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BaukunstBau-Lexikon 1881

Ausbau, m., 1. hervorstehender, herausgekragter Theil eines Gebäudes, s. die Art. Vorbau, Exedra etc. — 2. Dekoration eines Verkaufsladens, Schaufensters etc. —3. Der Inbegriff aller zu Vollendung eines neu aufgeführten Gebäudes, bes. im Innern, nöthigen Tischler-„FSchlosser-, Glaser-‚F Tapezierarbeiten etc.; erfordert weit schärfere Kontrolle, kostet auch weit mehr als der Aufbau. Sehr falsch ist die Meinung, daß man gut thue, den Ausbau erst dann zu beginnen, wenn das aufgebaute Haus mindestens einen Winter hindurch gestanden habe; geradezu schädlich aber ist es, das Gebäude einen Winter hindurch ohne Thüren und Fenster stehen zu lassen. Man behauptet zwar, die Wände würden durch den Frost besser getrocknet, die das Gebäude den Winter hindurch durchziehenden Luftströmungen vollendeten diese Austrocknung etc. Dem entgegen steht die längst erwiesene Wahrheit, daß die Winterluft stets feuchter ist als die Sommerluft, und daß im Winter mit u. vermöge der lebhaften Luftströmungen auch Regen u. Schnee in das Gebäude eindringen. Nun pflegen Viele, weil sie dieser Wahrheit sich nicht verschließen können, dennoch aber nicht vollständig von dem althergebrachten Vorurtheil für die Vorzüge der Ueberwinterung zwischen Aufbau und Ausbau sich loszusagen vermögen, die Thür- und Fensteröffnungen bei einbrechendem Frost zu verschließen, entweder durch die definitiven Thüren und Fenster oder zum Theil mit provisorischen Thüren u. Fenstern, zum Theil durch Ziegel, Strohmatten, Pfosten etc. Ein einziger Besuch in einem solchen Gebäude beim Meiten des Frühlings zeigt das Schädliche dieser Methode. Die Wände schwitzen, an den Fensterbrüstungen und Thürschwellen sind nasse Stellen zu bemerken, die theils durch Hereindringen des Regens u. Schnees, theils durch Schwitzen, Gefrieren und Ablaufen der Fenster und Mangels des Abwischens, der Gelegenheit u. Temperatur zur Verdunstung etc. herbeigeführt sind. Mehrere Wochen gehören dazu, um die Austrocknung nur wieder soweit zu bringen, wie sie im Herbst war; in der Regel aber drängt dann die Zeit so, daß man diese Austrocknung nicht abwarten kann, sondern Dielen re. in die feuchten Räume bringt und so schnellem Verderb entgegenführt. Ist der A. vor einbrechendem Winter schon durch Abputz der Wände u. Decken begonnen gewesen, so wird der Putz feucht, fällt stellenweise ab, mindestens werden Tapeten und Malerei fleckig, weil das Calciumhydrat durch den Frost verhindert gewesen ist, sein Wasser durch Ausdünstung an die Atmosphäre abzugeben, Sauerstoff und Kohlensäure dafür aufzunehmen, u. bei eintretendem Thauwetter ihm dann nicht die nöthige Zeit dazu gelassen werden kann. Will man nun all diese Uebelstände vermeiden, so suche man es, wenn irgend möglich, so einzurichten, daß sofort nach dem Aufbringen der Dachung der Ausbau mit Einbringen des Fehlbodens im ganzen Gebäude, und Legen des Fußbodens im Dachraum beginnt; während dieser Arbeit noch müssen die Fenster in den Dachräumen, die man dann freilich bereits bei Beginn des Aufbaues bestellt haben muß, eingesetzt werden. Dann werden die während jener Arbeiten verschalten Decken des nächsten Geschosses unter dem Dach und darauf sofort dessen Wände geputzt, dann die Fenster auch in diesem Geschoß eingebracht und die Dielen daselbst gelegt; während dessen werden die Decken des nächstunteren Geschosses verschalt, berohrt u. geputzt etc. Sobald in einem Geschoß die Wände geputzt sind, werden, bei Beginn des Dielens, zugleich auch die Thürverkleidungen