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GeschichteBrockhaus 1882

Babylon, die Hauptstadt des alten Babylonien, eine der Welt Dier und umfangreichsten Städte der alten Welt. Die Berichte über Ursprung, Größe und Beschaffenheit der Stadt, welche sich bei den Alten finden, sind höchst verworren und erst durch Opperts zweijährige Untersuchungen auf den Ruinen selbst in Einklang gebracht worden. Als ihr Erbauer wird der Gott Belus, daneben (was ebenso wenig erklärt) die Königin Semiramis ½ welche nach der à Talen des Diodor 2 Mill. Arbeiter aus allen Teilen ihres Reichs zusammenberufen habe. Mit der Hauptstadt des ältern Reichs haben im allgemeinen die Berichte der Alten, die bisjetzt bekannt sind, nichts zu thun: sie sind sämtlich auf die wiedererbaute und ungemein verschönerte Residenz des Nebukadnezar zu beziehen. Herodot gibt, aus eigener Ansicht, eine Beschreibung der Stadt. Sie lag auf beiden Ufern des Euphrat, in Form eines Vierecks, jede Seite 120 Stadien lang, zusammen 480 Stadien oder 91 km. Sie war von zwei Mauern umgeben, von denen die äußere 50 m hoch und 30 mbreit war; die innere war nur 360 Stadien lang, und diese bestand allein noch zur Zeit Alexanders; 100 eherne Thore führten durch die äußere Mauer, die zwischen zwei Gräben stand, und diesem Umstande ist auch zum Teil die Zerstörung derselben zuzuschreiben. Die beiden Teile der Stadt, welche außerordentlich re elmäßig gebaut und von breiten und geraden Straßen rechtwinkelig durchschnitten war, verband eine überdachte, aus Quadersteinen erbaute Brücke, die von Herodot der Nitokris zugeschrieben wird. In dem westl. Stadtteile lag nahe der südwestl. Ecke der äußern Mauer, außerhalb der innern, die vor Nebukadnezar und seit Darius vom eigentlichen B. unabhängige Stadt Locht pa, und in ihr der von adnezar auf der Stelle und dem Grunde des Spra-Nuine Bi errichtet war; heute heißt die gewaltige uine Birs-Nimrud. Im nördl. Teile lag die von drei Mauern umgebene ben. Nuf der vor Nebukadnezar das eigentliche Babel. Auf dem Westufer lag der kleine ältere Palast, wo auch Alexander wohnte; von diesem südlich legte Nebukadn 915 die Hängenden Gärten (heute Tel-Amran-ibn-Ali) an. Nördlich von diesen lag die große Bur (El-Kasr), in der Alexander starb. Die nördlichste Spitze der Königsstadt bildete die Pyramide, das älteste Denkmal, zan das sich das Gedächtnis B. knüpfter, der geheiligte Ort der Orakel, Merodachs Ruhestätte, das von Strabo, Diodor und Philostrat beschriebene Grab des Belus, nicht zu verwechseln mit dem 17 km davon entfernten, auf der andern Seite des Euphrat gelegenen Turme Herodots. ie Ruine dieser Pyramide, bei Rich Mudchellibes, von den 21 Dahnt und nach ihnen von ayard und Oppert (Babily genannt, bildete die Nordecke der Königsmauer und war noch später eine Feste. Der Name Babil pflanzt noch heute des uralten Heiligtums Namen fort. Die eigentlich bewohnte Stadt (78 àors) lag südlich von der Königsstadt, auf der Stelle des heutigen Hillah. Die ganze südöstl. Ecke des Quadrats war mit bebauten Feldern bedeckt, im Nordwesten lag die Stadt Cutha mit dem Tempel des Nergal, heute El-Oheymir. Der Cuphrat trat in die Stadt in der Nordwestecke, aus derselben in der Südostecke. Außerhalb der letztern befindet sich die noch heute so genannte, aus dem Daniel bekannte Ebene Dura, und in ihr der Mukhattat, augenscheinlich ein Postament einer riesigen Statue. Die Stadt litt bedeutend durch die pers. Eroberung; die äußern Mauern wurden zerstört, besonders als Darius I. das empörte B. nach einer zweijährigen Belagerung durch die List des Zopyros wiedergewonnen hatte. Xerxes plünderte das bis dahin verschonte Grab des Belus, wie Ktesias berichtet. Obgleich die pers. Könige auch hier residierten, so geschah dennoch nichts für die Wiederherstellung der Stadt, und Alexander d. Gr., welcher bei seinem Einzuge 330 den Bewohnern die Wiederaufbauung des zerstörten Belusgrabes versprochen hatte, vermochte nicht einmal durch 10000 Arbeiter in zwei Monaten den Schutt von der Pyramide wegräumen zu lassen. Nachdem er selbst in dem Palast des Nebukadnezar Atatork und Seleucia am Tigris durch Seleucus ikator bald darauf gegründet worden war, verfiel das alte B. unaufhaltsam. Teils wurde die neue Stadt aus dem Material der alten erbaut, teils hatte es an dauerhaftem Material zu monumentalen Bauten gefehlt. Die größern Steine mußten bis aus den armen. Gebirgen beschafft werden; gewöhnlich verwandte man zwar vortreffliche Backsteine. Schon zur Zeit des Pausanias beschränkten sich alle Ruinen auf die Mauern; die ältern arab. Geographen wissen wohl noch von einem Flecken Bäbil, reden aber mehr von den großen Ruinenmassen. Seit Pietro della Valle, welcher (wie später noch Rennel) in der Ruine Mudschellibe mit Unrecht den Belusturm erkennen wollte, ist das alte B. der Gegenstand vieler Reisen und Untersuchungen geworden. Die Mehrzahl der Forscher, unter denen sich zuerst Rich auszeichnete, sehen in dem Orte Hillah (mit 7000 63 an der Ostseite des Euphrat den Repräsentanten des alten B. Die großen Ruinenmassen, von denen man nicht mit Rennel den Birs-Nimrud ausschließen darf, geben zwar eine ungeheuere Ausdehnung, passen aber in ihrer quadratischen Lage vollkommen zu den Angaben der Alten. Neuerdings hatte noch Rawlinson, der übrigens 5. Lis eine Meinung geändert, die Lage des alten bis Niffer gesetzt; doch haben die Untersuchungen der franz. Expedition unter Oppert eine neue Ara in dieser Frage begründet. Aus der reichen Litteratur sind hervorzuheben: Rich, Memoirs on the ruins of Babylono (3. Aufl., Lond. 1818); derselbe, Personal narrative of a journey to England, by Bussorah, Bagdad, the ruins of Babylono (Lond. 1826); Mignan, «Travels in Chaldaeao (Lond. 1829); Fraser, Travels in Koordistan, Mesopotamia (Lond. 1840); Wellsted, «Travels to the city of the Khaliphs etc. „ (Lond. 1840); die geschickte Compilation von Vaur, „Nineveh and Persepolis o (Lond. 1850); vor allen aber Oppert, Expédition scientifique en Mésopotamiev (Par. 1863), nebst Plänen und Karten, die viele der frühern Daten als antiquiert hinstellen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 316Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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