten. Segarelli ward 1294 gefangen und trotz seines Widerrufs 1300 verbrannt. An die Spitze der Partei trat jetzt Dolcino, der natürliche Sohn eines Priesters von Novara, und seine Freundin Margarete. In seinen prophetischen Sendschreiben verkündet er für das Jahr 1303 den Beginn der durch ihn eingeleiteten vierten Weltperiode. Die erste umfaßt den Alten Bund, die zweite beginnt mit Christus, die dritte eröffnen Papst Sylvester und Kaiser Konstantin. Die vierte Periode soll dauern bis ans Ende der Welt; sie kehrt zurück zur apostolischen Ordnung des Lebens, allem irdischen Besitz wird dum die Ehe durch rein geistige Gemeinschaft von Mann und Frau, alle äußern Vorschriften und Gebräuche durch den freien Geist der Liebe ersetzt. Gegen die 2 Waffen ft hielt Doleino die Lüge wie die Gewalt der en fur erlaubt und unternahm 1304 mit etwa tausend Mann einen kühnen Raubzug durch Oberitalien, bis er endlich, verschanzt auf dem Berge Zebello, vom Kreuzheer des Bischofs von Vercelli eingeschlossen, durch Hunger und Schwert erliegend, 1307 mit standhafter Ruhe in den Flammen des Scheiterhaufens den Märtyrertod starb. Bis 1368 zeigten sich in der Lombardei und im südl. Frankreich Reste der A. Vgl. Krone, «Fra Dolcino und die Patarenero (Lpz. 1844).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 772Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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