Baikal (tatar. Bai-Kul, der 31 205 See; russ. Swjätoé More und mongol. Dalai Nor, das Heilige Meer), der größte Gebirgssee und, nach den canadischen, der größte Süßwassersee der Erde, nächst dem Enee en Meere und dem Aralsee der srößte Binnensee Asiens und des Russischen Reichs, iegt im südl. Teile Ostsibiriens auf der Grenze des Gouvernements Irkutsk und des 1851 von diesem etrennten Gebiets Transbaikalien, auf der großen Heri zwischen Moskau, Kiachta, den daurischen ergwerken von Nertschinsk und dem Amurlande ö 18 127² 28 östl. L. (von Ferro). Von SW. nach NO. gerichtet, erfüllt der See ein zwischen hohen Gebirgen tief eingesenktes Längenthal von fast chelförmiger Gestalt. Seine Länge beträgt 624 km ie Breite 32—90 km, sein Areal mit Einschluß der Inseln 34932 km, sein Umfang ungefähr 2000 km. Zwischen dem Delta der Selenga, der einzigen niedrigen Gegend seiner Umgebung, und der Mündung der Boguldeicha verengt sich der B. auf 30 km, sodaß er gleichsam aus zwei durch einen breiten Sund vereinigten Seen besteht. Auf der nördl. Küste streckt sich die Halbinsel Swjätos Nos weit in den See hinaus. Die größte der wenigen Inseln, Olchon, enthält ein Areal von 694 ꝗKm., ist felsig und durch einen schmalen Kanal von der Nordwestküste getrennt, hat keinen Fluß und wird im Sommer von Burjäten besucht, die hier ihre Herden weiden. Der See ist von öden, fast menschenleeren Ufern, wilden vulkanischen, oft dicht bewaldeten Gebirgen umgeben, die in vielen Vorgebirgen in den Wasserspiegel hervorspringen und zahllose Flüsse und Bäche herabsenden. iffbar sind von diesen nur drei: die in der Mongolei entspringende, zwi⸗ — malerischen Ufern rasch Mpohube Ar Seenga, der von den Burjäten umwohnte Bargusin und die breite, an Schnellen reiche Angara, die weiterhin den Namen der Obern Tunguska erhält. Durch diese ergießt sich die Wassermasse, das Gebirge durchbrechend und über Irkutsk strömend in den Jenissei. Die Ufer des Sees sind reich an heißen Mineralquellen, von denen die Tunkinskische und Bargusinstische die bekanntesten, wenn auch nur wenig frequentiert sind. Die Ufergebirge steigen im allgemeinen 1000— 1200 m steil über den Spiegel des Sees, haben also etwa 1230 —1430 m absolute Höhe. Das Gebirge östlich vom Angaradurchbruch bis zum Nordostende des Sees heißt das Baikalgebirge, welches eine Länge von 620 Km und eine mittlere Höhe von 15—1600 m hat. Die von zahlreichen 1e. 853. ten Schluchten unterbrochenen Steilwände desselben, aus Granit und Gneis bestehend, den dem Seeufer näher als die südöstlichen. Auf dem südöstl. Abhange findet man auch Marienglas Hornstein, Thonschiefer, Kalksteinformationen und Schie00 ichten. Das Baikalgebirge ist reich an Nadelolzwaldungen, besonders an Larix sibirica und inus silvestris, die von zahlreichen Renntieren, Mialiaße Wölfen, Dachsen, Luchsen, Bisamtieren, ielfraßen u. s. w. belebt werden. Vom Dur bruch der Angara gegen Westen zieht das malerische Gebirge der Tunka-Alpen, aus Lunla em Schiefer gebildet. Südlich von der Tunka erhebt sich neben dem Südwestende des Sees der schneetragende Chamar-Daban zu ungefähr 2000 m absoluter Höhe. Von ihm aus umzieht der nach ihm benannte Gebirgszug, ebenfalls aus krystallinischem und Massengestein bestehend, den See bis zur Selenga, östlich dieses Flusses ein anderer Zug bis ans Nordostende, wo er mit dem Baikalgebirge verwächst. Die vulkanische Umgebung des Seebeckens bekundet sich durch häufige Erdbeben, deren berühmtestes das vom Ende 1861 und Anfang 1862 war. da Selenginsk fanden von 1847—56 alljährlich Erdbeben statt. Das Wasser des B. ist hellgrün, süß und außerordentlich klar; aus der Ferne ges Ful hat es eine lasurartige Farbe. Im Monat Juli eigt das in eine Tiefe von 4 m hinabgelassene Thermometer eine Temperatur von 4· R. Im Frühjahre steigt das Wasser um 2 m, weil dann die in den B. sich ergießenden Flüsse von Regen und eschmolzenem Eise angeschwollen sind. Die Tiefe bes B. ist sehr bedeutend; die mittlere Tiefe übersteigt 210 m; in der Nähe des Vorgebirges Sütoi hat man sogar eine Tiefe von 1700 m gesunden. Außer vielen andern ausgezeichneten Fischarten finden sich im B. in unzähliger Menge fünf Arten von Lachs namentlich der Omul oder Wanderlachs, der durch ben enissei und die Angara aus dem Cismeere herauflommt. Man fängt davon jährlich 500000 Stück, die einen Wert von 200000 Rubel repräsentieren. Eine dem B. ganz eigentümliche Zischart ist der Spinnensisch (omephorus Baicalensis). An Muscheln und Krustaceen ist der B. sehr arm, desto reicher aber an Wassergeflügel. Störe werden besonders in der Selenga gefangen wo sie laichen. Eine bestimmte Strömung ist auf dem B. nicht zu bemerken; dieselbe richtet 0 vielmehr nach den Winden. Der Gang der Wellen ist sehr hoch, besonders bei Nordwestwinden. Die Nün. Nor beginnt Ende Mai und ist lebhaft bis Ritte November. Lästig ist im Sommer, gewöhnlich bis zum 20. Juli, der namentlich morgens sehr starke Nebel. Im Die-d belegt sich der See mit Eis von 1—1,6 m Dicke; dann findet der lebhafteste Verkehr statt. Im Frühjahr und Herbst St der Warentransport auf Landwegen um den See und über die Berge. Die Abet der Segelschiffe, teils zur Fischerei, teils zur Überfahrt bestimmt, ist unefähr 50. Außerdem sind zwischen den Häfen Pootsk und Listwänitschni seit 1846 zwei Dampfer in Thätigkeit. Eine russ. Ansiedelung findet sich nur am südwestl. Ende des Sees, das Dorf Kultuk, 220 km von dem Kloster Possolst, mit dem einzigen Hafen des Sees und einem Leuchtturm. Die nomadisierenden Burjäten⸗ und Tungusenstämme, welche die Ufer des B. von Zeit zu Zeit des Fischfangs wegen besuchen, sind seit 1856 militärisch oranmt und verrichten unter dem Namen Baikalosaken den Hirr. als Grenzwache. Der Ursprung des B. ist wahrscheinlich der vulkanischen Thätigkeit zuzuschreiben, wofur die steilen Ufer, die heißen Quellen, das Auswerfen von Asphalt und andern brennbaren Stoffen sprechen. Der Draß Berg Cha mar-Daban, über welchen die Poststraße 10 rt, ist ein erloschener Vulkan, dessen Gipfel, sowie die vieler anderer den B. umgebenden Berge, ganz die Form eines Kraters haben.