FeedArchéus oder Archäus
AllerleiBrockhaus 1882

Archéus oder Archäus (grch., der Herrscher), ein Wort, dessen sich zuerst Basilius Valentinus bediente, um das Centralfeuer zu bezeichnen, welches nach ihm das Lebensprinzip aller Vegetation ausmachen sollte. Nach ihm wendeten es Paracelsus und besonders Helmont (s. d.) an, um dadurch die Urkraft, das Prinzip alles Lebens, die herrschende und regelnde Kraft im Organismus zu bezeichnen. Paracelsus und nach ihm viele mystische Naturphilosophen (so auch Jak. Böhme, der statt A. Prinnisv sagte) brachten Valentinus' Lehre vom A. in Verbindung damit, daß er ein jedes Ding und namentlich den Organismus als Mikrokosmus auffaßte und annahm, es seien zwar in jedem Dinge alle Kräfte und Stoffe des Weltalls vertreten, aber so, daß immer nur einer der beherrschende sei. Helmont dachte sich den A. als etwas Gesondertes von dem übrigen Körper, gleichsam als ein geistiges Wesen, das im Magen seinen Sitz habe, von hier aus die von ihm geschaffene Körpermaschine nach einem im voraus festgestellten Plane regiere und mittels des Ferments 1 Operationen zur Ausführung bringe. Es ist leicht ersichtlich, daß der A. nichts anderes ist als eine krasse Auffassung, gleichsam eine mythol. Personifizierung des Begriffs organischer Kräfte. Diese Vorstellung konnte daher wenig Anklang finden und mußte bald dem Einfluß der Cartesianischen Korpuskularphilosophie und den chemiatrischen Ansichten weichen. Stahl nahm jedoch die reinere Ansicht der Alten in seinem Animismus (. d.) wieder auf, welchem die Lehre von der Lebenskraft und Naturheilkraft sich wieder näherte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 850Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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