FeedHeräklit (grch. Herakleitos)
AllerleiBrockhaus 1882

Heräklit (grch. Herakleitos), griech. Philosoph, geb. zu Ephesus in Kleinasien, lebte um 500 v. Chr. Sein von Natur ernstes und melancholisches Gemüt scheint durch die demokratischen Verhältnisse seiner Vaterstadt, unter denen seine dem höchsten Adel — Rerntm und seine Freunde litten, in eine bittere Verstimmung gebracht worden zu sein, in welcher er sich grollend von dem öffentlichen Le— ben zurückzog, um in der Einsamkeit seinen Studien nachzugehen. Die Reste des Werks über die Natur der Dinge, in welchem er die Resultate dieser Beschäftigung niederlegte, zeigen ihn in schroffem, bewußtem und ausgesprochenem Widerspruch mit den Meinungen der Masse, welche er in theoretischer wie in sittlicher Beziehung streng und hart beurteilt. Als den Grundirrtum der Menschen bezeichnet er die durch die Sinneserfahrung herbei— eführte Meinung, es gebe bestehende, unveränderiche Dinge: ihr gegenüber sucht er dem die ganze ion. Naturphilosophie beherrschenden Bestreben, den Urstoff der Dinge zu begreifen, die Wendung zu geben, daß dieser Urstoff als ein ewig Bewegliches und rastlos in Gegensätzen sich Gestaltendes aufge— 1 werden solle. Daher schien ihm das Feuer iesem Urstoff am nächsten zu stehen und denselben zu repräsentieren. Für die Bewegung der Gegensätze aber suchte er, wie seine Lehre von dem Weg nach oben und dem Weg nach unten beweist, zuerst gesetzliche Bestimmungen aufzufinden, von denen er meinte, daß sie als eine ewige und unveränderliche Harmonie den Verlauf alles Geschehens beherr— chen. Es war die erste Ahnung des Naturgesetzes in der noch halb mytholog. Form des Fatums. Mit dieser Lehre von der ewigen Bewegung der Gegensätze stellte er sich am meisten der Alleinheits- und Seinslehre des Xenophanes entgegen, aus der sich später die eleatischen Lehren entwickelten; und diese gegensätzlichen Standpunkte haben für die gesamte Geschichte der Die Darit Typen gebildet. (S. Philosophie.) Die Darstellung dieser Ge— danken scheint dem H. mancherlei sprachliche Schwie— rigkeiten bereitet zu haben: schon das Altertum fand seine Schrift orakelhaft und nannte ihn eden Dunkelno, wie es ihn andererseits als weinenden Philosophen bezeichnete, und in der neuern Zeit ist viel Mühe darauf verwendet worden, aus den teilweise sehr unzugänglichen Resten seiner Schrift den Inhalt und Gedankengang derselben zu rekonstruieren, ohne daß dieselbe erfolgreich gewesen wäre. Vgl. Lassalle, Die Philosophie Herakleitos' des Dunkeln von Ephesoso (2 Bde., Berl. 1858); Gladisch, «Herakleitos und Zoroasterv (Lpz. 1858); Schuster, «H. von Ephesuso in Ritschls Acta societatis philologicae Lipsiensiso (Bd. 3, Lpz. 1873); Teichmüller, KReue Studien zur Geschichte der Begriffes (Heft 1: (Herakleitosv, Gotha 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 119Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 6

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Allerlei 6