FeedArchimedische Wasserschnecke
TechnikBau-Lexikon 1881

Archimedische Wasserschnecke, f., franz. vis f. hydraulique d'Archimède, limace, f., escargot, m., engl. Archimedes' waterscrew, spiral pump, ist eine der ältesten d Wasserhebemaschinen. In ihrer ursprünglichen Form, deren Erfindung dem Archimedes zugeschrieben wird, besteht sie aus einer schraubenförmig um eine schräge Achse gewundenen Röhre, welcher Apparat durch eine Kurbel oder auf andere Weise in Rotation versetzt werden kann (Fig. 245). Wird diese Schraube so aufgestellt, daß ihre Gänge nicht blos ansteigen, sondern zum Theil auch fallen, und daß ihr unteres Endea bis zu einer gewissen Tiefe in das Wassereintaucht, 5so nimmt sie bei jeder Umdrehung eine gewisse Wasser-— „menge in sich auf, welche bei jeder folgenden Umdrehung 1immer höher geführt wird, so daß das Wasser schließlich „durch die obere Rohrmündung b zum Ausfluß gelangt. „Die so geförderte Wassermenge hängt von der Weite des schraubenförmigen Rohres (der Schlange) und der Länge [des wasserhaltenden Bogens eines Ganges od. Umlaufes ab. Nennt man den Querschnitt der Schlange F, die Länge des wasserhaltenden Bogens C, die Anzahl der Umdrehungen pro Minute n, die Anzahl der Röhren u, so ist das pro Sekunde gehobene Wasserquantum gleich 60 F O zu setzen. Da die Herstellung der oben beschriebenen Rohrschnecke da, wo keine Bleirohre oder Gummischläuche zu haben sind, schwierig ist, sie sich auch leicht verschlämmen, so wendet man statt deren häufig sogen. Wasserschrauben (Fig. 246) mit rechteckigem Querschnitt an, indem man rechtwinklige Schraubenflächen um die Schraubenspindel herumführt u. dieselben durch einen eylindrischen Mantel pvon außen umgiebt. Wird dieser Mantel fest mit den Schraubengängen verbunden, so wird der Apparat seines Aussehens halber Tonnenmühle genannt. Bei der holländischen Wasserschraube besteht dagegen dieser Mantel aus einem festliegenden Trog, der sogenannten Kumme, welche die Schraube auf etwa zwei Drittel ihres Umfanges von unterhalb umgiebt. Die Kumme wird wie der Mantel der Tonnenmühle aus hölzernen Dauben faßähnlich hergestellt, oder man konstruirt sie aus Eisen oder mauert dieselben auch aus Backsteinen mit Cement auf. Nach den Erfahrungen des Engländers Wilfried Airy hat sich Folgendes herausgestellt: 1. Jestärker die Schraube gewunden Fig. 246. Archimedische Wasserschnecke mit Mantel. ist, um so weniger darf die Drehachse der Maschine geneigt sein. 2. Schnecken mit steiler Windung liefern, sobald sie unter dem günstigsten Neigungswinkel gelagert sind, ein weit größeres Wasserquantum per Umdrehung, als Schnecken von weniger steiler Windung, auch unter dem günstigsten Neigungswinkel. Mit Rücksicht auf den Kraftverlust durch innere Reibung des Wassers und durch die äußere Reibung der Drehzapfen wurde gefunden, daß die Schnecken, deren Schraubenwinkel 30ebetrug, die günstigsten Resultate lieferten; aber eine Schnecke, deren Schraubenwinkel 40e betrug, kam ihr fast gleich in der Wirkung. Als geeignetste Winkel für die Steigung der Schneckenachse gegen den Horizont wurden bei diesen Maschinen resp. 256 und 30 gefunden. Im Vergleich mit anderen Wasserhebemaschinen, wie Pumpen, verdient die archimedische Schnecke wegen ihrer Einfachheit, Dauerhaftigkeit und ihres guten Nutzeffektes den Vorzug. Eine gut konstruirte Wasserschnecke darf nicht unter 85 Proz. Nutzeffekt ergeben. Nach Weisbach haben gewöhnliche Wasserschrauben oder Tonnenmühlen eine Spindellänge von 3—6 m. und eine Spindelstärke von 15—30 em.; die ganze Weite beträgt 45—85 em. Die Windungen erhalten am äußeren Umfang eine Neigung von 20—30 und die Spindelachse eine Neigung von 30—35. Um möglichst gleichförmiges Einnehmen u. Ausziehen des Wassers zu erhalten, macht man den Abstand der Windungen von einander in der Regel nur 15—20 œm. u. konstruirt daher die Schraube mit 3—4 verschiedenen Gängen. Nach Mallet's Beobachtungen hoben an einer Tonnenmühle mit dreifachem Gewinde neun Arbeiter bei 35 Umdrehungen per Minute stündlich 32 Kbm. Wasser auf 2 m. hoch.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 151Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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