FeedArdennen
ErdkundeBrockhaus 1882

Ardennen (auch Ardennerwald oder Eisling), bei den Römern Arduenna silva, frz. les Ardennes, hieß früher der ganze Bergstrich zwischen Rhein und Sambre, jetzt nur die westlichste Abteilung und Fortsetzung des niederrhein. Schieferplateaus. Die A. erheben sich an der Nordgrenze Frankreichs und im südöstl. Belgien, senken sich nordwärts zur Maas (zwischen Namur und Lüttich) und Sambre und lehnen sich im O. an das Hohe Veen und die Eifel an, während sie sich westwärts allmählich im flandr. Tieflande verflachen. Sie bilden eine breite, häufig ganz ebene oder doch nur sanftwellige Bergfläche von 455585 m Höhe, ohne geschlossene Bergrücken, ohne bedeutendere Gipfelerhebung. Nur der zuweilen ganz kahle oder doch nur mit sehr dünner Erdkrume bedeckte Felsboden und vorzüglich das vielfache Vorkommen tief⸗ und steileingeschnittener Thäler sowie der spärliche Anbau und die strichweise dichten Waldungen geben dem Ganzen den Charakter eines Berglandes. Die Wälder, meist Laubholz (Eichen, Buchen, Espen und Eschen), seltener Tannenwald, beschatten die mit einer dickern Bodenkrume bedeckten Berglehnen; wo diese fehlen, da findet sich nur mageres Weideland, Gebüsch und Gestrüpp, auch Heide und Moor. Nur wo die A. im N. und W. in das Tiefland übergehen, gestatten sie Ackerbau. Der tiefe, zum Teil enge, felsige Querspalt des Maasthals zwischen Mezieres und Namur durchschneidet die ganze Bergfläche von S. gegen N., sodaß die größere Hälfte auf der Ostseite bleibt. Einen ähnlichen Querspalt bildet die Ourthe und Sauer (Sure). Zwischen beiden Spalten liegen die höchsten, bis zu 650 m ansteigenden Punkte der A. auf dem flachen Rücken, der sich im N. der Semoy von der Maas bis zur obern Ourthe ausbreitet und von St. Hubert, dem Gruftkloster des Patrons der Jäger, den Namen Sankt Hubertuswald führt. Sstlich von dieser Waldstrecke dehnen sich weithin Heide und Moor aus. Die A. werden größtenteils aus Thonschiefer und Kalk gebildet, enthalten indes auch treffliche Bausteine, ausgezeichnete Dachschiefer, Eisen, Zink und Blei, besonders aber, an ihrem Nordrande von Lüttich bis Valenciennes,s ehr reiche Steinkohlenlager, welche Belgiens Metallverarbeitung und Industrie begründen. Das Departement A., welches in seinem nördl. Teile von dem Waldplateau der A. wie von den Argonnen im östl. Teile durchzogen wird, hat von demselben den Namen erhalten. Dieses Departement grenzt an Belgien im N. und NO., an das Depart. Maas im SO., Marne im S., Aisne im W,, besteht aus der nördl. Champagne mit Einschluß der ehemaligen Fürstentümer edan, Carignan und Mouzon und gehört zur Diöcese Reims. Es hat zur Hauptstadt Mezieres, zerfällt in die fünf Arrondissements Mezieres, Sedan, Rethel, Roeroy und Vouziers, in 31 Kantone und 501 Gemeinden und zählt auf 5233 qkm (1876) 326 782 E. (gegen 320 217 im J. 1872, Zunahme 2 Proz.). Der nordöstl. Teil gehört zum Bassin der schiffbaren Maas mit dem Chiers und der Semoy rechts und der schiffbaren Bar links; den südl. Teil bewässert die Aisne mit der Aire. Der 106 km lange Ardennenkanal (seit 1832) verbindet Seine und Maas und thel längs der Aisne und Chäteau-Porcien über Rethel und Attigny östlich bis Semoy, dann durch die Gebirgslücke von Le-Chesne-populeux zur Bar und längs derselben gegen N. zur Maas unterhalb Donchery. Etwa ein Achtel der Grundfläche besteht aus Bergland, das zugleich den waldreichsten Abschnitt, aber auch weite Heidestrecken enthält. An der Nordspitze des Departements, bei Givet, bricht man Marmor. Dann folgen mächtige Schieferlager. Im O. herrscht Muschelkalk vor mit reichen Eisenminen, im W. trockener Kreideboden, eine nackte, baumlose Ebene. Nur die Thäler, besonders das der Aisne, sind fruchtbar und liefern Getreide, indes sind mehr als 60 Proz. der Bodenfläche angebaut, sodaß an Getreide mehr puoduziert als verbraucht wird. Wein baut man nördlich bis Mezieres. Außer Marmor, Schiefer und Eisen findet man Steinkohlen, Glassand, Porzellanthon. Holz wird gegen n W. und Wein ausgeführt. Auf den ausgedehnten Weiden zieht man starke Arbeitspferde, Rinder und treffliche Schafe. Die Industrie Hecheite sich mit Eisenwerken, Glas⸗, Fayence⸗, Tuch⸗, Shawl⸗ und Wollmanufakturen, Strumpfwirkerei, Loh⸗ und vet, Mezieres, Messempré, der der Tuchfabrikation Sedan. An Unterrichtsanstalten und Sammlungen ist das Departement arm; die Hälfte der Bewohner kann weder lesen noch schreiben. Die Eisenbahnen Reims-Mezières-Givet und Hirson-Mezières-Sedan-Diedenhofen durchkreuzen das Departement. Vgl. Keßler, Notice descriptive et statistique sur le département des Ardenneso (Par. 1878).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 860Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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