FeedAverrhös oder Averroes
AllerleiBrockhaus 1882

Averrhös oder Averroes, eigentlich Ibn-Roschd (Abul-Walid Mohammed Ibn-Ahmed Ibn Mohammed Ibn-Roschd), der 209.903 Philoh6 der Araber, wurde 1126 (520 d. H.) zu Corova in Spanien geboren, wo sein Vater das Amt eines Oberrichters und Mufti bekleidete. Er genoß den Unterricht der ausgezeichnetsten Gelehrten seiner Zeit und stand in vertrautem Verkehr mit dem lehrten Io Ibn-el-Arabi und den berühmten Gelehrten Ibn-Tofail (Abubaces) und Ibn-Zohr (Avenzoar). Wegen seiner Talente und Kenntnisse erhielt er unter dem almohadischen Sultan Jussuf buld in M. die höchsten Ehrenämter und wirkte ald in Marokko, bald in Sevilla oder Cordova. Auch bei dessen Nachfolger Almansur-Billah stand A. anfangs in 2720 Gunst, doch wurde er von seinen Neidern der Abweichung von den Lehren des Koran beschuldigt. A. fiel deshalb bei Almansur in Ungnade, wurde seiner Amter entsetzt und lebte verbannt zu Elisena oder Lucena bei Cordova. Nach einigen Jahren, als der Sultan selbst an den philos. Studien Interesse gefunden, ward er wieder an den Hof nach Marokko berufen und mit Gunstbezeigungen überhäuft; allein er starb bald darauf 12. Dez. 1198 zu Marokko. A. übersetzte (aus dem Syrischen) und erläuterte die Schriften des Aristoteles mit tiefer Einsicht; doch läßt sich in seinen Arbeiten, wie bei den meisten der arab. Philosophen, der Einfluß der alexandrinischen Ansichten, wie sie in den Kommentaren des Ammonius, Themistius u. a. niedergelegt sind, nicht verkennen. Gegen die arab. Dathodoren besonders gegen Alazali, trat er als rationalistischer Verteidiger der Philvfophie auf. Die meisten seiner Schriften (Vened. 1489) sind nur in lat. Übersetzungen erschiene Seine Kommentarien zum Aristoteles erchienen lateinisch in einer Ausgabe des Aristoteles (11 Bde., Vened. 1560). Auch schrieb er eine Art mediz. Systems, welches unter dem Namen (Colliima leine Verstümmelung des arab. Titels Kuliyate, d. i. das Ganze, System) in das Lateinische übersetzt und öfters gedruckt wurde (Vened. 1482 und 1514). Viele seiner Schriften sind auch ins Hebräische übersetzt worden. In der christl. Kirche erlangte die Philosophie des A. bereits im 13. Jahrh. Bedeutung, wiewohl namentlich seine pantheistische Lehre von der Einheit des wirksamen Prin ips im Universum von den Scholastikern oft als Irrtum verworfen, auch die Astrologie als Averrhoismus bezeichnet wurde. Außerdem hat sich A. auch Beni astron. Beobachtungen, wie z. B. über Sonnenflecke, verdient gemacht. Vgl. Renan, XX. et PAverroismep (Par. 1852; 2. Aull 1861); H. Ritter, Geschichte der Philosophier (2. Aufl., Bd. 8, Hamb. 1845); Lasinio, «Studii sopra Averroen (Flor. 1875). Die wes . Iio,. Verdienste um die genauere Kenntnis der philos. wefher des A. hat sich M. J. Müller erworben, welcher die Publikation des arab. Textes der Philofophie und Theologie von A. (Münch. 1859) unternahm deren 3 Tode Übersetzung (Münch. 1875) na Müllers Tode von der Bayrischen Akademie veröffentlicht wurde.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 289Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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