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GeschichteBrockhaus 1882

Arnulf, deutscher Kaiser, geb. um 850, war ein natürlicher Sohn des bayr. Königs Karlmann. Ein kurz vor seines Vaters Tode unternommener Versuch, sich die Nachfolge in Bayern zu sichern, mißglückte, sodaß er sich mit dem ihm schon früher übertragenen Kärnten begnügen mußte. Doch betrachteten die Bayern ihn stets als ihren rechten Herrn, und als die Regierung des Kaisers Karl III. des Dicken, seines Oheims, allgemeine Unzufriedenheit hervorrief, brach er im Herbst 887 mit einem Heere von Bayern und Slawen nach dem Westen auf. Umsonst berief der Kaiser seine Getreuen zu einem waft ders e nach Tribur. Die ostfränk. Groder längst der Herrschaft eines Mannes überdrüssig, er den äußern Feinden so wenig wie der Anarchie im Innern zu wehren vermochte, erklärten sich sofort für A. Karl zog sich nach Alemannien zurück, wo er schon im h 888 starb. Mit Karls Absetzung und Tod schien aber auch das Erbrecht des karoling. Hauses erloschen, und auch in den übrigen fränk. Teilreichen wurden von den Bischöfen im Bunde mit den Großen Wahlkönige auf den Thron erhoben. Zwar erkannten Odo von Paris, Rudolf von Hoch⸗ und Ludwig von Niederburgund sowie Berengar von Friaul, um sich gegen ihre Nebenbuhler 1 stärken, A.3 wdieser da zeitweilig an, doch fehlte viel daran, daß dieser dadurch eine wahrhaft kaiserl. Stellung erlangt hätte. A. war persönlich tüchtig, seine Erfolge aber waren dennoch nur vorübergehende. Den Normannen, welche 891 in Lothringen eingefallen und 26. Juni am Geul unweit Mastricht ein deutsches Heer geschlagen hatten, brachte er 1. Nov. an der Dyle bei Löwen eine Niederlage bei, welche sie jedoch nicht vom Wiederkommen abhielt. Einen nicht minder gefährlichen Feind hatte er bald darauf in dem Mährenfürsten Zwentibold zu bekämpfen dessen Reich auch das westl. Ungarn umfaßte; doch atten seine GfoR gegen die Mähren keinen ent-Ranumren Erfolg; an dem zweiten nahmen auch agyaren teil, die aber schon 894 sich auch gegen Deutschland kehrten. Unterdessen hatte in Italien Guido von Spoleto seinen Gegner Berengar von Dedran besiegt, als Papst Formosus, von Guido edrängt, A. zu Hilfe rief. Dieser, der schon früher Berengar anerkannt und begünstigt hatte, leistete dem Rufe Folge und war bereits bis Piacenza vorgedrungen, als der Abfall Rudolfs von Burgund 7 zur Umkehr bestimmte. Während nun A. in urgund vergeblich kämpfte, starb 894 Guido, und Berengar wurde zu Pavia als König anerkannt. Allein Guidos Sohn und Mitregent, Lambert, trat ihm gegenüber. Auf diese Nachricht eilte A. 895 abermals nach Italien, wo sich indessen Lambert und Berengar gegen ihn vereinigt und noch andere Große auf ihre Seite gezogen hatten. A. wandte sich zunächst gegen das von Guidos Witwe, Agiltrud, verteidigte Rom und nahm es mit Sturm. Darauf vom Papste Formosus 896 zum Römischen Kaiser gekrönt, erkrankte er und kehrte mit Rück⸗ . seines Sohnes Ratold nach Deutschland zurück. Hier starb er 8. Dez. 899 zu Regensburg. Er hatte gewünscht, daß nach seinem Tode die Herrschaft an seine natürlichen Söhne Zwentibold, den er in Lothringen zum König gemacht, und Ratold kommen möchte, aber die Großen, welche fürchteten, Uch bei einer neuen Abweichung von der herkömmlichen Erbfolgeordnung die deutschen Länder sich völlig voneinander trennen möchten, wählten einstimmig seinen legitimen einzigen Sohn, Ludwig rnulfinger sind 1) die Nachkommen des Bischofs Arnulf von Metz (612—627), welcher, fränk. Atern in Gemeinschaft mit seinem Freunde, dem ältern Pipin, 611 an der Spitze der austrasischen Aristokratie den Sturz der Königin Brunhild her-Eniethar