Arie (ital. aria, frz. und engl. air), ein Gesangstück für die einzelne Stimme, und zwar die größte und kunstvollste Form des Seeei Der A. gegenüber steht das Lied (s. d.) als eine kleinere Form. Sie bildete sich aus demselben im 17. Jahrh., als die Periode der großen Gesangskunst sowie der theatralis 0 und oratorischen Musik begann, und erreichte ihre höchste Vollendung in Händel. Die wirkliche A., auch große A. genannt, besteht aus zwei Teilen, von denen der erste der ausführlichere ist und überdies wiederholt wird, sodaß der zweite Teil als wirklicher Mittelteil Aur 65 und das Ganze eine rondoartige Gestalt erhält. Es ist dies die A. mit da capo oder in der Rundstrophe. Die Breite und Geschlossenheit dieser A. gestattet sowohl dem Komponisten wie dem Sänger die volle Entfaltung ihrer Kunst, was in diesem Maße bei keiner andern Art des Sologesangs mö lich ist. Die A. kommt entweder als für sich bestehendes Musikstück vor und heißt dann Konz ertarie, oder sie ist ein Glied eines größern zusammengesetzten Tonwerks, einer Oper, eines Oratoriums u. s. w. Spielarten der A. sind: die konzertierende A., bei der ein oder einige Blas⸗ oder Saiteninstrumente in eine Art Wettstreit mit der Singstimme gesetzt sind; die Bravourarie, welche dem Sänger vorzugsweise Gelegenheit gibt, seine Kehlfertigkeit zu entfalten; diesy labische A, auch Parlando-A. (ital. aria parlante) genannt, welche in der komischen Oper vorkommt, das Melismatische fast ganz ausschließt und meistens auf jeder Textsilbe nur Eine Note, bei einem vorwiegend schnellen Tempo, hat.