angeschlagen, nach beendigtem Dielen aber sofort die Thüren angepaßt, eingehängt und die Schlösser angeschlagen. Bleibt nun die Witterung noch günstig, so werden die Fenster in allen Räumen, welche nach einer Seite hinausliegen, geöffnet, dabei aber aller fühlbare Luftzug durch Schließung der Thüren vermieden; hat das Haus Fenster nach verschiedenen Seiten, so wechselt man mit der Fensteröffnung. Ist der Herbst schon so weit vorgeschritten, daß es häufiger od. stärker regnet, daß die Abende feucht sind etc., so schließt man zu solchen Zeiten, wo die äußere Luft feuchter u. kühler als die innere ist, die Fenster sorgfältig. Nimmt die Feuchtigkeit und Kälte der äußeren Luft so überhand, daß die Fenster längere Zeit geschlossen sein müßten, als sie geöffnet sein können, sostellt man Oefen, definitive od. provisorische, auf, und heizt den ganzen Tag, indem man immer die oberen Flügel der Fenster ganzöffnet, die unteren sorgfältig geschlossen hält; wenn man nicht auch die Nacht über heizen kann, so öffnet man jeden Morgen eine halbe Stunde lang alle Thüren und Fenster, sobald die Feuerung wieder begonnen hat. Dabei werden Wände und Decken so schnell austrocknen, und die Dielen so trocken bleiben, daß man nicht nur alle zum weiteren Ausbau nöthigen Arbeiten ohne Furcht vor Nachtheil vornehmen, sondern das Gebäude sogar noch im Winter oder beim Eintritt des Frühjahrs beziehen kann, ohne irgend welchem Nachtheil ausgesetzt zu sein. Tritt nun, was jedenfalls die unglücklichste Konstellation ist, die man annehmen kann, während der Putzarbeiten so starker Frost ein, daß man dieselben einstellen u. also den Ausbau bis zum Frühjahr sistiren muß, so verschließe man die Offnungen möglichst noch mit den definitiven Fenstern und Thüren oder, wo dies durchaus unthunlich ist, doch so sorgfältig und dicht als möglich, dabei aber so, daß man in jedem Raum durch einen Laden oder dergl. nach Belieben Luft einlassen oder die betreffenden Oeffnungen schließen kann. Den ganzen Winter über lasse man dann entweder täglich heizen u. während dieser Heizzeiten jene Läden aufmachen, od., wenn man keine Heizung anzubringen vermag, die Läden nur zu solchen Stunden öffnen, wo die äußere Luft trockener ist als die innere; in den übrigen Zeiten aber halte man Alles vollständig verschlossen. Ehe man im Frühjahr die Ausbauarbeiten wieder aufnimmt, wähle man einige recht windige Tage, um durch Oeffnung aller Thüren u. Fenster die trotz der periodischen Lüftungen im Winter doch etwas stockig und modrig gewordene Luft im Gebäude völlig zu reinigen und zu trocknen. So viel in Bezug auf den Zeitpunkt des Ausbaues im allgemeinen. Hier folgen noch einige Erfahrungssätze in Bezug auf die Leitung des Ausbaues im einzelnen, soweit es der Raum eines Lexikons gestattet: Nach dem Aufsetzen des Dachs maure man zunächst die Essen auf u. beginne dann sofort mit der Belattung, resp. Verschalung des Dachs; fällt während dieser Arbeit Regenwetter ein, so sistire man sie, wenn irgend möglich, nicht, sondern suche sie möglichst zu beschleunigen, warte dann aber mindestens zwei bis drei trockene Tage ab, ehe man die Eindeckung beginnt. Sollte es zu lange und anhaltend regnen, so daß man die Eindeckung während des Regens vornehmen muß, so muß man nach vollendeter Eindeckung mindestens eine Woche warten, ehe man die Dachräume an den Seiten durchAufmauerung der Giebel-od.Stempelwände, oder, wo keins von beiden vorhanden, durch Aufbringen des Hauptsimses schließt, den man bei schnell eintretendem Regenwetter erst nach Einschalung des Daches, bei günstiger Witterung jedoch