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Handwerk & GewerbeBau-Lexikon 1881

Bauanschlag, Kostenanschlag, m., lat. aestimatio, frz. devis, m., mémoire estimatif, engl. valuation, account for building-costs, estimation, device, ital. valutazione, span. tanteo, die Berechnung aller zu einem vorhabenden Bau erforderlichen Materialien u. Arbeitslöhne. Man unterscheidet: 1. Bauvoranschlag, Voranschlag, Vorausmäß, Überschlag, oberflächlicher B., vorläufiger Kostenanschlag, frz. devis préliminaire, mémoire général, engl. appro-Ximate estimation, rough valuation. Um einen solchen zu fertigen, vergleicht man das zu errichtende Gebäude mit anderen unter ähnlichen Umständen u. in ähnlicher Weise ausgeführten nach Geschoßanzahl und Flächeninhalt, erkundigt sich nach den Kosten jenes und überschlägt danach in Proportion des Flächeninhalts die zu erwartenden Kosten für den vorhabenden Bau; z. B. man hat ein Gebäude entworfen von 2 Geschoß Höhe und 600 qm. Grundfläche. Kurz vorher ist ein Gebäude von 3 Geschoß und 1000 qm. Grundfläche in ganz ähnlicher Weise erbaut worden und hat a 4 1000 Mk. gekostet; ein anderes von 1 Geschoß u. 400 qm. Grundfläche kostet b 100 Mk., so kostet also 1am. zu 3 Geschoß a Mk. und 1ꝗm. zu 1 Geschoß 5/4 Mk., dann wird also 1qm. zu 2 Geschoß annähernd das arithm. Mittel von beiden, also 2 8 Mk. kosten, das 75αb Mk. Diese Berechnung ist sehr schnell und genügt in vielen Fällen, z. B. wenn der Bauherr noch nicht völlig zum Bauen entschlossen ist.Anfang 1880 galten in Deutschland etwa folgende Preise: Bürgerliches Wohngebäude, 1 3,40 75— 90 massiv, unterkellert, mit 2seitigem 2 90 —120 Ziegeldach, gewöhnlichem Aus⸗ 3 „ 120— 160 Desgl., massiv, mit Schieferdach.) 1 3,90(105—135 Fällrohren, Flügelthüren mith 2 „ 140—180 Messingbeschlag, Eichenfenstern, 3 „ 180—210 Desgl., ebenso, aber mit herr 1 (ä4,10165—195 schaftlichem Ausbau, Basquill- 2bis 210—230 beschlag, feinen Oefen, Parkett etc.. 34½0 240 — 270 Monumentalbauten öffentl. od. 1 ö(4,30 300 -390 priv., Ziegelrohbau od. mereichersß 2bis 400—450 eich. Doppelfenster mit Spiegelscheiben, Stuckdecken etc. Kirche, einschiffig, Holzdecke, ohne Thurm — — 105—120 Desgl., theilweise gewölbt, mit Städtische Kirche, in solider, aber einfacher Ausstattung, bis 1000 Personen .. — — 360—450 Desgl., mit 1200 u. mehr Plätzen — — 400—500 Fabrikgebäude od. Werkstätte beisß 13,50 70—- 80 solidester Ausführung, totall 2 „ 100—115 unterkellert und mit Dachboden, 3 „ 125—140 dazwischen Geschosse: 4 „ 150—170 Fabrikgebäude mit Holzstützen — 1 3,5060— 70 Holzträgern, total unterkellerts 2 85—100 und mit Dachboden, dazwischenn 3 „ 105—120 Werkstätte, in Fachwand .. 1 — 35—60 Schauer mit Pappdach. 1 — 19—22 Nebengebäude, 1 Geschoß u. Dachboden . 42—50 und Futterboden darüber. .. 80—120 Stallgebäude mit Gewölbbe 60— 80 Scheuer mit massiver Umfassung . 40— 45 Speichergebäude, mit neso 66— 75 do., aber in Fachwand 45— 60 do., „dreistöckig in Fachwanndd... 60— 85 do., vierstöckig in Fachwand .. 85 80—115 Dorfschule, einstöckig, mit Kniestock N. 60— 72 do., zweistöckig, mit Kniestock .. 75— 90( Stadtsch ule, zweistöckig, mit Kniestock. 100—120 Gefängnis, zweistöckig, massio... 