Arbeit im psychologischen und volkswirtschaftlichen Sinne ist die mit Bewußtsein und Anstrengung auf einen bestimmten Zweck gerichtete menschliche Thätigkeit. Was den Menschen zur A. veranlaßt, ist die Not und der Reiz der von ihm empfundenen Bedürfnisse, welche ohne bewußte Anstrengung nicht befriedigt werden können. Am deutlichsten zeigt sich dies auf dem wirtschaftlichen Gebiete, wo aber auch die ethische dem diesel der A. für den Menschen hervortritt, indem dieselbe ihn, durch die fortgesetzte übung und Entwickelung seiner Fähigkeiten, erzieht und vervollkommnet, sodaß die A., welche dem Menschen ursprünglich nur Mittel zum Zwecke seiner Bedürfnisbefriedigung war, ihm allmählich selbst zum Bedürfnisse wird. Die so oft gehörte Unterscheidung der A. in körperliche und geistige kann immer nur in dem Sinne gemeint sein, daß dabei das Körperliche oder Geistige 17216 vorwiegt; denn es gibt ebenso wenig ausschließlich geistige wie ausschließlich körperliche A. Der Gang der menschlichen Kultur sucht die körperliche A. mehr und mehr durch geistige zu verdrängen, indem er dasjenige, was jene früher thun mußte, durch gebändigte Naturkräfte verrichten läßt. So erfolgt z. B. das Mahlen des Getreides, welches früher lediglich durch Menschenhände besorgt wurde, später und mehr vorwiegend durch die Kraft der Tiere, des Windes, Wassers oder des Dampfes; während ein Mensch mit der Hand in einem Tage höchstens den Mehlbedarf für 30 Menschen liefern konnte, produziert in unsern technisch entsprechend konstruierten an Mehl fur ein Arbeiter täglich den Tagesbedarf an Mehl für 2000 Menschen. Freilich kann auch die geistige A. durch große Einfachheit und Einförmigkeit zu einer Art von mechan. Thätigkeit werden. Die volkswirtschaftliche Produktivität einer A. ist nach den verkehrsfähigen und für die menschliche Bedürfnisbefriedigung geeigneten Gütern zu beurteilen, die sie hervorbringt. Man muß sich dabei aber hüten, den Begriff der volkswirtschaftlichen Produktivität auf materielle Güter zu beschränken, da auch eine Menge immaterieller Gegenstände lärztliche Hilfe, Rechtsbeistand, Belehrung u. s. w.) den ebenerwähnten Charakter an sich tragen. Als maßgebende Ursachen für die Produktivität der A. in einem Lande sind, außer der Verhältniszahl der wirtschaftlich Nichtarbeitenden (müßige Grundeigentümer und Kapitalisten, Kinder, Kranke, Arme, Verbrecher) zu den Arbeitenden, anzuführen: die Arbeitslust, die Arbeitstüchtigkeit und die Arbeitsteilung, welche in den Kreisen der Arbeiter, d. h. aller wirtschaftlich thätigen Personen, zu finden I1 Die Arbeitslust des Arbeiters wird durch die Notwendigkeit, seinen Lebensunterhalt überhaupt, und durch den Wunsch, ihn in möglichst reichlichem Maße zu gewinnen, geweckt und gestärkt, und sie steigt und fällt je nach der Sicherheit und der Größe der Früchte, des Lohns, welchen die A. bietet. Daraus erklärt sich, daß die unfreie A. weniger erzeugt als die Der 5. Die Existenz des Sklaven ist die gleiche, ob er viel oder wenig arbeitet; sein Lebensunterhalt wird ihm immer gewährt; die Mehrproduktion würde nicht ihm, sondern seinem Herrn zufallen. Nur die Furcht vor Strafe kann ihn zu größerer Anstrengung anspornen. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Fronarbeit. Selbst bei dem freien Arbeiter im Ollenr W kann sich die Arbeitslust noch nicht in vollem Maße entwickeln, obgleich derselbe veranlaßt ist, sich durch Fleiß die übertragene A. und den dafür ausgesetzten Lohn zu erhalten. Bei weitem mehr tritt die Arbeitslust bei dem Arbeiter auf Stücklohn hervor, dem die Früchte seiner Mehrarbeit zufallen, und der deshalb zu größerer A. angespornt wird. Vollständig kann sie sich indes erst bei der A. für eigene Rechnung zeigen, zu der auch kapitallose Arbeiter sich unter günstigen Umständen durch Association (s. d.) emporgebracht haben. Die Arbeitskraft ist nach den Ländern und Bezirken sehr verschieden; ganz allgemein leisten die Arbeiter einzelner Länder das Doppelte, ja das Dreifache von dem, was Arbeiter anderer Länder vermögen. Ohne Zweifel wirken die klimatischen