Achse, f., Are, f., 1. frz. axe, m., engl. axis, auch mathematische Achse, Achslinie, Achsstrich genannt, heißt allgemein und im mathematischen Sinn diejenige Linie, um welche sich ein System anderer Linien, Flächen oder Körper als um die allgemeine Richtungslinie gelagert hat oder in Bewegung befindet, oder auf welche dieselben ideell bezogen werden. Daher nennt man a) in der Geometrie A. einer krummen Linie diejenige Gerade, durch welche die krumme Linie in zwei congruente, symmetrisch liegende Theil zerlegt wird Symmetrie-Achse). A eines geometrischen Körpers aber ist diejenige Linie, welche durch die Mittelpunkte aller parallelen und unter einander ähnlichen Durchschnitte des Körpers geht, so bei Cylinder, Kegel, Kugeletc.— b) In der Astronomie versteht man unter Himmels- oder Weltachse, frz. ake polaire, axe du monde, engl. polar axis, diejenige gedachte Linie, um welche sich der Himmel — bei seiner scheinbarentäglichen Rotation herumdreht; ihre Endpunkte sind der Nord-und Südpol des Himmels. In ähnlicher Beziehung spricht man von der Erdachse. — 6) In der Mechanik nennt man Achsen diejenigen geraden Linien, welche man so durch die Körper hindurchgelegt denken kann, daß bei der Drehung alle Punkte des Körpers um sie herum Kreise beschreiben (Schraubenachse, Wellenachse, Radachse u. s. w.), doch kann die A. auch außerhalb des sich bewegenden Körpers liegen, z. B. die Schwingungsachse, A. der Oscillation, s.d. Art. Pendel u. Wäge. Sch½e.] — d) In der Baukunst ist z. B. A. eines Grundrisses die Linie, welche die Mittelpunkte beider Hauptfacaden mit einander verbindet; A. einer Façade, eine von der Mitte des Portals senkrecht aufsteigende Linie; A. einer Säule die Gerade, welche durch die Mittelpunkte der Querschnittsflächen der Säule hindurchgeht etc. —e) Im Wasserbau spricht man in ähnlichem Sinn von der A. eines Stromes, s. d. Art. Strom. — f) (Schiffb.). Die A. eines Schiffes ist eine durch dessen Schwerpunkt der Länge nach gelegte, das Schiff in zwei gleich schwere Hälften theilende Vertikalebene.—g) In der Mineralogie, speziell in der Krystallographie, nennt man Achsen die geraden Linien, welche durch die Mittelpunkte von gegenüberliegenden Krystallflächen oder durch die Ecken oder die Mittelpunkte der Kanten gehen und dabei den Mittelpunkt des Krystalls durchschneiden. Lage und Länge dieser Achsen sind für Unterscheidung u. Bestimmung der Krystallformen von großer Wichtigkeit. — 2. frz. essieu, m., aissieu, m., arbre, m., engl. axle, axle-trée, arbor, arbour, spindle, auch körperliche Achse, Achsbaum, Welle, Wellbaum, Spindel gen., nennt man Körper, welche in der angewandten Mathematik, bes. der Mechanik, an Stelle jener mathematischen A. eintreten; vorzüglich solche Träger, welche an jedem Ende mit einem Zapfen versehen sind, u. mit welchen diejenigen Theile verbunden sind, die durch ihr eigenes Gewicht und die auf sie ausgeübten Pressungen den Druckauf die Zapfen hervorrufen. So werden Balanciers, Wasserräder, Mühlsteine, Schleifsteine, Wagenräder etc. um Achsen bewegt, die Eisenbahnwagen u. and. Fuhrwerke durch Achsen getragen. Eine rotirende Achse, frz. essieu roulant, engl. turning axle, heißt eine solche A., wenn der sich drehende Körper (Rad, Mühlstein etc.) nicht blos auf ihre Zapfen drehbar aufgeschoben, sondern mit der A. fest verbunden ist, so daß die A. sich mit dreht.