120—150 Ue 2. Eigentlicher Bananschlag, spezieller Auschlag, frz. détail estimatif, analyseé f. de prix, engl. analytic or spéecial valuation. Man hat verschiedene Verfahrungsarten u. tabellarische Schemata für die Anfertigung solcher Anschläge aufgestellt. Für die eigentliche Praxis aber soll das Verfahren so einfach wie möglich sein. Die erste Bedingung zu einem zuverlässigen Anschlag ist das Vorliegen eines genau und richtig gezeichneten, ausführlich dargestellten Entwurfs, welcher unabänderlich und unumstößlich feststeht und von einer in jedes Detail der Konstruktion eingehenden Baubeschreibung begleitet sein muß, diezugleich die Einleitung zu dem Bauanschlag bildet. Nach Zeichnungen u. Beschreibung berechnet man nun die einzelnen Posten des Anschlags. In Bezug auf die Reihenfolge der einzelnen Abtheilungen wird verschieden verfahren; sehr oft führt man die ganzen Arbeitslöhne der verschiedenen Gewerke hinter einanderauf, ohne Trennung nach Geschossen, und läßt hierauf die Angabe sämtlichen erforderlichen Materials folgen. Dies ist aber nicht überall zu empfehlen, weil viele Gewerke die Besorgung des Materials mit übernehmen, wie auch z. B. bei Tischler-u. Glaserarbeit sehr oft für verschiedene Geschosse verschiedene Meister angenommen werden, und es die Abschließung von Akkorden dann sehrerleichtert, wenn man Alles, was zu einem Akkord gehört, gleich beisammenstehen hat. Nach F. Mangers „Hülfsbuch zur Anfertigung von Bauanschlägenetc.“, Berlin 1869, gliedert sich ein Anschlag wie folgt: A. Erläuterungsbericht, Beschreibung des Entwurfsetc.enthaltend.B. Massenberechnung fürErdarbeiten, Maurerarbeit nach Theilen des Baues, Maurerzuthaten, Holzbedarf etc. C. Kostenberechnung mit Rekapitulation der Summen aus B. für die einzelnen Gewerke. D. Wiederholung. In Osterreich zerfallen die Bauanschläge in: ) Vorausmäß, welches lediglichzur Berechnung der Arbeitsmassen nach Mäß und Anzahl dient. In jeder der einzelnen Abtheilungen, für Maurerarbeit, Steinmetzarbeit, Zimmerarbeitee., sind wieder Unterabtheilungen nach Kubikmäß, Flächenmaß, Kurrentmäß und Stückzahl enthalten. 6) Kostenausweis;enthält, gleich dem in buchhalterische Form gebracht und sich bei jedem Posten auf beziehend, die Kostenberechnung der dort aufgeführten Arbeiten im Einzelpreis und Totalpreis. ) Bauanschlag, der die Beschreibung und Anweisung zu der Beschaffenheit der einzelnen Materialien und zugleich das Resumé von ßenthält. Man sieht leicht, daß ein solcher Anschlag bei seiner Anfertigung ungemein viel Mühe macht, auch wenig übersichtlich und für nachheriges Nachschlagen während des Baues höchst unbequem ist. In Mittel- u. Süddeutschland werden meist die Exempel für die Berechnung der Materialien und einzelnen Arbeiten mit in den Anschlag aufgenommen, in Norddeutschland aber die Massenberechnungen und Berechnung der Materialien als Vorbereitung getrennt behandelt; dies macht den eigentlichen Anschlag übersichtlicher, erschwert aber auch die Kontroleüber mehrere von Konkurrenten eingegebene Anschläge, da diese Berechnungen nicht mit ab— geliefert werden. Rach Busch, „Die Bauführung“, 2. Aufl., Leipig, Otto Spamer 1875, ist die Eintheilung folgende: A. Maurerarbeit inel. Erdarbeit, mit einer Unterabtheilung a) für Arbeitslohn u. b) für Maurermaterialien, B. Steinhauerarbeit, C.Zimmerarbeit, D. Dachdeckerarbeit, E. Tischlerarbeit, F. Schlosserarbeit, G. Glaserarbeit, U. Tüncher-u. Weißbinderarbeit, I. Tapeziererarbeit, K. Spengler— (Klempner-)arbeit, L.Pflasterarbeit, M.allgemeineKosten. Da aber vielfach die Tüncherarbeit von den Maurern, die Tischlerarbeit von dem Zimmermeister mitgefertigt wird, anderwärts Erdarbeit und Lehmarbeit von den Maurern, die Lackirerarbeiten vom Anstreicher nichtmitübernommen werden rce., so ist diese Eintheilung nichtallgemein brauchbar, so dringend wir sonst das Buch, bes. wegen der Einzelnotizen, die es enthält, empfehlen können. Man wird in der Praxis fast stets Schwierigkeiten begegnen, wenn man die in Werken oder Schulen gegebenen Anweisungen zu Anfertigung von Anschlägen befolgt. Wir geben daher hier Anweisungzu Fertigung eines Anschlags, wie wir ihn in unserer Praxis für am zweckmäßigsten angeordnet erkannt haben. IJ. Einleitung, zugleich genaue Baubeschreibung enthaltend. Dieselbe zerfällt in folgende Unterabtheilungen, von denen vielleicht die eine u. andere im gegebenen Fall wegbleiben kann. 1. Kurze Beschreibung des Grundstücks, der Lage desselben und der Lage des Gebäudes im Grundstück. 