FeedArélat oder Arelatisches Reich
GeschichteBrockhaus 1882

Arélat oder Arelatisches Reich, ein burgund. Königreich, welches 880 vom Grafen Boso von Vienne begründet wurde, indem die auf dem Reichstage zu Mantaille, südlich von Vienne, versammelten 23 Bischöfe ihn zum König wählten und nebst den zustimmenden weltlichen Großen vom Frankenreiche abfielen. Sein Königreich umfaßte die Franche-Comté, die Gebiete von Mäcon (bis 910), Vienne und Lyon, den nordöstl. Teil Languedocs, einen Teil von Savoyen und die Provence. Die Thronstadt war Arles, das Arelate der Römer, von welchem das Reich seinen Namen erhielt. Der nördl. Teil (die spätere Franche-Comte) sonderte sich jedoch bald unter einem Grafen Rudolf als ein besonderes Königreich Hochburgund wieder ab, bis 934 nach Ludwigs des Blinden Tode Rudolf II. von Hochburgund aufs neue beide Königreiche vereinigte. Der kinderlose Rudolf III. (gest. 1032) setzte den deutschen Kaiser Heinrich II. zum Erben ein, und nachdem dessen Nachfolger Konrad II. diese Erbansprüche mit den Waffen geltend gemacht hatte, ließ er senen Sohn, den nachmaligen Heinrich III., 1038 auf dem Reichstage zu Solothurn Hort König wählen und krönen. Seit dieser Zeit gehörte Burgund (s. d.) oder A., welches damals alles Land zwischen Reuß, Rhein, Saöne, Rhöne, Mittelmeer und Alpen umfaßte, zum Deutschen Reiche, obwohl noch Kaiser Friedrich I. sich dort besonders zum König krönen ließ und den Erzbischof von Vienne als Erzkanzler für dieses Königreich bestellte. Später erhielt der Erzbischof von Trier den Titel eines Kanzlers von A., nachdem das Land schon größtenteils an Frankreich verloren war. [larn.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 861Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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