Akanthus, m. 1. Unter dem Namen Akanthus, arabisch Sont, war das dunkle, rothe, ungemein feste Holz der Acacia arabica im Alterthum bekannt u sehr geschätzt. — 2. der Akanthus oder echte Bärenklau, frz. acanthe, f., branç-ursine, f., engl. acanthus, bears breek, brank ursine, lat. branca ursina, acanthus (Familie der Akanthaceen), ist ein zu den tropischen Pflanzen gehöriges, jedoch in zwei Varietäten (Ac. mollis und Ac. spinosus) in Griechenland und Italien häufig wild wachsendes Staudengewächs mit lang und gerade bis zu 1,5 m. aufschießendem Blütenstengel (ähnlich wie bei unserer Königskerze) und großen, oft bis 1,5 m. langen und über 0,5 m. breiten, saftigen, vielfach ausgezackten und distelartig gerippten. Blättern, deren einzelne Zacken beim Acanthus mollis rundlich enden und weich sind, beim Aeanthus spinos., in scharfen, harten, ste s. Fig. 117. Obgleich diese Pfle oder Reben treibt, wurde doch Griechen und Römern häufig i Fig. 118. Zu Art. Akanthus. zäl sich die Darstellung einer pflanze befindet, die um den Kr vächst und deren Ranken, durch aufschießen gehindert, sich rin Rihr schönes Blatt von den in ihren rankenförmig laufenden Ornamenten, oder mit Ranken versehen in Palmetten etc., s. d. Art. Akroterium u. Stele, bes. aber an korinthischen und römischen Kapitälen in einfacher oder doppelter Reihe vielfach modifizirt um den Kelch herumstehend angebracht, während die oberen Ranken und die Blumen von anderen Pflanzen entnommen sind und also durchaus nicht, wie man häufig lehrt, am korinthischen Kapivollständigen Akanthusrater des Kapitäls herumel der Minerva polias. die Deckplatte am Weiterigeln und so die Schnecken ! berühmter Architekt, Kallimachos, sieht das Ganze u. benutzt es zur Gestaltung einer neuen Kapitälform, der korinthischen. So hübsch diese Sage ist, so ist es doch eben nur eine Sage, und Diejenigen, welche die Entstehung von wirklich schönen Architekturformen als auf solche Zufälligkeiten zurückführbar annehmen, versündigen sich an der Baukunst, indem sie dieselbe zum Kinderspiel herabwürdigen und, wenn wie hier Namen genannt werden, an dem Andenken des Betroffenen; denn ein so bedeutender Mann, wie Kallimachos, hat wohl andere, tiefer liegende Gründe bei der Wahl der Kapitälform gehabt, die später den Namen korinthisch erhielt, als den ihm in dieser Sage untergeschobenen; s.übr. d. Art. korinthische Säule. Auch widerspricht der ganze Organismus der Akanthuspflanze einer solchen Formation. Fig. 118 und 119 zeigen Akanthusblätter vom Tempel der Minerva Polias aus der ionischen Zeit. Fig. 120 ist ein Kapitälblatt aus der ersten römischen Kaiserzeit, Fig. 121 ein Kapitälblatt vom Pantheon und Fig. 122 das Schema der Kapitälblätter der Renaissance.