Baculömetrie, das Messen mit Stäben, ist zwar, dem gewöhnlichen Sinne nach, nur ein sehr unvollkommenes, vielen Fehlern unterworfenes Verfahren, und findet daher auch nur da Anwendung, wo es auf die äußerste Genauigkeit des Endresultates nicht ankommt. Da es aber ohne Instrumente, mit leicht beschaffbaren Hilfsmitteln, auszuführen ist, so findet es doch für den augenblicklichen Bedarf häufig Anwendung. Um z. B. den Flächeninhalt eines dreiseitigen Feldes 6 bestimmen, bezeichne man die Endpunkte mit Stäben, messe alle drei Seiten mittels eines Maßstabes und berechne daraus nach einem bekannten geometr. Satze den Rahen In vielen Fällen vereinfacht sich das Verahren; die Geometrie gibt für besonders gestaltete Resune die Mittel an die Hand, mit den wenigsten essungen zum Ziele zu gelangen, z. B. Dreiecke und Parallelogramme aus Grundlinie und Höhe zu berechnen. Auch einige einfache Höhenmessungen lassen sich mit Stäben ausführen, z. B. die Höhe eines Baumes oder Turmes. Ist AB (s. Fig. 1) ein solcher Gegenstand, so stecke man vom Fuße 4 aus eine gerade Linie 46 nach solcher Richtung ab, nach welcher der Boden, wenn auch gerade nicht horizontal, doch ohne Ribr mehs Unebenheiten ist, messe die Strecke A auf ihr, stecke in G einen senkrechten Stab G60 — von der Augenhöhe des Messenden ein und innerhalb der Linie A6 einen andern FE, der so hoch ist, daß sein oberes Ende E in die erade DB zwischen dem Auge D und dem obern Ende B des zu messenden Gegenstandes fällt, messe 6F, so ist die durch das Fig. u. Auge gelegte Horizontale 0C als Grundlinie zu betrachten, und es verhält sich GFP: 46 HE: BC, also BO —und die wirkliche Höhe AB3 B3C +E AC. Das Messen mit Maßstäben wird jedoch andererseits auch gerade zu den dungen⸗ die größte Genauigkeit erfordernden Messungen verwendet. Größere geodätische Aufnahmen werden nämlich mittels eines Dreiecksnetzes (durch Triangulation) ausgeführt; zu dem Zwecke wird eine Linie mit der äußersten Genauigkeit gemessen, welche der ganzen Operation zur Basis dient; weitere Linienmessungen kommen dann nicht vor. In ieen Fällen mißt man die Basis des ganzen Dreiecksnetzes mit genauen Maßstäben. Zu f olchen Messungen sind dann aber noch besondere Vorrichtungen nötig. Starke vierkantige Stangen AB (s. Fig. 2), die unten mit einer eisernen Spitze versehen sind, um sie fest in den Boden zu stecken, und auf denen Hülsen a b mit vorstehenden Trägern d verschiebbar sind, die mit Druckschrauben C in jeder Anfo befestigt werden können, entsprechen allen Anforderungen. Man wendet drei solcher Tragstangen und zwei Maßstäbe an, welche dicht an- und hintereinander gelegt werden, worauf man den hintersten vor den vordern bringt, in die gerade Linie einvisiert und horizontal stellt. Dieses Verfahren wird bis ans Ende der abgesteckten Linie lienenden Um den vertikal unter dem Stabende liegenden Punkt zu bestimmen, legt man ein Lot NP an. — — — Es ist nicht möglich, zwei Stäbe mit ihren Endflächen genau aneinander zu legen; die zuerst ebenen Grenzflächen werden durch längern Gebrauch uneben werden, sodaß keine vollständige Berührung der Endflächen mehr möglich ist. Mag der hierdurch entstehende Fehler für eine Stablänge noch so ering sein, so wird er 221 bei einer längern Linie bedeutend werden, weil er stets in demselben Sinne wirkt, nämlich allemal das Resultat der Messung vermindert. Zur Beseitigung dieses Fehlers schneidet man die Enden der Maßstäbe keilförmig ab, wie nachstehende Fig. 3 zeigt, und legt zwei aneinander grenzende Stäbe so, daß die geraden Kanten sich rechtwinkelig kreuzen: die Kante a rechtwinkelig gegen be, d parallel mit a, ef mit be.