FeedAcceleration
TechnikBrockhaus 1882

Acceleration oder Beschleunigung heißt in der Mechanik die Anderung in der Geschwindigkeit eines Körpers innerhalb einer bestimmten Zeiteinheit; man unterscheidet zwis chen einer positiven (Vermehrung der Geschwindigkeit, Beschleunigung oder A. im eigentlichen Sinne) und einer negativen (Verminderung der Geschwindigkeit, eshwindial oder Retardation). Andert sich die Geschwindigkeit in leichen Zeitabschnitten um den gleichen Betrag, so eißt die A. konstant, während sie bei ungleichförmig beschleunigter oder verzögerter Bewegung variabel genannt wird. Im ersten Falle wird die A. durch diejenige Zu⸗ oder Abnahme der Geschwindigkeit gemessen, welche während der Dauer einer Sekunde stattfindet; im andern Falle ist das Maß der A. diesenige Zu⸗ oder Abnahme der Geschwindigkeit, die ein Körper erhalten müßte, wenn von dem Augenblick an, für welchen die A. angegeben werden soll, die Bewegung eine gleichförmig veränderte würde. Das bekannteste Beispiel für die konstante A. ist der freie Fall eines Körpers (im luftleer ge-Schund Raume), dessen Geschwindigkeit in jeder Sekunde um 9,81 m zunimmt. (S. Fall.) Dieser Betrag heißt A. der Schwere. Da nun nach dem Grundgesetz der Dynamik jede Bewegung im genauen Verhältnis zu der Kraft steht, durch welche sie hervorgebracht wird, kann die A. als Maß für die Schwerkraft dienen, und es genügt somit, um die Intensität der letztern für einen bestimmten Punkt der Erdoberfläche zu ermitteln, die A. anzu-Auf l. die der freie Fall an diesem Punkte erfährt. Auf hohen Bergen ist die A. der Schwere geringer als am Meere, an den Polen größer als am Aquator, doch kommen diese Differenzen im allgemeinen wenig in Betracht. Eine konstante A. im negativen Sinne zeigt die gleichförmig verzögerte Bewegung eines ohne Widerstand der Luft lotrecht in die Höhe geworfenen Körpers dessen Geschwindigkeit in jeder Sekunde um den Betrag von 117öi 10 m abnimmt. Als Beis iel der variablen A. dient die Bewegung eines Pendels. Von dem Moment an, in welchem dasselbe am weitesten von der (lotrechten) Gleichgewichtsla e abweicht, nähert es sich mit ungleichförmig beschleunigter Bewegung; von dem Moment an, in welchem es die Gleichgewichtslage überschreitet, entfernt es sich von derselben mit ungleichförmig verzögerter Bewegung. Eine accelerirende Kraft ist jede kontinuierlich, also dur Stoß wirkende, an sich eine gleichmäßige, d. h. weder edes M. noch verzögerte Bewegung erzeugt. des Mondes. Wie zuerst von Halley bemerkt wurde, wird schon seit mehrern Jahrtausenden die Umlaufszeit des Mondes um die Erde gleichmäßig immer kürzer oder die Geschwindigkeit desselben immer größer. Diese Erscheinung konnte man sich lange nicht erklären. Endlich fand Laplace 1787 die wahre Ursache dieser A. des Mondes in der veränderlichen Excentricität der Erdbahn, welche ungefähr seit 12000 v. Chr. im Abnehmen ist. Seit dieser Zeit rückt der Mond der Erde immer näher,‚ und dieses wird etwa bis 37000 n. Chr. dauern, wo die Ercentricität der Erde wieder zunehmen wird. Jedoch ist diese Beschleunigung eine so geringe, H15 die Umlaufszeit seit 2000 Jahren nur um ½ Sek. kürzer geworden ist und der Mond der Erde in eben dieser Zeit sich nur um 60 m genähert hat. — A. der Fixsterne nennt man zuweilen den Unterschied zwischen dem Sterntage und dem mittlern Sonnentage, welcher ungefähr 3 Min. 56 ½ Sek. Sternzeit beträgt; um diesen Betrag ist der Sonnentag länger als der Sterntag.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 90Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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