2. Beschreibung der in der Umgebung des Gebäudes nöthigen Arbeiten, z. B. Pflasterung des Hofs, Einfriedigung, Anlage eines Gartens, Legen von Trottoirs etc. 3. Beschreibung des Gebäudes selbst, geschoßweise, beim Souterrain beginnend. 4. Beschreibung etwaiger zierender Zuthaten, die nicht eigentlichzum Gebäude gehören, Statuen, Springbrunnen, Vasen, Laternen etc. 5. Entwurf zu einem Lieferungskontrakt, mit Campagneplan, d. h. tabellarischer Uebersicht der Termine für die Vollendung der einzelnen Geschosse etc. II. Anschlag selbst. Dieser wird auf Formularpapier geschrieben, dessen Rubriken wie beistehend abgetheilt, überschrieben und ausgefüllt werden: S Mk. Pf. Mk. Pf. 4/124 Kbm. do — 7593/ — Lehm47/123Mille Lehmsteine zu Dies ist das Formular für die Reinschrift; im Konzept bedarf man fast für jede Arbeitsart eine anders eingerichtete Rubrizirung, für welche wir bei den einzelnen Abtheilungen Notizen geben. A. Erdarbeiten. 1. Ausgrabung der Gründung. Die Mäße werden nach dem landesüblichen Längenmäß, nach Länge, Breite und Tiefe der Grundgruben geordnet, im Konzept in dazu passend eingerichtete Rubriken eingetragen, in die nebenstehende Rubrik das Kubikmäß eingesetzt, daneben kommt der Einzelpreis für eine Kubikeinheit u. daneben d. Totalpreis für den betreffenden Posten; endlich wird unter dem letzten Posten die Summe gezogen u. mit No. . bezeichnet. Die Preise richten sich nach der Härte des Bodens sowie danach, ob das Ausgegrabene blos aus der Grundgrube herauszuwerfen oder ein Stück fortzukarren ist, ob es mit Wagen fortgeschafft wird u. ob dieses Abfahren gleich mit im Preis inbegriffen ist oder nicht. Am besten thut man allerdings, das Abfahren von dem Ausgraben zu trennen u. letzteres, resp. inel. des Abkarrens nach einer etwa auszufüllenden Stelle, den Arbeitern direkt nach dem Kubikmäß in Akkord zu geben, wobei man dann die Grube nach ihrer Vollendung oder in gewissen Perioden, z. B. wöchentlich, ausmißt u.nach der Zahl der dabei beschäftigt gewesenen Arbeiter die angewachsene Lohnsumme repartirt. Verfließen mehrere Wochen und man will erst nach Vollendung des Ausgrabens ausmessen, so giebt man den Arbeitern wöchentlich eine Abschlagszahlung, deren Betrag bei Vollendung wieder von der Totalsumme abgezogen wird. 2. Auffüllung. Die Rubrizirung des Konzepts ist ganzähnlich wie bei 1. Ist der ganze Bauplatz aufzufüllen, muß man also Erde oder anderes Auffüllungsmaterial herzufahren lassen, so kann man gleich mit dem Anfahren zusammen das Breitschaufeln und oberflächliche Planiren in Akkord übergeben; man kann aber auch das Anfahren inel. des Ankaufs für das Füllmaterial als besondern Posten, und zwar als einen Posten für die ganze Masse, in Rechnung stellen. Reicht aber das Ausgegrabene zu Auffüllung der tiefgelegenen Stellen hin, so kann man dieselbe gleich den Ausgräbern mit überlassen. 3. Planiren, Beetemachen etc.; die Rubrizirung und Verrechnung kann wie oben erfolgen, bei Planirung sehr coupirter Terrains aber auch blos nach dem Flächenmäß mit Zugrundelegung eines Pauschpreises, der sich nach der ungefähren mittleren Höhe berechnet. Die Arbeit selbst geschieht am besten erst nach Vollendung des Auf⸗

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 280Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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