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TechnikBau-Lexikon 1881

Bleifarbe, f. engl. lead-colour. I. Arten. Man hat aus den Bleiverbindungen viele schöne Farben hergestellt, die in der Technik große, ausgebreitete Anwendung finden. Die vorzüglichsten und am häufigsten angewendeten Farben sind nachstehende: 1.Bleigelb, frz. massicot, engl. yellow lead, massicot, ein gelbes Pulver, wird erhalten, wenn man Blei unter starkem Luftzutritt erhitzt; es ist eine Verbindung von Blei mit dem Sauerstoff der Luft. Eine feinere Sorte von B. ist 2. das Königsgelb oder Neugelb, welches erhalten wird, wenn man Bleiweiß gelind glüht, bis die erwünschte gelbe Nuanee erzielt wird. Beide Farben sind jetzt durch das Chromgelb (s. unter 10) fast ganz verdrängt. — 3. Mennige, eigentl. Zleimennig, m., Bleimennige, f., Bleiminium, n., Saturnusroth od. Bleiroth, frz. minium m., rouge m. de Saturne, engl. red lead, lead-minium, wird aus Massicoterhalten, wenn man letzteres bei 3000. längere Zeit der oxydirenden Einwirkung der Luft aussetzt. Man benutzt die Mennige bes. als Oel-, Wasser⸗ u. Kalkfarbe, zu Bereitung eines Kittes für Dampfleitungs⸗ und Gasröhren; s. auch Art. Anstrich 1 u. 2. — 4. Pariser Roth, frz. rouge parisien, engl. french red lead, auch rothe Mennige gen., entsteht aus Bleiweiß, wenn letzteres der oxydirenden Einwirkung der Luft in der Glühhitze ausgesetzt wird. Infolge seiner feinen Zertheilung hat dies Roth einen sehr feurigen Farbenton. Man wendet es auch als Wasser⸗, Oel- u. Kalkfarbe an. — 5. Bleiweiß, n., frz. céruse, f., blanc m. de plomb, plomb blanc, engl. white lead, lead-vrhite, eine seit langer Zeit beliebte Malerfarbe, ist ein basisches kohlensaures Bleioxyd. Erst in neuerer Zeit hat seine ausschließliche Anwendung durch Einführung des Zinkweiß re. einen erheblichen Stoß erlitten. Die Fabrikation des B., frz. cëéruserie, wird im großen ausgedehnt betrieben, bes. nach drei Fabrikationsmethoden: a) Die holländische oder deutsche Methode, bei welcher Essigdämpfe u. Kohlensäure auf Blei-Fig. 672. Bleiweißbereitung, holländische wird. c)Diefranzösische u.englische Methode, wobei man erst basisch essigsaures Bleioxyd in Lösung od. feuchtem Zustand herstellt u. darauf Kohlensäure einwirken läßt. Das beste B. ist das Kremserweiß; Schieferweiß nennt man die Platten, welche beim holländischen Verfahren durch und durch in B. übergegangen sind und so verkauft werden. Die schlechteren Sorten von B. werden gewöhnlich mit feingepulvertem Schwerspat od. Blane fixe (s. d.) versetzt. So kommt im Venetianerweiß, Hamburger⸗ und Holländerweiß auf je ein Theil reines B. 1, 2 und mehr Theile Schwerspat. Das B. findet seine Hauptanwendung als Wasser⸗ u. ganz bes. als Oelfarbe; es liefert mit Leinöl oder fetten Lackfirnissen einen blendend weißen, vortrefflich deckenden Anstrich. Von großem Nachtheil für Bleiweißanstriche ist das Schwefelwasserstoffgas, welches aus Kloaken sich entwickelt u. in der Luft sich verbreitet, u. welches die Anstriche zunächst gilbt, bald aber ganz schwärzt. Dieser Uebelstand gab Veranlassung, sich nach Surrogaten umzusehen. Das Zinkweiß u. Blane fixe (s. d.) haben sich zwar bewährt, kommen aber dem B. bei weitem an Deckkraft nicht gleich. — 6. Das Pattinsonsche Weiß hat man auch als Ersatz des B. vorgeschlagen, weil es der Einwirkung des Schwefelwasserstoffes besser widersteht u. ausgezeichnet deckt. Das Pattinsonsche Weiß ist basisches Chlorblei, undman erhält es, wenn man Bleiglanz in Salzsäure auflöst u. die Lösung mit Kalkwasser fällt. — 7. Das patentgelb oder englische Gelb entsteht durch Glühen des Pattinsonschen Weiß. — 8. Das Kasseler Gelb, welches bes. als Malerfarbe Anwendung findet, wird erhalten durch Zusammenschmelzen von 10 Th. Massicot mit 1 Th. Salmiak. — 9. Das Neapelgelb wird, seiner Feuerbeständigkeit wegen, in der Porzellanmalerei angewendet; es besteht aus antimonsaurem Bleioxyd, welches durch Zusammenschmelzen von 1 Theil Brechweinstein, 2 Theilen salpetersaurem Bleioxyd und 4 Theilen Kochsalz erhalten wird. — 10. Chromgelb, Chromroth, s. d. Art. Chrom und Chromgelb. — 11. Zleiorydchlorid wird neuerdings in England als Surrogat des Bleiweiß fabrikmäßig dargestellt, fällt aber oft ins Gelbliche. II. Behandlung. Alle Arbeiter, welche mit B. umgehen, müssen sich der größten Reinlichkeit befleißigen, so wenig wie möglich Branntwein genießen, dürfen auch nie essen od. zu Bett gehen, ohne sich zuvor sorgfältig zu reinigen. Außerdem müssen sie vermeiden, in den Räumen, wo sie arbeiten, zu essen, zu trinken, oder ihre Speisen und Getränke den Dämpfen u. Gerüchen der Gegenstände, mit denen sie bei der Arbeitumgehen, auszusetzen, da der Bleirauch, frz. fumée de plomb, engl. refiners fume, leadsmoke, flight, eine sehr böse Krankheit, die Bleikolik, frz. colique de plomb, engl. lead colic, erzeugt; die Kleidungsstücke müssen so beschaffen sein, daß sie öfters gewaschen werden können. Beim Reiben oder Auspacken der Farben muß man thunlichst vermeiden, den feinen Staub einzuathmen. Ebenso soll man vermeiden, Glaserkitt aus Bleiweiß u. Oel bereitet, mit blosen Händen an-⸗ zugreifen.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 410Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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