Archäologisches Institut (offiziell Institut fürarchäologische Korrespondenz), eine 1829 unter dem Protektorat des damaligen Kronprinzen (nachmaligen Königs Friedrich Wilhelm IV.) von Preußen und unter der Direktion des Herzogs von Blaeas, von Bunsen, Fea, Gerhard, Kestner, Millingen, Nibby, Panofka, Thorwaldsen, Welcker in Rom gegründete Anstalt, welche den Zweck hat, ö die auf dem Gebiete der Archäologie erfolgenden Entdeckungen wissenschaftlich zu verwerten und insbesondere die neu aufgefundenen Denkmale griech,, röm., etrusk. und altitalischer Zeit (die prähistor. Cpoche und das Mittelalter sind ausgeschlossen) in rascher Weise zu veröffentlichen. Dies geschieht namentlich durch das monatlich erscheinende Bullet-⸗ tino dell' instituto di corrispondenza archeologicad, das sowohl über die Sitzungen des Instituts wie über die neuesten Funde und Ausgrabungen kürzere Berichte bringt. Alljährlich erscheinen grö. ßere archäol. Aufsätze in den Annali dell' instituto di corrispondenza archeologican (mit Tafeln), wozu die Monumenti inediti pubblicati dall' instituto di corrispondenza archeologicay in 12 großen Tafeln den wichtigern bildlichen Teil liefern. Außerdem gibt das Institut auch noch eine Archäol. Zeitschrifto in Berlin heraus. Ferner hat das Institut noch zwei Bände Memoriey (1832 u. 1865) herausgegeben und unterstützt und fördert die Worte kation umfangreicher archäol. oder topogr. Werke. In den Wintermonaten (9. Dez. bis 21. April) inden wöchentlich einmal (Freitags) öffentliche Sitzungen statt, in denen die neuesten Entdeckungen zur Sprache kommen, geeignete Vorlagen gemacht oder in das Gebiet der Archäologie einschlagende Vorträge in ital., franz. oder lat. Sprache gehalten werden. Die Bibliothek des Instituts, die mit ältern Werken und besonders mit den neuern und neuesten Publikationen wohl versehen ist, auch neuerdings durch zwei bedeutende Schenkungen (die philol. Bibliothek des berliner Akademikers G. Parthey und die von F. von Platner gebildete Sammlung ital. Munizipallitteratur) bedeutend vermehrt ward, steht den Gelehrten aller Nationen zur Benutzung offen. Um die archäol. Studien zu beleben und die anschauliche Kenntnis des klassischen Altertums möglichst zu verbreiten, besonders aber um für die vaterländischen Universitäten Lehrer der Archäologie heranzubilden, sind mit dem Institut fünf jährliche Reisestipendien verbunden, von denen eins für die Erforschung der christl. Altertümer der röm. Kaiserzeit bestimmt ist. Nachdem durch Erlaß vom 2. März 1871 das Institut für archäol. Korrespondenz zur preuß. Staatsanstalt geworden war, wurde dasselbe durch Erlaß vom 18. Mai 1874 in eine deutsche Reichsanstalt umgewandelt; 1873—76 erfolgte unter der Leitung des Architekten Laspeyres der Bau eines neuen, umfangreichern Institutsgebäudes auf der Südwestspitze des kapitolinischen Hügels. Die Oberleitung der Anstalt steht einer aus 11 Mitgliedern zusammengesetzten Centraldirektion in Berlin zu, während die wissenschaftliche Thätigkeit in Rom von zwei Sekretären geregelt wird. Das Institut zählt Ehrenmitglieder, ordentliche und korrespondierende Mitglieder unter den namhaftesten Gelehrten fast aller Länder Europas. — Am 9. Dez. 1874 (dem Tage der Geburtsfeier Winckelmanns) trat in Athen eine von der deutschen Reichsregierung gegründete Schwesteranstalt speziell für griech. Altertümer ins Leben, die, nach dem Muster des röm. Instituts eingerichtet, dieselben Zwecke wie dieses verfolgt. Das Institut für wisens Korrespondenz in Athen steht unter der wissenschaftlichen Leitung eines Sekretärs und Ie wie das römische von der Centraldirektion in Berlin ab. Seit Jan. 1876 veröffentlicht es eine in vierteljährlichen Heften erscheinende Zeitschrift «Mitteilungen des deutschen archäol. Instituts in Atheno, welche neben Berichten über die neuen Ausgrabungen und Funde auch größere wissenschaftliche Aufsätze bringt. Archäopteèryx, ein fossiles Wirbeltier von platten der Juraformation von Solnhofen bekannt, deren eins in London, das andere, welches die vorstehende Abbildung, auf ein Viertel der Originalgröße reduziert, zeigt, seit 1880 im Königlichen Museum zu Berlin aufbewahrt wird. (S. Zahnvögel.)