vorher einbringt, bestehe er nun aus Werkstücken, Ziegeln oder Holz. Dieses nachherige Einbringen des Hauptsimses ist zwar etwas unbequemer, macht auch ein genaues Arbeiten bei Beginn der Dachschalung u. das Herabgehen der Sparren bis zur Traufkante nothwendig, wird aber doch in vielen Fällen nöthig sein. In solchem Fall lasse man nur die untersten Breter, resp. Latten hinweg, damit wenigstens die Hauptfläche des Dachs schnell eingeschalt, resp. belattet werden kann. Wo die Sparren innerlich verschalt werden, z. B. in bewohnbaren Dachräumen, nehme man diese Arbeit nicht eher vor, als bis sich das fertig eingedeckte Dach als wasserdicht erwiesen hat; ebenso verschale man keine Decke, ehe der Fehlboden darüber verstrichen und mit Schutt betragen, da, wo kein Fehlboden gemacht wird, die Windeldecke od. der obere Fußboden aufgebracht, kurz, die Deckenschalung vor dem Auffallen schwerer Körper, vor größerer Erschütterung durch Nageln re. gesichert ist. Dasselbe gilt von Stakdecken, Wellerdecken etc. Dielen bringe man nie eher ein, als bis Decken und Wände des betreffenden Raumes geputzt sind; Dielentafeln dürfen dem Luftzug nicht ausgesetzt werden, auch keiner bedeutend feuchten Luft. Blendböden können vor dem Putzen der Wände eingebracht werden; jedoch muß vor dem Einbringen der Blendböden sowohl als der Dielen der Aufschutt auf dem Fehlboden, resp. der Astrich oder die Wellerdecke, vollständig trocken sein. Das Anschlagen der Thürverkleidungen, Spalettläden etc. und Einbringen der Fensterbreter geschehe, wenn die Fenster eingesetzt sind, aber ehe die Dielen liegen, resp. ehe die Parkettböden auf die Blendböden gebracht werden. Das Nachputzen der Wände an den Thürverkleidungen, Fensterbrüstungen, Anschlägen, Fensterbretern etc. geschehe sofort nach dem Anschlagen der Thürverkleidungen, resp. Einbringen der Fensterbreter, Fensterläden etc.; das Nachputzen am Fußboden hin sofort nach dem Einbringen der Dielen, resp. des Blendbodens; diesem Nachputz folgt sogleich das Anschlagen der Fuß- oder Scheuerleisten, welche bei Parketten mit Wandfriesen sogar vor dem Parkett einzubringen sind. Etwaige Wandverkleidungen, Lambris etc. sind jedenfalls vor dem Einbringen des Parketts, wenn möglich vor dem Einbringen von Dielentafeln, anzuschlagen; ebenso Leisten, Simse, Kassettenkästen, Stukkoverzierungen u. dgl. an Decken. Bei Dielentafelfußböden u. Bretfußböden sind die Oefen auf den fertigen Fußböden, bei Parketts hingegen auf den Blendboden, doch um die Parkettstärke erhöht, zu setzen; eiserne Oefen jedoch u. solche thönerne, die aus sehr wenigen Stücken bestehen, kann man später aufstellen, Kamine hingegen sollten stets vor dem Parkettlegen aufgestellt werden. Wandmalereien und Tapeten sind in zu parkettirenden Räumen möglichst vor dem Legen des Parketts einzubringen; geht dies nicht, so sind die Parketts abzuputzen und mit Wachs oder Oel einzulassen und dann der Fußboden mit Sägespänen zu bestreuen, mit Papier od. Leinwand und Bretern zu überlegen, ehe die Arbeiten an den Wänden beginnen, nach deren Beendigung das Bohnen resp. Lackiren der Parketts folgt. Die Placirung der bedeutenderen Stücke des Ameublements sowie der Klingeln, putzen der Wände bestimmt werden, damit man die nöthigen Dübel zu Spiegelhaken, Bilderhaken, Bankeisen, Gardinenhaltern, Klingelknieen, Futterrohre zu den Ofenrohren etc. einbringen und beim Nachputzen mit verputzen, auch bei Eintheilung der Wände, Decken u. Fußböden in Felder etc. die Möbelstellung berücksichtigen kann. Den Oelfarbenanstrich der Thüren u. Fenster, Fensterbreter, Spalettläden