FeedBaldur (Baldr)
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Baldur (Baldr), ein german. Gott, nach norzischen Quellen Sohn Odhins und der Frigg, Genahl der Nanna und ½½ Außer bei den Skandinaviern ist seine istenz in den angelächs. und deutschen Mythen verbürgt, und in der eutschen Heldensage von den Hartungen lebt er nit seinem Bruder Vali als Baltram * Sintram) ort. Schön und glänzend, weshalb nach ihm die weißeste Blume den Namen „Baldrsbraues führte, war er nicht minder kühn und tapfer, wie Mythenreste und Saxos Erzählung von seinem Kampfe mit Hotherus um die schone Nanna bezeugen. Seine Hauptbedeutung erhielt er als Bürge des Bestandes der Odhinschen Götterdynastie, wie sie die nordischen Quellen schildern. Nach diesen wußten die Götter ihr Heil an B.s Leben gebunden und suchten, durch seine Träume gewarnt, ihn zu schützen. Frigg nahm allem, was in der Welt ist, den Eid ab, B. nicht zu verletzen. Die Götter machten hierauf die Probe schossen und schlugen nach ihm, und er zeigte si unverwundbar. Das verdroß den Loki, der als altes Weib zu Frigg ging, um zu erlauschen, ob wirklich alles jenen Schwur geleistet habe. Er erfuhr, daß die kleine Mistel nicht vereidigt wurde. Da riß Loki die Mistel aus und gab sie dem Hödhur, der wegen seiner Blindheit an jenem Wurfspiel nicht teilgenommen hatte. Hödhur warf, und B. siel tot nieder. Die Götter legten die Leiche auf einen Scheiterhaufen auf das Schiff Hringhorni, welches die Riesin Hyrrockin vom Strande schieben mußte. Neben B. lag seine Gattin Nanna, die der Schmerz getötet hatte. Das Schiff fuhr, von Thor geweiht, brennend in die See. Zugleich mit ihm wurde sein Roß verbrannt und Odhin legte sein teuerstes Kleinod, den Ring Draupnis, das Symbol der Sonne, auf den Scheiterhaufen. Unterdes ritt Hermodhr in die Unterwelt, um seinen Bruder zu erlösen. Hel ist bereit, ihn zurückzugeben, wenn er von allem droben beweint werde. Da gingen Boten aus, um die Totenklage zu bitten, und alles weinte, Lebendes und Lebloses. Nur die Riesin Thöck verweigerte die Thränen, und so mußte B. bei Hel bleiben. Die Blutrache nahm sein Bruder Vali auf sich. Dem Tode B.s folgte bald der Untergang der Götter im Ragnarök. B. ist verschieden gedeutet worden, physisch und ethisch. Uhland und Simrock sehen den Sommergott in ihm, der durch den lichtlosen Winter (den blinden Hödhur) falle. Nanna sei das Blütenleben, das mit dem Sommer dahingehe. Der Kampf B.s und Hothers nach Saxo sei der Kampf zwischen Sommer und Winter. Schwarz faßte B. als Gewittergott. Weinhold dagegen versuchte eine ethische Deutung, wobei die Namen ihn unterstützten. Er faßte B. als Friedensgott, aber als einen, der durch Tapferkeit den Frieden hütet. Loki, in seiner spätern Ausbildung das vernichtende Prinzip, erweckt die blinde Kriegswut, durch welche B. sein Ende findet. Alle Bemühungen, ihn herzustellen, mißglücken. Wahrscheinlich hat B.s Wesen eine Eom Grundlage; er ist nur eine Erscheinungsform Odhins, der in seiner ursprünglichen Auffassung nichts anderes als der Sonnengott gewesen sein kann.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 394Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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