FeedBähung
TechnikBrockhaus 1882

Bähung nennt man sowohl den Akt der Anwendung von feuchter Wärme auf irgend einen äußern Teil des erkrankten Körpers zur Erreichung eines Heilzwecks (fomentatio), als auch die besondere Form oder Gestalt, in welcher die feuchte Wärme angewendet wird (fomentum). Diese Begriffe werden aber weder im gemeinen Leben noch auch von den Arzten festgehalten, vielmehr der Ausdruck B. auf die örtliche Anwendung von Wärme und Kälte überhaupt übertragen, und so spricht man von feuchten und trockenen, warmen und kalten B. Bei den feuchten B. wird die Flüssigkeit nicht unmittelbar angewendet, sondern man tränkt damit Tücher, Leinwand, Flanell, Schwamm, Filz und legt diese auf. Dies nennt man im tdaer Sinne bähen, zum Unterschied von Umschlägen, d. h. feucht gemachten uench. Substanzen (Kataplasmen). ur trockenen B. bedient man sich erwärmter Tücher, eingehüllten warmen Sandes, warmer Asche und verschiedener Kräuter in Gestalt der Kräuterkissen. Die feuchtwarmen B. wendet man vorzugsweise als Zerteilungs⸗ oder Zeitigungsmittel bei Entzündungen des Unterhautzellgewebes und der Dpnihnen . ½ Drüsen an, indem durch die von ihnen bewirkte Gefäßerweiterung entzündliche Stasen und Infiltrationen zerteilt oder ihr Üübergang in Eiterung befördert wird. Auch als Ableitungsmittel bei Entzündungen innerer Organe (Bauchfellentzündung, Lungenentzündung u. s. w.) bedient man sich ihrer häufig mit gutem Erfolg; doch muß gerade hier ihre Anwendung mit ur geschehen, weil bei dauernder Einwirkung leicht allgemeine Aufregung, Kongestion nach dem Kopfe u. s. w. hervorgerufen werden. Bei Blutungen aus Blutegelstichen und Einschnitten wendet man feuchtwarme B. als Beförderungsmittel der Blutentleerung an. Bisweilen erhöht man die Wirkung der feuchtwarmen B. durch Zusatz von uwenler Gichen den Heilmitteln (Gerbsäure, gepulverter Eichen⸗ (Schierling, Bilsenkraut, kohnköpfen) oder aromatischen Substanzen ÜKampfer, Wein, Salmiakgeist). Die kalten B. sind von verschiedener Wirkung, ie nachdem sie kürzere oder längere Zeit mit dem Körper in Berührung bleiben; bei hung der Wechsel bewirken sie durch Zusammenziehung der Blutgefäße eine oft nicht unbeträchtliche Verminderu der Cirkulation in dem betreffenden Körpertei und entziehen demselben gleichzeitig Wärme, wodurch sie bei den verschiedenen entzündlichen a. tionen peripherischer Körperteile, bei Knochenbrüschen, bei Reizungs⸗ und Entzündungszuständen des Gehirns, des Herzens, des Unterleibs u. s. w., so- wie bei allen fieberhaften Krankheiten vortreffliche Dienste leisten, bei denen die Anwendung kalter Bäder nicht thunlich erscheint. Von nicht minder Iiun Werte sind die kalten Umschläge als Blutstillungsmittel bei chirurgischen Operationen, sowie bei innern Blutungen, wie bei Blutsturz, Blutbrechen u. s. w.; doch bedient man sich in neuerer Zeit an Stelle des Umschlags, der durch die Notwendigkeit des häufigen Wechselns leicht lästig wird, lieber der trockenen Kälte in der Form der Eisblasen und Eisbeutel. Bleibt ein kalter Umschlag längere Zeit liegen, so wandelt er 1— in einen lauwarmen um, indem bald eine Ausgleichung zwi-Der der Temperatur des Wassers und der öhndtge oberfläche stattfindet und somit die gewöhnli Wärmeausstrahlung des ½ Körperteils pverhindert wird, und wirkt dadurch ganz ähnlich [der erweichenden warmen B. In dieser Form hausg der kalten Umschlag) bedient man sich äufig der kalten B. bei Hals⸗, Rachen⸗, Drüsenentzündungen u. s. w. Um bei derartigen erregenden Umschlägen die Verdunstung des sich bildenden Wasserdampfes zu verhüten und dadurch die nachfolgende Wärmebildung zu steigern, pflegt man die aufgelegten Kompressen mit Flanell, Wachstaffet oder Guttaperchapapier zu bedecken.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 374Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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