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BaukunstBau-Lexikon 1881

Baugrund, m., 1. frz. fondation, f., engl. foundation, endowment, s. v. w. Gründung (s. d.). — 2. frz. terrain Ou sol m. pour bätir, engl. building-ground, soil, der Grundboden, auf dem man baut. Schon vor Entwerfung des Plans muß man denselben genau untersuchen, ob er fest genug sei, um das Bauwerk zu tragen, ohne daß er von demselben zu sehr od. ungleichmäßig zusammengepreßt werde, wobei die Last des Gebäudes und die Art, wie sich dieselbe auf einzelne Punkte der Substruktion vertheilt maßgebend ist. Bei gleichmäßiger Vertheilung wird es, dafern man nicht B. erster Klasse(s. unten) hat, nothwendig sein, daß der B. an allen dem Druck des Gebäudes ausgesetzten Theilen gleichmäßige Festigkeit entw. von Natur besitzt od. auf künstlichem Weg erhält. Bei ungleichmäßiger Vertheilung der Last muß, um ungleichmäßige Senkungen, die allein schädlich wirken, zu vermeiden, die Festigkeit des Baugrundes, dafern nicht alle Zusammendrückung vermieden werden kann, unter den einzelnen, verschieden schweren Theilen sich auf dieselbe Weise abstufen als die Last dieser Theile. Da dies nun schwer und nur mit vielen Kosten zu erreichen sein wird, so wird man hier u. da genöthigt sein, sich mit dem Entwurf nach der Beschaffenheit des Bles zu richten, welcher eben deshalb vor Feststellung des Planes u. mit großer Gewissenhaftigkeit zu untersuchen ist. Diese Untersuchung des Baugrundes zerfällt in eine vorläufige, durch welche blos festgestellt Fig. 479. werden soll, ob man überhaupt auf den— Platz bauen kann oder nicht. Zu diesem Behuf reicht oft eine blose Besichtigung hin, die in zweifelhaften Fällen höchstens noch durch das Ausgraben von einigen wenigen, mäßig großen Löchern, durch Einstechen mit dem 2—4 m. langen, 2—5ecm. starken Visitireisen (Fig. 479) etc. unterstützt wird. Sehr tiefer Sumpf, moderiger, übelriechender Boden, der Grund von Flutbetten (s. d.) u. andere, Überschwemmungen ausgzesetzte Plätze eignen sich schlecht oder gar nicht zum Bauen. Fast alle anderen Bodengattungen können mit mehr od. weniger Kosten dazu tauglich gemacht werden. Hat man die Überzeugung von dieser Möglichkeit gewonnen, so beginnt die wahre Untersuchung. Vor derselben steckt man das Gebäude ganz oberflächlich ab, um dann wenigstens annähernd nach dem Augenmäß mehrere solcher Stellen zur Prüfung zu wählen, welche platz geschieht diese Prüfung am einfachsten durch Ausgraben von brunnenartigen Vertiefungen, welche man so tief treibt, als zu zuverlässiger Beurtheilung der Aufeinanderfolge u. Mächtigkeit der nicht tragfähigen sowie zu Feststellung der Beschaffenheit und hinreichenden Stärke der tragfähigen Schichten nöthig erscheint. Bei nassen od. wässerigen Bauplätzen wird der Boden blos bis auf den Wasserspiegel ausgegraben u. von da abwärts die Untersuchung durch Ausbohren des Grundes fortgesetzt. Ueber das dabei zu beobachtende Verfahren und die dazu dienenden Instrumente s. d. Art. Bergbohrer, Erdbohrer und Bohrer. Diese Bohrversuche werden ebenfalls nur so weit fortgesetzt, als zu Ermittelung der Tiefe nothwendig ist, in der man auf eine Schicht stößt, die die nöthige Widerstandsfähigkeit für das darauf zu errichtende Bauwerk besitzt u. dadurch zu Feststellung einer der Beschaffenheit des Baugrundes entsprechenden Gründungsweise nöthig erscheint. Ergeben nun diese Untersuchungen das Vorhandensein einer ziemlich od. ganz gleichmäßigen Beschaffenheit des Grundes an allen geprüften Stellen, so kann man, bei gleichmäßiger Belastung, selbst dannohne! Sorge bauen, wenn ein Zusammendrücken des Bodens zu erwarten steht, d. h. wenn die erreichten gleichmäßigen Schichten nicht ganz die für die Belastung nöthige Tragfähigkeit besitzen. Ist aber ungleichmäßige Belastung zu erwarten od. findet man verschiedene Bodenklassen auf einem Bauplatz vertheilt, so suche man den weichsten Stellen auszuweichen; ist dies nicht thunlich, so sorge man anderweit dafür, daß das Gebäude durch den ungleichen Boden keine ungleichen Senkungen erleide, was den Einsturz leicht bewirken kann. Darüber s. d. Art. Gründung. Man theilt nun, nach ihrer Festigkeit, die verschiedenen Baugrund-Bodengattungen in der gewöhnlichen Praxis in der Regel in 4 Klassen. Erste Bodenklasse: absolut fester Felsen, welcher allen Belastungen vollkommen widersteht. In solchem festen Felsboden kann natürlich die Fundamentirung nicht ausgegraben werden, derselbe unterliegt vielmehr der Bearbeitung mit der Spitzhaue oder der Aussprengung. Zweite Klasse: solcher Kies- u. Sandboden, welcher vermöge der Beschaffenheit seiner Umgebung nicht zur Seite ausweichen kann od. vermöge seiner eigenen Struktur nicht die Neigung hat, zur Seite auszuweichen, und sich wenig oder gar nicht zusammenpressen läßt. Dritte Klasse: zusammenpreßbarer Boden, welcher nicht zur Seite ausweicht, z. B. Thon, Lehm, Pflanzenerde und torfhaltige Erdarten, welche, bes. wenn sie als gleichartige Schichten von größerer Mächtigkeit auftreten, um so mehr einen noch ziemlich zuverlässigen B. geben, je weniger feste Schichten mit lockeren wechseln u. jetrockener der Boden ist. Wechseln feste Schichten mit lockeren neben einander, so sind die festeren nicht zu durchgraben, sondern als Basis der Grundmauer zu benutzen. Selbst feiner Sand in Schichten von 2—3 m. Mächtigkeit ist hinlänglich, um ein dreistöckiges Wohnhaus zu tragen; fette Erdarten (Thon, Lehm etc.) sind unzuverlässiger als magere, weil sie bei längerer Einwirkung von Feuchtigkeit leichter seitlich ausweichen als magere. Vierte Klasse: zusammenpreßbare Bodenarten, welche auch zugleich zur Seite ausweichen, z. B. Torf, Morast⸗- u. ausgefüllter Boden, Trieb- oder Quellsand, erweichter Thon-od. Lehm- u. Wiesengrund. Womöglich vermeide man derartigen Boden, denn es könnte hier leicht sein, daß die Kosten der Gründung mehr als die des ganzen Gebäudes betrügen.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 288Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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