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MusikBrockhaus 1882

Ballet, von gleicher Abstammung mit dem Worte Ball (ss. d.), ist eine durch kunstvollen Tanz und Pantomime unter Musikbegleitung dargestellte Handlung. Die pantomimischen Opfertänze des Altertums, aus welchen die attische Tragödie hervorgegangen sein soll, sowie die theatralischen Tänze,‚ die dem antiken Chorus eigen blieben, sind nicht als die unmittelbaren . des modernen B. zu betrachten. Das B. unserer Zeit ist vielmehr im Dienste und zum Vergnügen der Höfe entstanden und erhielt in Italien seine erste Ausbildung. Zu Anfang des 16. Jahrh. kultivierte man es besonders am turiner Hofe, wo die Prinzen und Prin-Tand m selbst durch Gesang, Deklamation und anz mitwirkten. Baltagerini, Musikdirektor der Katharina von Medici, führte das B. zuerst in Zudmad ein, wo es bald so beliebt wurde, daß udwig XIII. auf einem dieser B. mittanzte, welches Beispiel Ludwig XIV. in seiner —ů— nachahmte. Noch 1699 betrat dieser im B. Floras die Bühne. Das B. erschien bis dahin stets in Verbindung mit Elementen der Oper, ja der Komödie; so in den von Lully komponierten Werken Quinaults und in Moliereschen Lustspielen. Das B. hatte noch wenig dramatischen Ausdruck und bedurfte noch der Erklärung durch Gesang und Recitation. Erst von 1697 an wurde Antoine Houbart de la Motte Reformator des B., indem er die dramatische Handlung und leidenschaftliche Zustände durch das B.“ selbst ausdrücken ließ. Um dieselbe Zeit traten zuerst Frauen als Tänzerinnen im B. auf, ungefähr gleichzeitig wie in Oper und Schauspiel, während bis dahin nur Männer in demselben getanzt hatten. Doch findet man Ballettänzerinnen von Bedeutung nicht vor 1790. Noverre 6 d.) war es, der um die Mitte des 18. Jahrh. das B. von der Oper ablöste und zu dramatischer Selbständigkeit erhob, auch eine Theorie desselben begründete. Das mytholog. B., der überrest der versailler Herrlichkeit, fand zur Zeit des Konsulats seinen Untergang, indem es „La fille mal gardées und den «Arlequinadeso verdrängt wurde. Vincenzo Galeotti in Kopenhagen ging in der von Noverre eingeschlagenen Richtung weiter, indem er das B. im antiken Sinne auf das rein dramatisch-plastische Prinzip zurückführte und diesem den Tanz unterordnete, statt ihm das übergewicht zu gestatten; dasselbe erhielt hierdurch den Charakter großer rhythmisch-plastischer Pantomimen. Diese glänzenden und genialen Versuche sind am längsten auf dem mailänder Theater fortgesetzt worden, wo das B. die lebensvollsten und großartigsten Tableaur, im pantomimischen Ausdruck aber die größten Wagnisse unternommen hat, die sogar weit über die Grenzen der Pantomime hinausliegen; unter mehrern Tragödienstoffen hat man dort sogar den «Hamlete als B. aufgeführt. Im allgemeinen ist jedoch das B. seiner edeln Richtung und echt künstlerischen Bedeutung untreu geworden und erschöpft sich in Schaustellung bloß körperlicher Fertigkeiten und Reize. Da es wesentlich darauf angewiesen ist, bloß die Schaulust zu beschäftigen und zu fesseln, so macht sich auch dabei der größte Aufwand von Dekorations⸗ und Kostümpracht in mannigfaltigster Abwechselung notwendig. Vgl. Menétrier, «Des ballets anciens et moderneso (Paris 1682); Cahussac, Traité de la danse ancienne et modernes (3 Bde., Paris 1753) Voß, Der Tanz und seine Geschichten (Berlin 1868).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 404Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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