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ErdkundeBrockhaus 1882

Bali, die westlichste der kleinen Sunda-Inseln, an der Eelme⸗ von Java gelegen und von ihr durch die stellenweise sehr schmale Balistraße getrennt, mit der kleinen Insel Pandita 5396 ꝗkm groß. Die Lombokstraße scheidet sie von der gleichnamigen Insel. In geolog. Beziehung zeigt B. die rößte Übereinstimmung mit dem östl. Java. Die Insel ist bergig, erhebt sich in dem Vulkan Gunong-Agung bis 3300 müber das Meer, enthält aber zugleich ausgebreitete Strecken höchst fruchtbaren, für den Ackerbau besonders geeigneten und in vorzüglichem Kulturzustande befindlichen Landes. Reis, Mais, Baumwolle, Palmzucker, Kaffee, Tabak und etwas Indigo sind die Haupterzeugnisse. Den Hauptartikel der Ausfuhr bildet Reis. Auch wird auf B. eine gute Art von Rindvieh in beträchtlicher Menge ezogen. Die Bevölkerung von B. ist mit der von Ja stammverwandt, hat sich auch in frühern ahrhunderten massenhaft mit ihr vermischt, unterscheidet sich aber von derselben durch einen höhern, kräftigern Körperbau sowie durch einen stark hervortretenden Sinn für Freiheit und Unabhängigkeit. Zugleich sind die Balier leicht gereizt, dem Jähzorn und der Rachsucht ergeben. Ihre Sprache ist nur eine Dialektverschiedenheit der javanischen. Besonders merkwürdig erscheint die Insel B. dadurch, daß der Hinduismus und speziell der Siwakultus sich auf ihr aus sehr alter Zeit bis in die Gegenwart lebenskräftig erhalten hat, während derselbe auf Java nur bei äußerst wenigen Fragmenten der Bevölkerung noch fortbesteht. Als der mächtige Hindustaat Modjopahit in Ostjava 1478 vor dem ich daselbst verbreitenden Islam zusammenstürzte, anden alle Widersacher der neuen Lehre auf B. eine ufluchtsstätte. Diese Insel ist daher von größter ichtigkeit für die Kenntnis und Erforschung der vormohammed. Zustände auf Java. Die Bevölkerung von B. zerfällt in die vier sog. wiedergeborenen Kasten der Brahmana, der Rusi oder Satria, der Wisia und der Sudra. Die Fürsten der einzelnen kleinen Reiche gehören meistens der ersten Kaste an. Unter den Brahmanen 121 sich auch noch eine eigene, dem Kawi auf Java sehr nahe verwandte, wiewohl entartete Schriftsprache erhalten. war früher in neun kleine, in einem Bundesverhältnis stehende Reiche, nämlich Boleling, Djembrana, Karang-Assam, Klonkong, Gianjar, Bangli, ünn Mengawi und Tabanan, zerteilt. Von ihnen bestehen jetzt aber nur noch sieben, indem Boleling und Djembrana Abteilungen der niederländ. Residentschaft Banjuwangi auf Java geworden und unter einen Assistentresidenten gestellt sind, während der Resident von Banjuwangi als Kommissar der Regierung für die Angelegenheiten von Bali und Lombok überhaupt ernannt ist. Aber auch die übrigen Reiche haben einen großen Teil ihrer Selbständigkeit an die niederländ. Regierung abtreten müssen. Die Bevölkerung von B. kann auf 280—300000 Seelen geschätzt werden. Genauer bekannt ist sie allein von Boleling und Djembrana, wo sie (1879) aus 27 Europäern, 69516 Baliern, 385 Chinesen, 162 Arabern und 1655 andern asiat. Fremdlingen bestand. Der Haupt⸗, Küsten⸗ und Handelsort ist Boleling in der frühern selbständigen, jetzt niederländ. Landschaft gleichen Namens. Die Fürsten der Insel wurden erst 1849, nach hartnäckigem und verzweifeltem Widerstande, bei Djaga-Radjah, bei Kasumba und an andern Orten durch die Gewalt der Waffen von den Niederländern unterworfen. Frühere Expeditionen Wirtn sie (1846 und 1848) waren ohne nachhaltige Wirkung geblieben. Spätere Versuche (1858 und 1868), sich wieder frei zu machen, hatten keinen Erfolg.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 397Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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