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GeschichteBrockhaus 1882

Ball + erst seit dem 17. Jahrh. in Deutschland gebräuchliches, aus dem frz. bal, ital. ballo, vom mittellat. ballare, tanzen, gebildetes Wort) nennt man gegenwärtig die Versammlung einer zahlreichen Gesellschaft beiderlei Geschlechts zum Zwecke des Tanzes. Die Bälle unterscheiden sich von andern Tanzvergnügungen durch einen gewissen Glanz, strengere Etikette und bestimmte Ordnun Ihr Ursprung ist in den Dau sacher der Höse von Den dis und Burgund zu suchen. Der erste B., den die Geschichte erwähnt, wurde 1385 zu Amiens bei Gelegenheit der Vermählung Karls VI. mit Isabella von Bayern veranstaltet. Doch bleibt es zweifelhaft, ob sich damals schon die Fürsten und der eingeladene hohe Adel persönlich am Tanze beteiligten. Im 15. und in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. scheinen solenne Tanzfeste an den Höfen und auf den Schlössern des Adels nur vereinzelt und a von; W vorgekommen zu sein. Durch Katharina von Medici, welche auch die Maskenbälle nach Frankreich verpflanzte, mehr noch unter dem galanten Heinrich IV. gelangten die Festlichkeiten dieser Art in Aufnahme. Ihre gegenwärtige Form erhielten die Bälle unter Ludwig XIV., seit dessen Zeit sie auch in allen deutschen Re Doiba nach franz. Muster eingeführt wurden. Die Hofbälle gehörten seitdem zu einem wesentlichen Couversations-Lexikon. 13. Aufl. II. Bestandteil der meisten Hoffeierlichkeiten. Es bildete sich für sie, zunächst in Frankreich, ein be-Pemlich Ceremoniell aus, welches, trotz seiner Peinlichkeit und Steifheit, mit geringer Abänderung auch anderwärts Aufnahme fand und erst in neuerer Zeit vereinfacht worden ist. In Paris ward 1715 der Bal de I'Opéra begründet und dadurch auch den Mitgliedern der bürgerlichen Gesellschaftsklassen Gelegenheit gegeben, gegen ein Eintrittsgeld sich an solchen, ausschließlich dem Tanze gewidmeten Festlichkeiten zu beteiligen. Seit dieser Zeit sind die Bälle allmählich zu gesellschaftlichen Vergnügungen für alle Stände geworden. Wie in allen Sachen des Luxus und der Mode, ist Paris für das Arrangement der Bälle und der Balltoiletten noch immer tonangebend. Auch die franz. Bals champetres, die im Freien, bei Tage oder auch bei Nacht abgehaltenen Sommerbälle, haben in Deutschland und anderwärts Nachahmung —½

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 401Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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