Verhältnisse auf die Arbeitskraft ein, indes hängt diese doch viel mehr von andern Faktoren ab, wie vom Volkscharakter, der Bildungs⸗ und Kulturstufe, den Sitten, der Religion und auch der Nahrungsweise. Völker, in denen noch ein tüchtiger Kern ist, die außerdem auf auale Kulturstufe stehen, bei denen die Freiheit auf allen Gebieten herrscht, welche nicht durch Vorurteile eingeengt werden, und deren Kost gesund und nahrhaft zu sein pflegt, produzieren nicht nur mehr, sondern auch besser und vorteilhafter, weil ihre geistige und körperliche Arbeitskraft größer und bedeutender ist. In den einzelnen Völkerschaften aber ist die Arbeitskraft, wenn man die Individuen in Betracht zieht, wiederum sehr verschieden. Allgemein geringer bei den Weibern als bei den Männern, pflegt sie bei den Männern im Alter von 25—45 J. am größten und ausdauerndsten zu sein. Die Arbeitsteilung entwickelt sich in ihren ersten Anfängen gleichsam von selbst in den primitivsten gesellschaftlichen Vereinigungen der Menschen, und zwar sowohl bei der freien wie bei der unfreien A. Je zahlreicher die menschlichen Bedürfnisse werden, um so notwendiger wird auch die weitere Ausbildung der Arbeitsteilung, sowohl im technischen Sinne (zur Herstellung eines zusammenesetzten Fabrikats) als auch im wirtschaftlichen Sinne, indem sie als das durch den Handel vermittelte Ineinandergreifen und Zusammenwirken der selbständigen Wirtschaften erscheint. Die wirtschaftliche Arbeitsteilung wird im Weltverkehr zu einer internationalen, bei welcher jedes Land vorzugsweise diejenigen Güter liefert, zu deren Produktion es besonders geeignet ist. Durch die Arbeitsteilung kann überhaupt jede angeborene menschliche Befähigung den für sie am meisten passenden wirtschaftlichen Beruf und die höchste Ausbildung finden. Die stete Wiederholung derselben A. verschafft dem Arbeiter Gewandtheit und Geschicklichkeit. Der Arbeiter bedarf so einer kürzern Lehrzeit; er erfindet leicht nützliche Handgriffe und erspart diejenige Zeit, welche der übergang von einer A. zur andern stets erfordert. Auch de sich eine Leistung, auf eine größere oder kleinere Zahl von Objekten erstrecken (Briefbote, Feldhüter u. s. w.). Ohne Arbeitsteilung wären viele Produktionen gar nicht möglich oder müßten höchst unvollkommen bleiben; selbst die einfachsten Dinge ließen sich nur mit großem Aufwande an Kräften und Zeit herstellen. Allerdings läßt aber nicht jede Art der Produktion die gleiche Arbeitsteilung zu; wo dieselbe A. nicht fortwährend stattfinden kann, wie z. B. beim Ackerbau, oder wenn ein Arbeitsprodukt nur eine beschränkte Zahl von Abnehmern hat, da muß der Arbeiter sich verschiedenen, wenn auch möglichst gleichartigen Arbeiten widmen. Dagegen kann die Arbeitsteilung bei der Hlrem Wor Massenproduktion mit außerordentlichem Vorteil vollständig durchgeführt werden. ö it der Arbeitsteilung muß übrigens, was geeniprech stillschweigend vorausgesetzt wird, eine entsprechende Organisation der Arbeitsvereinigung verbunden sein. Technisch wird diese Dunch die einheitliche Betriebsleitung, wirtschaftlich durch möglichst geregelte Absatzverhältnisse (s. Absatz) erzielt. Die technische Arbeitsteilung, namentlich im Großbetriebe, hat übrigens trotz ihrer Denfleche Wirkungen für die Produktion auch bedenkliche Nachteile, namentlich für die persönliche Stellung der Lohnarbeiter, im Gefolge. Dieselben erhalten statt einer eigentlichen gewerblichen Ausbildung oft nur eine Abrichtung in einigen wenigen, stets zu wiederholenden Handgriffen, sie geraten in eine hilflose .½ von den Maschinen, auf die sie angewiesen sind, und verlieren durch die geisttötende Einförmigkeit ihrer Beschäftigung oft allen Sinn für die sittliche Würde der A. Diese Schwierigkeiten dürfen jedoch nicht zur Bekämpfung der Arbeitsteilung an sich geltend gemacht werden, es handelt sic vielmehr darum, mit Hilfe noch weiterer Entwickelung dieser wichtigen Produktionsmacht und durch noch wirksamere IHangn, Dus, der Naturkräfte die Möglichkeit zu schaffen, daß eine größere Summe von Produkten in einer verringerten