und Austrasien dem neustrischen Könige Chlothar II. unterwarf. Dieser gewährte dann den beiden den größten Einfluß auf die Regierung und stellte sie, als er 622 Austrasien seinem Sohne Dagobert überließ, ihm als Ratgeber zur Seite. Arnulf aber zog sich schon 627 in die Einsamkeit zurück und —— 16. Aug. 641. Indem sein Sohn Ansegisil ipins Tochter Begga heiratete, wurde Arnulf der Stammyater des arnulfingischen oder karolingischen Geschlechts. Vgl. Bonnell, Anfänge des karolingischen Hauses» (Berl. 1866). — 2) Die Nachkommen des Arnulf, welchen die Bayern während der Auflösung des deutschen Königtums unter Ludwig dem Kinde und nach der großen Niederlage durch die Ungarn von 907, bei nart f auch Arnulfs Vater Luitpold, Graf der Ostmark, fiel, als Herzog an die Spitze des Stammes stellten. Als solcher behauptete er sich gegen Konrad I. in völliger Selbständigkeit, und wenn er später Heinrich I. als König über sich anerkannte, so that er es doch nur, weil dieser ihm die Besetzung der bayr. Bistümer überließ. ald nach Ottos I. Krönung zu Aachen, bei welcher Arnulf als Marschalk diente, sarb er (14. Juli 937). Seine männliche Nachkommenschaft erlosch schon 955 mit seinem Enkel Berthold, der gegen die Ungarn bei Augsburg fiel; Arnulfs Tochter Judith vermählte sich mit Heinrich, dem Bruder Ottos I., welcher 945 demselben das bald nach Arnulfs Tode ** Herzogtum Bayern verlieh. roidẽen (Aroidéae), eine Pflanzenfamilie aus der ende M. der Monokotyledonen, welche eine bedeutende Anzahl Arten (gegen 740) umfaßt, von denen die große Mehrzahl den Tropengegenden und nur etwa 50 Arten der gemäßigten Zone angehören. Ihre Vertreter sind teils krautartige Pflanzen mit meist knolligem Wurzelstock, teils Sträucher, die nicht selten mittels sog. Luftwurzeln emporklettern, teils eephamen. 1— wenige sind schwimmende Wasserpflanzen. Die Blüten der A. sind gewöhnlich getrennten Geschlechts; seltener zwitterig. Ein Perigon fehlt in den meisten Fällen vollständig; in seltenern Fällen — ein zwei⸗ bis dreiteiliges, schupenförmig eNe ildetes vorhanden. Die Blüten stehen in der Regel zu einer größern Anzahl vereinigt dicht gedrängt an einer kolbig verdickten Achse, die den Namen Spadix führt; dieser Blütenkolben ist von einem oft sehr lebhaft gefärbten großen Hüllblatt, der sog. Spatha, umgeben. Die meist ganzrandigen, seltener gelappten Blätter stehen an den mit aufrechten oder kletternden Stämmen versehenen Arten wechselständig; von denjenigen Arten, die ein knolliges Rhizom haben, stehen die Blätter ausschließlich an dem letztern. Die ein- oder mehrsamigen Früchte sind gewöhnlich beerenartig ausgebildet. Wegen der großen lebhaft Dten nen Laubblätter und der oft sehr schön gefärbten Spatha sind viele A. beliebte Zierpflanzen geworden, so z. B. Arten der Gattungen Philodendron, Calla, Anthurium, Colocasia. Manche Botaniker bezeichnen diese Pflanzenfamilie mit dem Namen Aracẽen (Aracèae) und leramin den Ausdruck „Aroideen nur für eine Unterfamilie der Aracẽen bei. Viele A., hauptsächlich solche mit stark entwickelter Blütenscheide, zeigen eine in unnn. die Bla. Beziehung sehr interessante Erscheinung; die Blütenstände können sich nämlich, zumal wenn sie von der Spatha fast ganz umhüllt sind, . 0 lebhafte Atmung (s. d.) bedeutend erwärmen. Es ist bei einigen A. beobachtet worden, daß die Temperatur des Blütenkolbens bei einer Lufttemperatur von 21² C. bis auf 43 C. steigen, also um 22 C. höher sein kann als die der umgebenden Luft.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 949Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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