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ErdkundeBrockhaus 1882

Balize, Belize, von den Engländern British Honduras genannt, ist der Name eines Landstrichs auf der Ostküste der Halbinsel von Hucatan, auf welchem England im 18. Jahrh. von Spanien das Recht erhielt, Farbe⸗ und Nutzhölzer zu fällen, und welchen es erst 1853 K einer förmlichen Kolonie zu machen vermochte. Rechtlich besaß es indes bis 1859 nicht mehr als ein Servitut auf B., keineswegs aber ein territoriales oder Souveränetätsrecht, das vielmehr der Republik Guatemala und teilweise dem mexik. Staate Yucatan gehörte. In amtlichen Dokumenten ward daher 8. bis dahin nicht als Kolonie, sondern als Fhrer Majestät Niederlassung (settlement) in der ai von Honduraso bezeichnet. Der Ursprung dieser Niederlassung gründet sich auf den Verfall des Flibustierwesens zu Anfang des 18. Jahrh. Der Bal⸗ Abenteurer Wallis (in span. Schreibweise Baliz), dem das Seeräuberhandwerk zu gefährlich ward, benutzte seine genaue Kenntnis der Festlandküste, um in der an kostbaren Farbehölzern susse Gegend zwischen dem Balize⸗ und Hondoflusse ein anscheinend ehrliches Gewerbe zu beginnen. Ein Versuch der Spanier, sie zu verjagen, ward durch ihren tapfern Widerstand vereitelt (1754). Durch Vertrag mit Spanien von 1786 ward die Grenze des Bezirks vom Hondo bis an den Sibunfluß gerückt, sodaß er eine Küstenlinie von etwa 150 km umfaßte, aber auch bestimmt, daß die Ansiedler nur Holz fällen oder andere, ohne Zuthun von Kultur hervorgebrachte Naturerzeugnisse sammeln und ausführen, auf keinen Enn aber Zucker⸗, Kaffee⸗ u. s. w. Plantagen anegen oder irgendeine bürgerliche oder militärische Regierung einrichten dürften. Ohne äußere Veranlassung dehnte England 1836 seine Besitzansprüche —— die ganze Küste bis zum Sarstunflusse hinab und landwärts bis zu dem Meridian von Garbutts-Falls am Balizeflusse aus. Die mittelamerik. Staaten waren zu schwach, mit Erfolg Einsprache dagegen zu erheben. Nachdem England längere eit mit Guatemala über die Anerkennung seiner esitzansprüche unterhandelt hatte, kam es endlich durch die Konvention vom 30. April 1859 zu einem für beide Teile befriedigenden Arrangement. Doch war die Niederlassung (settlement) britischerseits bereits durch die Akte vom 17. Sept. 1853 zur Kolonie Honduras erhoben worden. Das Areal der Kolonie Honduras wird zu 19585 akm berechnet. Der Zugang zu der flachen, Runttew von einem breiten Urwaldgürtel geäumten Küste ist durch zahllose Klippen und Korallenriffe sehr erschwert. Einige Kilometer oberalb der Flußmündungen finden sich fruchtbare häler, abwechselnd mit dürren, tannenbewachsenen Strecken, noch weiter hinauf herrliche Palmenwälder, breite Savannen und endlich, parallel mit der Küste laufend, Bergketten, die sich bis zu 1300 m erheben. Das Klima P heiß und feucht, erträglicher gemacht durch die Passatwinde. Das ahresmittel beträgt 26,7 C.; Sommer 28,4%, Winter 24,4 C. Das Gelbe Fieber kommt häufig, doch nicht in endemischer Form vor. Für die den auptteil der Bevölkerung bildenden Neger und ischlinge scheint das Klima sehr günstig zu sein. Die Gesamtzahl der Einwohner wurde 1871 auf 24710 geschätzt, worunter nur 377 Weiße waren. Der Gouverneur der Kolonie wird von der Krone ernannt, die gesetzgebende Gewalt durch sieben, zährlich vom Volke erwählte Magistrate ausgeübt. ie Ackerbauprodukte der Kolonie bestehen aus Mais, Reis, Namswurzeln, Bananen und Pfeilwurz. Mit dem Anbau von Kaffee, Zuckerrohr, Baumwolle und Indigo sind erst unbedeutende Anfänge gemacht worden. Alle Steuern und Gefälle werden nach Maßgabe der Anordnungen des Magistrats und des Gouverneurs sch 18. Der Wert der Gesamtausfuhr belief sich 1879 auf 188000 Pfd. St., der der Einfuhr auf 160000 Pfd. St.; die Einnahmen auf 40000 Pfd. St., die Ausgaben auf 51000 Pfd. St., die öffentliche Schuld auf 1000 Pfd. St. Der Export nach England war 1877 mit 94 458 Pfd. St., der J port von dort mit 84 540 Pfd. St. berechnet. Die an der Mündung des gleichnamigen Flusses gelegene Stadt B. mit dem Fort St.⸗Georges hatte vor der großen Feuersbrunst, von welcher sie 1856 heimgesucht ward, über 5000 E. Sie ist ein Honduras Oie für Nucatan, Guatemala und Honduras. Die wichtigsten Ausfuhrartikel sind Mahagoni⸗ und Acajouhol Campecheholz, Sassaparille, Kaffee, Gummi, duscheln und Cochenille.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 397Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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