etc.betr., sind alle diese Theile vor dem Einbringen in das Gebäude an allen Seiten, bes. auch in den Falzen etc., zu grundiren, besser noch zu firnissen, nach dem Einbringen sofort einmal, nach dem Legen der Dielen resp. der Blendböden, noch vor dem Aufbringen der Tapeten etc. gut zu streichen. Etwaige Lacküberzüge können nach dem Legen der Parkettböden aufgetragen werden. Das Einbringen der Schwellbreter hat gleichzeitig mit dem Einhängen der Thüren u. Anschlagen der Schlösser zu geschehen, außer in den mit Parkettboden zu versehenden Räumen, wo man mit dem Einbringen der Schwellbreter, dem Anschlagen der unteren Riegel u.demEinpassen der unteren Thürseite bis nachVerlegung derParkettböden wartet. Feinere Thürbeschläge, Klingelgriffe etc. sind erst nach vollendetem Anstrich einzubringen; so lange die Schlösser den Thüren noch fehlen, lasse man dieselben entw. ganz offen stehen od. hebe sie lieber aus; will man sie ja schließen, so nagle man sie an zwei Stellen, oben und unten, zu; ebenso sehe man darauf, daß die Fensterflügel entweder sorgfältig verschlossen sind oder ganz weit offen stehen; angelehnt dürfen weder Thüren noch Fenster werden, ohne Gefahr zu laufen, daß sie sich werfen. Das Streichen, Schwärzen u. Bronziren der Oefen geschehe erst nach Vollendung der Arbeiten an den Wänden, jedoch vor dem Bohnen resp. Lackiren der Parketts und anderer Holzarbeiten; sehr schwere, ihren Platz fest behauptende Möbel sind ebenfalls vor dem Bohnen einzubringen, die leichten und feinen Möbel aber nicht eher, als bis der ganze Ausbau vollendet ist. Ausgenommen davon sind Bilder u. Spiegel. Holztreppen, feinere Steintreppen und gußeiserne Treppen sollte man möglichst erst dann einbringen resp. aufstellen, wenn die Putzarbeiten und Dielenlegungen in sämtlichen durch die Treppen zugänglichen Geschossen beendigt u. die Rüsthölzer hinausgebracht sind; geht dies nicht, so schütze man die Stufen bis dahin durch sorgfältige Abdeckung. Bei Holztreppen ist der Putz des Treppenhauses jedenfalls vor dem Einbringen der Treppe vorzunehmen. Feine Plattenfußböden, Mosaikfußböden ee. sind erst nach Beseitigung aller schweren Gerüste, nach dem Einbringen der Treppen etc. zu verlegen. Gasröhren sind vor dem Nachputzen des Wand- u. Deckenputzes einzubringen; ebenso Sprachröhren, Warmwasserheizungsröhren und Klingelzugkanäle in den Wänden. Das Verglasen der Fenster hat sofort beim Einbringen derselben, das Verglasen der Glasthüren sofort nach dem Anschlagen der Schlösser zu geschehen. Kronleuchterhaken sind vor dem Putzen der Decken einzubringen. 4) Ausbau, m. (Kriegsb.) a) Erweiterung der Sappen zu Tranchéen, Parallelen durch die Hülfsarbeiter. b) Vervollständigung eines permanenten Minensystems bei Vertheidigungsinstandsetzung einer Festung, durch Anlage neuer Galerien (Zweiggalerien, Horchgänge) mit Holzverkleidung; Anlage von Kammern, Haupt- u.Zwischendepots für Materialien u. Utensilien, Einrichtung der Ventilation etc. c) Ausbau von Minentrichtern, d. h. Umwandlung gesprengter Trichter in Tranchéen. 1. 5. Ausban, m., Ausbauung, f., der Gruben, franz. construction f. des galeries etc. en bois ou en magonnerie, engl. timbering or walling, casing or lining with wood-Work, reveting or lining with masonry. (Bergb.) Die Ausmauerung od. Auszimmerung der Schächte u. Stollen od. die wasserdichte Verwahrung derselben durch Verkleidung mit Eisen; s. d. Art. Grubenbau.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 191Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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