Auvergne, eine südl. Centrallandschaft Frankreichs, zwischen Bourbonnais, Marche, Limousin, Guyenne, Languedoc und Lyonnais, führte früher den Titel einer Grafschaft und war vor der Revolution ein besonderes Gouvernement, aus welchem dann die beiden Depart. Cantal (s. d.) und Puy:de-Döme (s. d.) und das Arrondissement Brioude im Depart. Oberloire gebildet wurden, die setzt zusammen 14000 akm mit (1876) 880 900 C. umfassen. Zwischen dem Allier und dem obern Lauf der Dordogne und des Lot erhebt sich die A. als ein Hochland, zu dem man über die Vorterrassen von Bourbonnais, Limousin und Rouergue aus den westl. Tiefebenen aufsteigt, mralland es im Osten an die Cevennen und die Centrallandschaft des südl. Hochfrankreich gelagert ist. Nicht allein der plateauartige Charakter der kahlen Oberfläche und die kegel⸗ und domförmige Gestaltung der Gipfel verrät die vulkanische Bildung, sondern auch die mächtigen, aus einer Granit⸗ und Gneisplatte hervorbrechenden Basalt⸗ und Trachytmassen, wie andere Schlackengesteine lassen hier einen Hauptherd der plutonischen Hebungen suchen. Unter den Gipfeln, die üher Vulkane waren, sind am bedeutendsten der Plomb du Cantal (1856 m), der Puy-de-Saucy der Gruppe Mont-Dore (1886 m) und der Puy-de-Döme (1465 m). Nach einer natürlichen Einteilung zerfällt die A. in die südl. Ober-Auvergne Umnvergne Baße und die nördl. Nieder-Auvergne (Basse-Auvergne), in welcher letztern am linken Ufer des Allier die Thallandschaft Lima gne durch besondere Fruchtbarkeit ausgezeichnet ist, während das erstere, von vulkanischen Felsmassen bedeckt und von tiefen 7 durchzogen, eine großartige, aber unfruchtbare Landschaft darbietet. Mit der fast das ganze gleichnamige Departement erfüllenden Basaltmasse des Cantal beginnt im Süden die höchste und rauheste Landschaft des innern Frankreich mit mehr als 600 erloschenen Vulkanen. Das Klima ist in den Berggegenden kälter, als man für die südl. Lage bei geringerer Höhe erwarten darf, und wütende Sturmwinde sowie heftige Gewittererscheinungen sind häufig; in den tiefern Thälern aber macht sich der Sommer oft durch drückende Hitze geltend. Die mit vulkanischem Gestein bedeckten Plateaus sind öde, in den Hängen und Thälern aber ist der aus verwittertem vulkanischen Gestein bestehende Boden sehr fruchtbar und bringt viel Getreide, Gartenfrüchte, schönes Obst, Wein, im Süden die Kastanie und nördlich die Walnuß im überfluß hervor, wie auch ausgedehnte, kräftige Waldungen neben den Hanf- und Flachsfeldern und Weideflächen der ärmern Gegenden. Der Ackerbau ist teilweise vernachlässigt, die Viehzucht dagegen gut und besonders die Mauleselzucht ausgezeichnet. Außer den gewöhnlichen Haustieren ist die A. reich an Wild, Geflügel, Bauu und Bienen. Neben reichlichen und guten au⸗ und Mühlsteinen finden sich auch nützliche Metalle, wie Eisen, Blei, Kupfer, Spießglanz u. s. w., ebenfo ergiebige Steinkohlenlager und eine Menge kräftiger Mineralwässer. Die Auvergnaten, ein Rest der alten gallischen Bevölkerung, sind roh in ihren Sitten, arm und unwissend, aber rechtschaffen und fleißig. Sie leben als Hirten und Ackerbauer und wandern na Paris als Arbeiter aus. Der heimische Fabrikflei bleibt daher nur auf die Erzeugnisse der Weberei, Gerberei und Papierfabrikation beschränkt. Die beiden Hauptstädte der A. sind südl. Aurillac (s. d.), nördl. Clermont (s. d.). Das Land hat den Namen von den alten Arverni, die ihre Gebirgsfeste unter Vercingetorix lange gegen Cäsar verteidigten, wie später ahen die Goten, Burgunden und Franken, mit welchen sie sich endlich vermischten. Unter den Karolingern hatte die A. Grafen, die 928 erloschen. Die Grafschaft ward später ein Afterlehn von Guyenne, von dessen Herzog sich die Nachkommen des Grafen Raymund unabhängig machten. Eine Zeitlang spaltete sich die Familie in Dauphins und Grafen von A., die sich in das Land teilten, bis 1128 Ludwig von Montpensier beide Anteile durch Heirat vereinigte. Guido II. verlor das Lehn 1209 an König Philipp August, der es den Dampierres verlieh, von denen es 1225 auch wieder an die Krone fiel. Wilhelm von Wiats zweiter Sohn Ludwigs VIII., erhielt die A. als Apanage, und Ludwig XI. gab Wilhelm de la Tour die Anwartschaft darauf. Bei dem Tode Alfreds von Poitou fiel aber nur ein kleiner Teil der A. an die La Tour, die sich seitdem De la Tour d'A. nannten. Wiederolt war dann noch die Grafschaft A. Apanage oder itgift von Prinzen und Prinzessinnen des königl. Hauses, bis sie endlich, nach dem Übertritt des Connétable von Bourbon zu Kaiser Karl V. 1532 für immer an die Krone kam. Der kleine Anteil der La Tour ging durch Erbschaft an Katharina von Medici über und ward von ihrer Tochter, Margarete von Valois, der Krone abgetreten. Vgl. Bielawski, Histoire de la comté d'A.5 (Clerm. 1868); Imberdis, «Histoire générale de l'A. v (Clerm. 1868); Bouillet, Histoire des communautés, des arts et métiers de l'A. (Clerm. 1857); Scrope, „Geology of Central France (Lond. 1858); Rivière, Histoire des institutions de I'A.„» (Par. 1874); Joanne, «Itinéraire général de la France: Auvergney (Par. 1874); Mathieu, L'A. anté-historiques (Par. 1875).