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NaturlehreBau-Lexikon 1881

Braunkohle, f., frz. lignite, m., engl. brown-coal. Die Farbe der B. wechselt vom Lichtbraunen bis zum Schwärzlichbraunen; sie erscheint, mit sehr geringen Ausnahmen, schwachglänzend od. matt; spez. Gew. 1½: —13. Als Arten unterscheidet man, nach den verschiedenen Entwickelungsgraden, od. richtiger nach den Umwandelungsstufen, welche die derBraunkohlenbildung zu Grunde liegenden Pflanzenreste erlitten haben: 1. Bituminöses Holz, auch faserige od. holzige B., Surturbrand gen., frz. bois bitumineux, lignite fibreux, engl. bituminous wood; Massen von mehrod weniger deutlichem Holzgefüge u. erkennbarer Holzgestalt. 2. Gemeine, auch ungeformte Braunkohle, frz.houille brune, f., engl. common brown-coal, nur noch wenige Spuren von Holzgefüge, derb, auch erdig bis zum Muscheligen. Hierher gehört auch die Nadelkohle, Bastkohle etc., nur nach ihrer Gestalt so genannt. 3. Pechkohle, frz. üignite piciforme, engl. pitch-coal, derb, nur selten, meist mehr gegen die Außenseite, mit Spuren von Holzgefüge u. Holzgestalt; Bruch vollkommen muschelig, sammetschwarz ins Pechschwarze. 4. Moorkohle, geformte B., auch Trapezoidalkohle gen., frz. houille limoneuseé, engl. moor-coal, aufgelöste B. ohne alle Holzgestalt; meist rissig, geborsten, voller Sprünge. 5. Papier- od. Blätterkohle (Laubkohle), frz. houille feuilletée, engl.foliated-coal, ein Haufwerkvon Blättern, welche oft kaum Papierstärke haben und biegsam sind. 6. Erdige BraunkohlesErdkohle), frz. ügnité terreux, earth-coal, auch zerfallene B.gen., staubartige Theile von geringem Zusammenhang, Bruch erdig, abfärbend; unter dieselbe gehört die Umbra. 7. Die Bastkohle, mit bastartigem Aussehen. 8. Die Nadelkohle, welche sich in Gestalt einzelner, lose verbundener Nadeln findet. 9. Die schieferige oder Schieferbraunkohle, welche sich schieferig abgesondertfindet. — B.verbrennt beim Erhitzen unter unangenehmem Geruch und hinterläßt ziemlich viel Asche, deren Menge bei den verschiedenen Braunkohlensorten zwischen u. 20 u. mehr Prozent schwanken kann. Bei trockener Destillation liefert sie dieselben Stoffe wie Holz, nur in geringerer Menge, u. giebt oft mehr als die suchungen schwankt der Gehalt B. kommt vor im Hügelland, am Fuß von Gebirgszügen, in sehr zerrissenen u. zerschnittenen Bergpartien. Sie bildet mit Ablagerungen von Sandstein, Kalkstein, Thon u. Mergel die sog. Brannkohlenformation. Manchmal kommt die B. auch untergeordnet in verschiedenen Gliedern älterer Formationen oder auch in den jüngeren Diluvialu. selbst Alluvialablagerungen vor. Zu den Merkmalen, auf welche man die Hoffnung der Auffindung von B.n gründen kann, gehören: Hügelgestaltung der Bodenoberfläche, Sand- od. Kiesbänke von weißer Farbe, lichte, gefärbte Thonschichten, vor allem aber der Töpfer- od. plastische Thon. Außer als Brennmaterial (s.d.) wird sie auch zu einer ordinären braunen Malerfarbe verwendet (Kölnisches Umbra). Die zerfallene B. wird in Ziegelformen gestrichen, s. Torf. Die Brannkohlenasche muß man in feuerfesten Behältern bewahren, da sie sehr lange glimmt. In Gegenden, wo Braunkohlenfenerung üblich ist, mache man die Schornsteine etwas weit, weil sich viel Ruß ansetzt, welcher sich auch sehr leicht entzündet. Die Asche ist meist reich an Thonerde, Eisenoxyd u. Schwefelsäure; nur zuweilen enthält sie in größerer Menge Kalk u. etwas Kali u. kann dann, mit Mistjauche übergossen, als Dünger angewendet werden. (½/. Schon seit Jahren ist die Gewinnung von Mineralöl u. Paraffin durch Destillation der B. bes. in der Provinz Sachsen ein bedeutender Industriezweig geworden, s. d. Art. Mineralöl, Kamphin, Paraffin, Photogen etc. SVι.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 469Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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