Augustinus (Aurelius), einer der berühmtesten und vielleicht der einflußreichste unter den Lehrern der christl. Kirche, war zu Tagaste in Afrika 13. Nov. 354 geboren. Den ersten Unterricht erhielt er durch seine Mutter Monica, eine edle, verständige und christlich fromme Frau, deren Einwirkung auf den Sohn jedoch durch den Vater Patricius gelähmt wurde. Zur Vollendung seiner klassischen Studien nach Madaura und Karthago eschickt, ergab sich der lebenslustige Jungling den Srenden der Welt. Die Sehnsucht nach Höherm erwachte erst in ihm, als des Cicero Hortensiusp ihn auf das Studium efuhlsmensche leitete. Doch diese konnte ihn, den Gefühlsmenschen, nicht lange 2²22 Augustinus (Apostel der En fesseln; er trat seit etwa 374 zur Sekte der Manichäer und blieb dieser gegen zehn Jahre lang zugethan. Als er aber auch bei ihr nicht wahre Befriedigung fand, glaubte er an der Wahrheit verzweifeln zu müssen, bis ihm die in lat. Übersetzungen ihm zugänglich gewordene platonische und neuplatonische Philosophie neue Anregung gewährte. Er wandte sich 383 von Afrika nach Rom und von da 384 nach Mailand, um hier als Lehrer der Beredsamkeit Sterale er Durch den dortigen Bischof Ambrosius lernte er das Christentum näher kennen, und das fleißige Lesen der Briefe des Paulus brachte eine völlige Lebens⸗ und Sinnesänderung in ihm hervor, welcher Begebenheit die kath. Kirche ein eigenes Fest (3. Mai) gewidmet hat. Er begab h hierauf einige Zeit in die Einsamkeit, schrieb ort mehrere Bücher und bereitete sich auf die Taufe vor, die er in der Osternacht 387 mit seinem Sohne Adeodat durch Ambrosius empfing. Hierauf kehrte er nach Afrika zurück. Doch zuvor verkaufte er seine Güter, schenkte den Erlös den Armen und behielt für sich nur so viel, um mäßig leben zu können. Er lebte nun als Haupt eines ascetischen Vereins in strenger Abgeschiedenheit, bis er 391 in den geistlichen Stand trat und, zum Presbyter Bonapt dem Bischof Valerius von Hippo Dem ona) beigegeben wurde. A. predigte mit großem Erfolg und ward 395 Mitbischof zu Hippo. bwohl der Reihe nach nicht der erste Bischof Afrikas, hat A. denno 3 0 kirchliche und dogmatische Geschicke mit fast beispiellosem Einflusse eleitet und den Geist der afrik. Kirche, ja des ceidents überhaupt auf viele Jahrhunderte hin bestimmt. Seine Polemik gegen die Arianer, Priscillianisten, besonders aber gegen die Donatisten, Pelagianer und Semipelagianer bezeugen diese Stellung auch .— —— vollkommen. Sein Scharfsinn, die Tiefe seines Gemüts und die Energie seiner Spekulation, die dämonische Kraft seines in einem vielbewegten Leben gewonnenen Glaubens, sowie seine feurige Phantasie spiegeln sich in seinen zahlreichen Schriften wieder, welche unermeßlichen „ ach ausgeübt, und die us Cuher Seite der Lehre, auch im Protestantismus (Luther und Calvin), bestimmt haben. Wichtiger noch als die Weiterbildung der Trinitätslehre sind A. Untersuchungen über das Verhältnis des Menschen zur öttlichen Heilswirkung oder der Freiheit zur made. A. Hauptverdienst aber liegt überhaupt nicht so sehr in der Fortbildung einzelner Dogmen, als in der genialen Erfassung der Idee der Religion. Als der Kern der christl. Frömmigkeit er-Rensa ihm schlechthin die Empfänglichkeit des enschen gegenüber der allwirksamen göttlichen Liebe. Von hier aus erhält auch seine Auffassung der einzelnen Dogmen erst das rechte Licht. Seinem Eifer für das Mönchsleben lria er durch die Gründung einiger Klöster in Afrika ein freilich durch die Vandalen bald zerstörtes Denkmal. Er starb 28. Aug. 430 während der ersten Belagerung 4 durch die Bandalen. ie Gebeine des A. wurden bald darauf durch seine Anhänger, um sie den arianischen Vandalen u entreißen, nach Sardinien gebracht und, als zu nfang des 8. Jahrh. diese Insel in die Hände der Sarazenen fiel, durch Liutprand, den König der Lonobarden, mit schwerem Gelde eingelöst. Seitdem in der Peterskirche zu Pavia aufbewahrt, lieferte man sie mit Genehmigung des Papstes im Okt. 1842 nach Algier aus, wo sie neben dem auf den Ruinen von Hippo durch die franz. Bischöfe errichteten Denkmale des A. niedergelegt wurden. Die teils autobiographischen, teils polemischen, teils homiletisch-exegetischen Schriften des A. erschienen zu Paris (11 Tle. in 8 Bdn., 1689 — 1700), zu Antwerpen (12 Tle. in 9 Bdn., 1700—3) und von neuem durch die Benediktiner (11 Bde. Par. 1835 — 40). nter denselben zeichnen sich besonders aus: das Werk «De civitate Dei libri XXIIo, welches von Strange (2 Bde., Köln 1850 —51) und Dombart (2. Aufl, 2 Bde., Lpz. 1877 herausgegeben, von Silbert (2 Bde., Wien 1826) übersetzt wurde, und die «Confessiones v, eine HH. die in neuerer Zeit an Neander Berl. 1823), Bruder (Opz. 1837 u. 1870 und arl von Raumer (2. Aufl., Gütersloh 1876) Herausgeber und an Gröninger (4. Aufl., Münster 1859), Silbert (5. Aufl., Wien 1860) und Rapp (I. Aufl., Gotha 1878) übersetzer gefunden hat. Sonst sind noch zu nennen die «Meditationes v und „Soliloquiao (zusammen herausg. von Westhof, Münst. 1854) und das «Enchiridiono oder «Ma-Üübersetzung »Ausgewählter chriften/ des A. erscheint in der «Bibliothek der Kirchenväterd (Bd. 1—8, Kempten 1869 fg.). Neuerdings bise man in der Bibliothek zu Greifswald zwei bisjetzt noch nicht herausgegebene kleinere Schriften A. (Tractatus de persecutione malorum in bonos viros et sanctoso und Tractatus de omnibus virtutibuso). Litteratur: Cloth, «Der heil. Kirchenlehrer A.» (2 Bde., Aachen 1840); Bindemann, Der heilige A.v (Berl. 1844); Poujoulat, «Vie de Saint-Augustin o (2. Aufl., 2 Bde., Par. 1852; deutsch von Hurter, 2 Bde., Schaffh. 1847); Dorner, «A. Sein theol. System und seine religionsphilof. Anschauung (Berl. 1873).