FeedAufklärung
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Aufklärung ist im allgemeinen derjenige Bildungszustand, in welchem Klarheit, Sicherheit und Unbefangenheit der Überzeugungen den Aberglauben und die Verwirrung der Begriffe fern halten. Der Ausdruck bezieht sich jedoch d6em Gebiere auf religiöse Bildung, da sich auf dem Gebiete der Religion zu allen Zeiten Aberglauben und Verwirrung teils vornehmlich geltend machten, teils besonders empfunden wurden. Insofern die Freiheit von Vorurteilen und die Klarheit der Begriffserfassung an sich etwas unleugbar Gutes ist, muß auch A. sowohl für den Einzelnen als für die Gesamtheit eines Volks wünschenswert, ja selbst notwendig erscheinen. Deshalb, und weil zugleich die Wissen — an einer gewissen Reife ihrer im enern Kreise zusammengehaltenen Thätigkeit die esultate und wesentlichen Ideen in das Volksleben übergehen läßt, gibt es im strengsten Sinne des Wortes keine höhere Aufgabe für Staat und Kirche, als durch Aufwenden aller Mittel, durch Gufselimten der Männer der Wissenschaft und der aufgeklärten Iusitn an Universitäten, Schulen und verwandten Institutionen, für die Hebung der Volksbildung und A. zu sorgen. Dennoch ist nicht zu leugnen, daß hier auch mit Vorsicht zu Werke gegangen werden muß. Schon die öffentliche Meinung war gegen diejenige A. mit großer Bestimmt920 eingenommen, welche als sog. Vulgärrationaismus von den engl. Freidenkern angeregt und durch die franz. Encyklopädisten (s. d.) zu einer allgemeinen Macht in der europ. Litteratur erhoben, besonders seit der Mitte des 18. bis in das erste Viertel des 19. Jahrh. das Volksbewußtsein zu beherrschen suchte. Diese Richtung war aus dem Grunde eine verfehlte, weil sie ausschließlich die Verstandeskultur beförderte, die übrigen, nicht minder berechtigten geistigen Funktionen im Menschen aber, Gemüt und Phantasie, ungebührlich endche lässigte. Die Philosophie selbst hat sich gegen diese Art der A. ohne o und Lebenskern erklärt, obgleich die Philosophie als Wissenschaft die vollste Freiheit der Überzeugung prinzipiell für sich in Anspruch nehmen muß. Anderersels hat n die 11d in den Besten und Verständigsten gleichzeitig die Ubereugung geltend gemacht, daß, so verderblich einist, klaubt auch blinde Hingabe an ungeprüfte und unerlaubte Autorität, mystische Verworrenheit und hochmütigsexklusive Glaubens rannei zum Verderben gereicht. Es ist vielmehr dahin zu wirken, daß der ganze Umfang menschlicher Geisteskraft, also nicht bloß ausschließlich der Verstand oder einseitig das zur Schwärmerei und zur Willkür geneigte Gemüt, ausgebildet werde. Bei dieser Rücksicht auf den ganzen Menschen nur kann wahre A. erreicht und segensreich werden. Vgl. Kant, Was ist A.d im 4. Bande seiner Werke (herausg. von Hartenstein, Lpz. 1867), und Lecky, 4Geschichte des Ursprungs und Einflusses der A. in Europap (2 Bde., deutsch von Jolowicz, Lpz. 1867—68; 2. Aufl. 1873, und von Ritter, Berl. 1874). Eclaireurs. Austündigung, f. (Eclaireurdienst), s. unter

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 190Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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