Befestigungsmanier, k., Befestigungssystem, Fortisikationssystem, n., frz. système m. de fortification, engl. system of fortification, methode of fortifying, die bestimmte, von gewissen Grundsätzen ausgehende Art und Weise, besonders permanente Befestigungen anzulegen. Im Lauf der Zeiten mußten mit den Fortschritten der Baukunst, Waffen u. Kriegführung diese Grundsätze Wandelungen erfahren, u. so bildeten sich verschiedene Systeme für die Anlage der Festungswerke, die je nach ihrer von einander abweichenden Konstruktion verschiedene Namen führen. Von der ältesten Form, der des reinen Vierecks od. Kreises, bis zu dem neuesten, infolge der ungeheuren Fortschritte der Geschützkunde noch in steter Ausbildung begriffenen, noch nicht abgeschlossenen System giebt es eirea 500 verschiedene Befestigungsmanieren, von denen jedoch nur wenige zu bleibender Geltung gelangten. Was über die Befestigungen der stiltragenden Völker des vorklassischen Alterthums u. der Völker mit in sich abgeschlossener Kultur zu sagen ist, ist in den Stilartikeln mit enthalten. Ebenso ist in den Artikeln griechisch und römisch das Nöthigste über die Befestigungen dieser Völker enthalten. Die älteste und einfachste Ortsbefestigung bestand nach Ueberwindung der Vorstufen, die sich durch Erdwälle, Steinwälle, Schlackenwälle u. dergl. charakterisiren, in einer den Umrissen der Stadt folgenden hohen und breiten Mauer nebst einem vor ihr liegenden Graben. Der nächste Fortschritt bestand in der Anlegung vorspringender, meist auch höher ragender Thürme zu Bestreichung von Mauer und Graben; s. d. Art. assyrisch, babylonisch etc. So viel wir wissen, waren die Römer die Ersten, welche nach einer feststehenden, v. Vitruv in ihren Hauptzügen beschriebenen Theorie bei Befestigung ihrer Städte verfuhren, indem sie die Stadtmauern in regelmäßigen Zwischenräumen mit thurmartigem Ausbau versahen, wie dies in Fig. 496 zu sehen ist. Hinter den Zinnen führte auf der Mauer ein Banquet u. neben oder hinter diesem ein breiter Weg hin; jeder Thurm enthielt eine Treppe u. einige Zimmer über einander. Ueber die römische Feldbefestigung s.d. Art. Castrum. Die von den Römern geregelte Form der „Städtebefestigung“ mit runden, vier- od. mehrseitigen Thürmen behielt man fast durch das ganze Mittelalter mit nur geringen Veränderungen bei; in Bezug auf weniger ausgedehnte Befestigungen des Mittelalters s. d. Art. Burg. Die Erfindung des Schießpulvers hatte natürlich eine totale Umgestaltung der ganzen Befestigungskunst zur Folge. Zu Aufstellung von Geschützen und erfolgreicher Bestreichung der Gräben durch Feuerrohre mußten die Thürme niedriger und breiter, die Abstände zwischen ihnen weiter gestaltet werden. Jene hießen nun Rundele, Boll. werke, Basteien, Bastionen, s. d. betr. Art. Es entstand son, zunächst die Bastionärbefestigung (s.d.), welche zuerst in Spanien und Italien, dann in Deutschland, den l! Niederlanden und Frankreich angewendet und hauptsächlich durch Speckle in Deutschland, Vauban, Cormontaigne,. Choumara, Chasseloup in Frankreich, Coehorn und Haav in den Niederlanden vervollkommnet wurde. Gleichzeitig mit dem Bastionärsystem trat Albrecht Dürer in Deutschland mit der Cirkular- oder Kreisbefestigung auf, bestehend“ in einem rund um die Stadt laufenden kasemattirten Wall, dessen Graben durch kleine Caponnièren bestrichen wird. Später konstruirte zuerst Landsberg in Deutschland die Tenaillen- oder zangenförmige Befestigung, die dann in Frankreich im 18. Jahrh. von Montalembert wieder aufgenommen u. durch Hinzufügung kasemattirter Thürme u. Defensionskasernen vervollkommnet wurde.. Die Hauptenceinte besteht aus ein- u. ausgehenden Winkeln von ca. 90—120(s. d. betr. Art.). — Endlich wurde“ im vorigen Jahrhundert in Preußen die Polygonalbefestigung oder Angularb. eingeführt u. von Monta-⸗ lembert, in der neuesten Zeit von Brialmont sowie von . einigen Deutschen verbessart, namentlich den Wirkungen. gezogener Geschütze angepaßt. Sie umschließt die Stadt in regelmäßigen oder unregel⸗„ mäßigen Polygonen, ihre Gräben sind durch Caponnièren u. Flankenbatterien bestrichen. (Näheres siehe die betr. Art.) Schließlich ist noch die Befestigung mit detachirten Forts, welcheneuerdings überall Platz greift, zu erwähnen. Sie verwandelt die Festung in ein verschanztes Lager, Manövrirplatz, u. hält den ersten Angriff von der Stadt selbst ab. PlE.