Arneth (Alfred, Ritter von), namhafter Geschichtschreiber, Sohn des vorigen, geb. 10. Juli 1819 zu Wien, besuchte 1830—36 das Gymnasium zu Kremsmünster und widmete sich hierauf zu Wien jurist. Studien. 29 Beendigung derselben am k. k. Haus⸗, Hof⸗ und Staatsarchiv angestellt, dann in die Staatskanzlei versetzt, benutzte A. seine Mußeseben zu histor. Studien. Als erste Frucht derelben erschien das «Leben des kaiserl. Feldmarschalls Grafen Guido von Starhembergo (Wien 1853). Diesem Werke folgte die quellenmäßige Darstellung des Lebens und Wirkens des «Prinz welche von Savoyeno (3 Bde., Wien 1858 — 59), welche die Ernennung A.s zum Vizedirektor des k. k. Haus⸗, Hof⸗ und Staatsarchivs zur Folge hatte. An dieser reichen Quelle 17 2. Schätze, welche ihm gleich den übrigen kaiserl. Archiven zu unbeschränkter Benutzung geöffnet wurde, schritt A. zu einer umfassenden Darstellung des Lebens und der Regierung der Kaiserin Maria Theresia, deren Veröffentlichung unter dem Titel «Geschichte Maria Theresias v (Bd. 1—10, Wien 1863—79) erfolgte. Weitere Ergebnisse seiner archivalischen Forschungen sind: Maria 11 wül und Marie Antoinette. Ihr Briefwechsel während der J. 1770 — 80 (Wien 1865; 2. Aufl. 1866), 4 Marie Antoinette, Joseph II. und Leopold II. Ihr Briefwechselo (Wien 1866), Maria Theresia und Joseph II. Ihre Korrespondenz samt Briefen Josephs an seinen Bruder Leopoldo (3 Bde., Wien 1867), 4Beaumarchais und Sonnenfelso (Wien 1868), Joseph II. und Katharina von Rußland » (Wien 1869), „Johann Christoph Bartenstein und seine Zeito (Wien 187²), „Joseph II. und Leopold von Toscana; ihr Briefwechsel von 1781— 90 (2 Bde., Wien 1872), das mit —* herausgegebene Werk: «Marie-Antoinette. Correspondance secrète entre Marie-Thérêse et le comte de Mercy Argenteau, avec les lettres de Marie-Thérèse et de Marie-Antoinetten (3 Bde., Par. 1874), endlich die „Briefe der Kaiserin Maria Theresia an ihre Kinder und Freunder (4 Bde., Wien 1881). Auch gab A. «Die Relationen der Botschafter Venedigs über Ssterreich im 18. Jahrh. » (Wien 1863) für die «Fontes rerum Austriacarum (2. Abteil.) ibeunt Im Sommer 1848 ward A. für den Wahlbezirk Neunkirchen in die Konstituierende Deutsche Nationalversammlung nach Frankfurt a. M. gewählt. Im J. 1869 auf Lebenszeit in das Herrenhaus des österr. Reichsrats berufen, nahm er in diesem an den verschiedenen Debatten, namentlich über die konfessionellen Gesetze, hervorragenden Anteil. Seit 1868 steht A. als Direktor an der Spitze des österr. Staatsarchivs, in welcher Stellung er die Freigebung desselben zu wissenschaftlichen Forschungen erwirkt und dadurch auch den Anstoß zu gleichem Vorgange an andern großen De gegeben hat. Im J. 1862 zum wirklichen Mitgliede der k. k. Akademie der Wissenschaften ernannt, wurde A. mehrmals zum Vizepräsidenten, 1879 zum Präsidenten der Akademie erwählt.