Baden, auch Ba den bei Wiengenannt, Stadt und schönster Badeort in Niederosterreich, liegt 27 km von Wien an der Südbahn und am Ausgange eines der reizendsten Thäler des Wienerwaldes, 203 meüber dem Meere und zählt (1880) 9645 C. Zu den vorzüglichsten Gebäuden der Stadt gehören das Kaiserhaus, das Rathaus, die Stadtpfarrkirche, das Theater⸗ und Redoutengebäude, das i und der großartige Aquädukt der Hochquellenleitung, der unmittelbar hinter der Stadt in riesigen Bogen das Thal überschreitet. Von den Bädern sind zu erwähnen das 1877 vollständig umgebaute Frauen⸗ und Karolinenbad, eins der elegantesten und schönsten Bäder der Welt, das We Nune und Antonsbad, das Johannsbad und die Mineralschwimmschule. Für Winterkurgäste ist das Herzogs-und Antonsbad eingerichtet, die übrigen Bäder sind während der Wintersaison geschlossen. B. ist während der Römerherrschaft als öffentliches Heilbad (ad aquas) und als Stationsplatz der von Vindobona (Wien) nach Scarabantia (Sdenburg) führenden Reservestraße durch zahlreiche Funde (überreste eines großen röm. Dunstbades, röm. Münzen bis auf Valerius Maximus) festgestellt. Seine berühmten Heilquellen entspringen zu beiden Seiten des Schwechatbachs, der die Stadt von West nach Ost durchfließt, zum Teil unmittelbar aus den Spalten des dolomitischen Kalks, zum Teil aus dem Gerölle der Fläche. Man zählt 13 selbständige Quellen, deren Temperatur zwischen 27—34 C. differiert und deren Wasser zu den in fämner Wr. Schwefelquellen gehört. Es kommt in seiner Wirkung dem von Aachen sehr nahe, erhitzt aber weniger und ist ärmer an festen hautreizenden Bestandteilen. Die Hauptquelle, der Ursprungo, liefert täglich 8710 hl. Die Quellen werden alle zum Baden, die Römer: oder Ursprungquelle auch zum Trinken benutzt. Die Bäder sind fast durchgehends Vollbäder, in denen an 150 Personen beiderlei Geschlechts zusammen baden. Doch bestehen auch Separatbäder, und es sind Einrichtungen zum Schwimmen (im Mineral⸗ wie im? Iußwasser⸗ für Schlammbäder, für Ziegen⸗ und chafmolkenkuren troffen. Eine Pferdebahn vom Bahnhof bis zur Ruine Rauhenstein im Helenenthale erleichtert den Verkehr mit der nächsten Umgebung. Man zählt gegen 10000 Kurgäste jährlich. ö‚ B. hat schöne Parkanlagen, mit der Trinkhalle und den Dampf⸗ und Wannenbädern; in seiner Umgebung wachsen gute Weine. Die Bergstraße mit einer Reihe eleganter Villen besetzt, zieht sich am linken Thalrande bis gegen die Ruine Rauhenstein hinauf. Ihr gegenüber am rechten Thalrande unter der Schloßruine Rauheneck steht die vom Sieer bei Aspern 1820—23 erbaute und zu Ehren 51 Gemahlin, einer Pyvinzessin von Nassau-Weilburg, benannte Weilburg, ein mit schönen Gartenanlagen geziertes Schloß, die Sommerwohein des Erzherzogs Albrecht. Unmittelbar an die Weilburg schließt sich die Villa des Erzherzogs Wilhelm an, dessen a B bierer. Sommeraufenthalt. Die Umgebung von B. bietet eine Fülle von reizenden Ausflügen, unter denen das waldige Helenenthal mit den Krainerhütten am häufigsten besucht wird. UÜber die Thalmündung führt der große Aquädukt der wiener Wasserleitung; 700 mlang, an der höchsten Stelle 22 m hoch, mit 14 Pfeilern. Die Ruinen der Burgen Rauhenstein und Rauheneck zu beiden Seiten des Uite 2 eleben das lands Pil der Bild. Der lohnendste Aussichtspunkt aber ist der Gipfel des «Hohen Lindkogelsꝰ (im Volksmund das Eiserne Thord genannt), 830 m hoch und auf genußreichen Waldwegen in 2½ Stunden erreichbar. Oben findet man einen 13 m hohen Aussi tsturm, durch den Freiherrn von Sina errichtet, welcher eine großartige Rundsicht bis in die steirischen Berge, über den größten Teil des Wienerwaldes und über das Wienerbecken bis in die ucheine Orient Ungarn gestattet. dw Turm findet sich eine Grientierungslatte für die von hier aus sichtbaren Punkte des Panoramas. Vgl. K. Rollett, «B. in Ssterreicho (Wien 1838); H. Rollett Veiträge ur Chronik der Stadt B. bei Wien⸗ (Bad. 1880); Bersch,Der Kurort B. in Niederösterreich (5. Aufl., Bad. 1880).