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HimmelskundeBrockhaus 1882

Audiffredi (Giovanni Battista, eigentlich Giulio Cesare), ital. Gelehrter, geb. 2. Febr. 1714 zu Saorgio bei Nizza, trat sehr R6 in den Dominikanerorden, wurde Mönch im Kloster Alla Minerva in Rom und erhielt die Aufsicht über die Bibliothek dieses Klosters, die nach ihrem Stifter die Casanatienannt wird. Er starb 3. Juli 1794 zu Rom. hat sich besonders als Bibliograph sowie als Astronom einen geachteten Namen erworben. In ersterer Beziehung sind vor allem der musterhafte Katalog der Casanatischen Bibliothek (4 Bde. Rom 1761—88) und die vorzüglichen Verzeichnisse der röm. (Rom 1783) und der ital. Ausgaben des 15. Jahrh. (Rom 1794) zu nennen. ᷓ seinen astron. Schriften berichtet er über von ihm beobachtete Planetendurchgänge, Verfinsterungen, den Kometen von 1769 u. s. w. Andiffret-Pasquier (Edme Armand Gaston, Herzog von), franz. Staatsmann, geb. zu Paris 20. Okt. 1823 als Sohn eines Grafen n Las: wurde von seinem Oheim, dem Herzog von Pasquier (s. d.) adoptiert, studierte die Rechte, wurde 1845 Anditeur im Staatsrat, zog sich 1848 vom öffentlichen Leben zurück und gehörte unter dem Kaiserreich zur orléanistischen Opposition. A. wurde 1871 im Depart. Orne zum Mitglied der Nationalversammlung gewählt, wo er sich dem rechten Centrum anschloß und als heftiger Gegner des Bonapartismus hervorthat. An den Unterhandlungen, welche eine Fusion der royalistischen und orléani⸗ —ã— Partei bezweckte, war A. in hervorragender eise beteiligt. Am 2. Dez. 1874 wurde er zum Vizepräsidenten, 15. März 1875 zum Präsidenten der Nationalversammlung, 13. März 1876 zum Präsidenten des Senats gewählt. Im Senat war er der Führer der ur Republikaner und zwang als solcher bei der Verfassungskrisis im Nov. 1877 das Ministerium Broglie zum Rücktritt. Als die Neuwahlen 5. Jan. 1879 eine entschieden reublikanische Majorität in den Senat brachten, erhielt A. bei der t nur 81 Stimmen gegen 153, welche auf den Führer des linken Centrums, Martel, fielen. Andigier (E arles Louis Alexandre Henri d'), Bogt Journalist, Rr zu Paris 24. Dez. 1828, ögling der pariser Normalschule, war Mitarbeiter an mehrern Tagesblättern, besonders an der Patried, und starb 2. Aug. 1872 zu Bourg-Saint-Andeol. Er schrieb La vie de garçond (1859); Procès d'outre-tombev (1861); Histoire de Pierre Terrail, chevalier de Bayardo (1862). Anditenr (frz.) ist die Benennung der Militärrichter, die die stand⸗ und kriegsgerichtlichen Unter-Rrieesden zu führen und bei den Stand⸗ und iegsgerichten die jurist. Auffassung zu vertreten, Aberhaupt als jurist. Beirat der Militärbefehlsaber zu fungieren haben. Je nach den Kommandoehorden, denen sie beigegeben sind, heißen sie Garnison⸗, Gouvernements⸗, Divisions⸗, Korpsauditeure, während ein Generalauditeur die höchste Stelle in der Militärjustiz eines Staates bekleidet. Anditor (lat., wörtlich: Zuhörer) hieß in der Gerichtssprache des Mittelalters besonders dasjenige lied eines Gerichts, dem die Vernehumd Spann arteien übertragen war. In Italien und Spanien aber wurden so (Uditori, Oydores) die Mitglieder der höhern Gerichtshöfe genannt, 3. B. Auditores Rotae Romanae, des berühmten päpstl. Gerichtshofs. In einigen deutschen Staaten werden auch mit diesem Namen die jüngern Beisitzer höherer Gerichts- und Verwaltungsbehörden bezeichnet, die, ohne Stimmrecht oder amtliche Beteiligung, den Verhandlungen derselben zu ihrer Übung beiwohnen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 173Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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