FeedAbzugsgraben
TechnikBau-Lexikon 1881

Abzugsgraben, Abzugskanal, m., Ablaufrinne, Ableitungsrinne, Entwässerungsgraben, frz. fossé de décharge, fossé d'écoulement, m., lacunette, f., cunette, f., Cuvette, engl. channel, trench, ditch, water-course, drawing-ditch, ital. cunetta, span. refosito, neugriech. αν dient hauptsächlich 1. bei industriellen Wassertriebwerken (für Mühlen, Fabriken, Bergbau u. s. w.) zu Abführung des Betriebs-(Aufschlags-) Wassers unterhalb des Motors. — 2. bei Teichen zum Ablassen des Teichwassers. — 3. als Hochflutgraben (s. Flutrinne). — 4. zu Ableitung des sich ansammelnden Regen- oder Quellwassers aus Straßengräben rce. In Festungsgräben sind je 1½5 bis 2 m. tief u. 7, m. breit, dienen zugleich als Hindernis für den über den Graben sappirenden Angreifer. PE. — 5.zu Ableitung der Tagewässer u. Grundwässer (auch Drainagewässer) von Feldern, Gärten u. Wiesen. — 6. zu Aufnahme und Fortführung desjenigen Quantums an Flußwasser, welches die Betriebswassermenge eines direkt darin gelegenen Triebwerkes (also bei Abwesenheit eines besonderen ZuleitungsMühl-Grabens) übersteigt. — 7. in Städten zu Ableitung verunreinigten Wassers. ad 1. Den Abzugs- (auch Unter-) Gräben giebt man in der Regel kein zu großes Gefälle, weil dann hiervon dem Triebwerk (der Wasserkraft) verloren geht; aber auch kein zu kleines, weil dann das Wasser nicht schnell genug den radtiefsten Punkt (s. Radtiefstes) verläßt und nicht strömend genug sein wird, um den etwa sich auf der Sohle ansammelnden Schlamm oder Sand fortzutreiben. Den A. bei Freiberg in Sachsen z. B. giebt man ein relatives Gefälle (s. Gefälle) von 0,J bis 0, . Ihr Querprofil ist ein flach oder steiler geböschtes halbes Sechseck aus Erde oder ein Rechteck. Im letzteren Fall werden beide Ufer als steil geböschte Ufermauern (s. das.) hergestellt. ad 2. Bei Fischteichen hat der A. nur den Zweck, das an einer höheren Stelle zufließende Wasser, soweit es der Teich nicht braucht, abzuleiten. Bei Sammelteichen (s.das.): das Teichwasser einem Wassertriebwerk zu dessen Bewegung zuzuführen. Zum Schlämmen (Fischen) des Teiches bedarf es noch eines besonderen Schlämm- oder Fischgerinnes; s. d. Art. Teich. ad 3, 4, 5, 6. Im allgemeinen hat man zu Verhütung theils von Gefällsverlust, theils einer nochtheiligen Einwirkung auf das Bett des A. plötzlichen Wechsel der Richtung und des Querschnittes zu vermeiden. Unvermeidliche Krümmungen müssen möglichst flach, d. h. mit großem Radius angelegt werden. Scharfe Ecken in der Richtungslinie, wie sie bei Hauptabzugsröhren der Drainagen noch hier u. da ausgeführt werden, sind fehlerhast. Das Wasser wäscht sich an solchen Stellen auf Kosten des konkaven Ufers selbst eine Kurve aus. Vor allem hat man gegen das übermäßige Ablagern von Sinkstoffen auf der Sohle und gegen das Wuchern von Wasserpflanzen (bes. langdurch die größten Gefällsverluste, Rückstau in die Mühlräder, Unterwassersetzen der Drainausgußröhren etc. entstehen. Die Kanäle sind daher von Zeit zu Zeit zu räumen (s.d.). — Der Böschungswinkel des Querprofils richtet sich bes. nach der Dichtheit oder Kohärenz des betreffenden Bodens; s. Böschungsanlage. Zweckmäßig ist Rasenbelegung, unzweckmäßig Anpflanzung von Bäumen u. hohen Sträuchern hart amUfer, da diese sich allmählich dem Wasser zuneigen und Uferbrüche erzeugen; s. d. Art. Entwässerungsgraben, Drainage, Grundrinne etc. [v. Mgr.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 40Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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