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AllerleiBrockhaus 1882

Augurn hießen bei den Römern die Mitglieder eines bis in späte Zeiten hochangesehenen Priesterkollegiums, in welchem die „ überliefert wurde, mittels der Augurien oder Auspizien, d. h. der Beobachtung des Flugs und Geschreis der Vögel, womit ihr Name zehen. den 28 „des Blitzes und anderer sog. Vorzeichen, den Willen der Götter, ob diese nämlich einem d mu insof Vorhaben zustimmten oder nicht, und nur insofern das Gelingen oder Mißlingen desselben, also das Zubun zu erforschen. ie Auspizien zerfielen in solche, welche ausdrücklich in benimmien Formen un 9ulce. von den Göttern erbeten wurden, und in solche, durch welche diese ungefragt ihren Willen zu erkennen gaben. Bei letztern war der Einfluß der A. als fachmäßiger Kenner der tiefgreifendste und weittragendste. Namentlich konnten sie die Vertagung jeder Volksversammlung mit ihrer Ankündigung, daß ein ungunstiges Zeichen stattgefunden habe, bewirken. Aber es stand auch bei dem Kollegium der A., in mnen V irgendwelcher offiziellen Handlung durch einen Beschluß zu erklären — störende Auspizien vorgekommen seien, daß dieselbe demnach Feh den Regeln chaf Wissenschaft mit einem Fehler, «vitiumv, behaftet, also rückgängig zu machen sei. Im einzelnen zerfielen die Auspizien in fünf Klassen: 1) Himmelserscheinungen, wie Donner und Blitz. Man merkte dabei auf den Ort des Entstehens des Blitzstrahls. Zur Linken, für den nach üden gekehrten Beobachter auf der Seite, wo die Sonne aufgeht, erschienen die glücklichen, zur Rechten die unglücklichen Anzeichen. 2) Die Stimme und der Flug der Vögel. Die Vögel waren glück- oder ung ückverkündend, entweder ihrer Art nach oder mit Rücksicht auf den Ort und die Umstände überhaupt, unter denen sie sich zeigten oder hören ließen. Es zerfielen nämlich die Vögel in solche die durch ihren Flug etwas anzeigten, und in solche, deren Gesang oder Stimme etwas verkündigte. Durch ihr Geschrei gaben ein Anzeichen der Rabe, die Krähe, die Nachteule und andere; durch ihren lug z. B. eine Falkenart, der Adler, der Geier. ie Krähe verhieß zur Linken Glück, der Rabe zur Rechten. 3) Das Fressen oder Nichtfressen der Hühner. Jenes bedeutete Glück, wehm Unglück. Man bediente sich der Hühner vornehmlich im Kriege, daher dem Heere immer ein Pullarius mit seinem Hühnerkasten folgen mußte. Außer diesen dreien gab es noch 4) Auspizien von vierfüßigen Tieren, wozu endlich 5) die aus ungewöhnlichen erce- und Unglück bringenden Ereignissen (dirae) hergenommenen Anzeichen kamen. Sie konnten bei der Einholung der Auspizien störend dazwischentreten oder aber selbständig auftreten. So mußte z. B. jede Volksversammlung sofort aufgelöst werden, wenn jemand von der fallenden Sucht befallen wurde. In Kriegs⸗ und Friedenszeiten wurde nichts Wichtiges unternommen, ohne daß vorher die Auspizien eingeholt worden waren. Auch im Zeitalter des Cicero, in welchem der Glaube an die alten Götter namentlich in den Kreisen der Vornehmen sehr geschwunden war, und die Magistrate, denen solche Verrichtungen oblagen, sie vielfach nur noch als lästige Förmlichkeiten betrachteten, waren die Auspizien immer noch wenigstens ein wichtiges Mittel, um polit. 4 706 damit — erreichen, und das Kollegium der A., das die issenschafto von den Auspizien unter balbe Mitgliedern zu bewahren hatte, behielt deshalb großes n „Auspizien von Staats wegen anzustellen, hatten wä die A., sondern nur die Magistrate das echt, während jene dabei nur als Sachverständige funieren konnten. Ihre Mitwirkung bei denselben betand in erster Linie darin, daß sie für die Beobachtung der Zeichen das Templum v abzugrenzen hatten, d. h. einen engern Raum, von wo aus, und einen weitern, innerhalb dessen die Götterzeichen beobachtet werden sollten. Der Augur zog dabei mit seinem Stabe (lituus) zunächst zwei Linien (eine von Süd nach Nord, den Cardo, und eine diese kreuzende von Ost nach West, den Decumanus) in Gedanken über das zu SWynutten Beobachtungs1 bis zu bestimmten Endpunkten hin und grenzte chließlich durch vier Linien, welche durch diese Minteliela gezogen wurden, das ganze Feld rechtwinkelig ab. Erst wenn dies ut deher war, konnte der Magistrat, indem er mit bedecktem Haupte gegen .* oder Süden Wuß . des engern Templums saß, sodaß er Norden oder Osten zur Linken hatte, in rechter Weise die wuuten Auf anstellen. In Rom waren für die meisten uspizien, welche regelmäßig stattfanden, in bleibender Weise so che Templa Bedpacnen Namentlich befand sich ein solcher Beo achtungsort auf dem Kapitol, ferner auf dem Forum und im Marsfelde für Komitien. Die Abhaltung von Senatssitzungen, welche im geschlossenen Raume stattfand, geschah regelmäßig in Gebäuden, welche für Auspiien eingerichtet waren, und ebenso waren die meiten Göttertempel auf 1196 «templav errichtet, in denen deshalb dann au Senatssitzungen gehalten werden konnten. Vgl. Nissen, Das Templum: (Berl. 1869); Mommsen, «Das röm. Staatsrecht ⸗ (Bd. 1, Lpz. 1871). Angust, der sechste Monat im alten röm. Jahre, welches bis zu Cäsars Kalenderreform mit dem März anfing, daher ursprünglich Sextilis genannt, bis Kaiser Augustus zum Andenken mehrerer glück1 Ereignisse, die ihm in diesem Monat widerfahren waren, demselben seinen eigenen Namen vom Senate beilegen ließ. Diese Art der Schmeichelei des Senats begann bereits mit Julius Cäsar, dem zu Ehren der Monat Quintilis Julius genannt wurde. Der Sextilis hatte im alten röm. Kalender nur 29 Tage gehabt, Julius Cäsar ihn aber, wie sodaß der A. gegenwärtig 31 Tage zählt. Während der ersten zwei Drittel des A. 8 die Sonne im Zeichen des Löwen, während des letzten Drittels in dem der Jungfrau. Im Deutschen wird A. als Erntemonat bezeichnet. Die iten ia demuhen Verrichtungen und Gartenarbeiten in demselben sind: Rapssaat, Pflanzen von Karden und Safran, Saatpflügen, Krautdüngung, Ernte des Winterweizens, Sommerweizens, Sommerroggens, teil-Weise noch der Gerste, des Hafers, der Hirse, des Buchweizens, Leins, Mohns u. s. w. Dann die Grumternte, Kleeschnitt, Sommerpfropfen, Saat im Garten von Spinat, Kerbel, Petersilie, Wirsing, Rapunzel, Winterkopffalat u. s. w. Ferner: Samenernte von Gemüse und Blumen; Umlegen der Gewürzpflanzen, Verpflanzen perennierender Staudengewächse u. s. w. Die Bienen tragen noch ein, wo der Buchweizen und das Heidekraut blühen. In Fischteichen streichen Karauschen und Karpfen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 214Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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