FeedBallistik
TechnikBrockhaus 1882

Ballistik ist die auf die Mathematik und Rt als Hilfswissenschaften basierte Lehre von der Bewegung geworfener oder geschossener Körper, namentlich der mittels des Schießpulvers aus Feuerwaffen fortgetriebenen Geschosse, im lufterfüllten Raum. Soweit die Bewegung des Geschosses im 5. e erfolgt, spricht man auch von innerer „im Gegensatz zur äußern, welche die Bewegung außerhalb des Rohrs betrachtet. Praktische B. oder Schießkunst umfaßt den rationellen Betrieb des praktischen Schießens. Das Hauptproblem der wissenschaftlichen B. ist die Entwickelung der Ab-Unrsche; der Flugbahnkurve, welche auch die balistische Linie genannt wird, von ihren Faktoren (Pulverkraft, Schwerkraft, Luftwiderstand, Rotation) in mathematisch begründeter Form. Hierzu ist das Verständnis der höhern Mathematik erforderlich, und die gewonnenen Resultate haben nur für Männer der Wissenschaft und Waffenkonstrukteure Wert. Annähernd lassen sich einzelne Gesetze auch mittels der Elementarmathematik darstellen. Für den praktischen Soldaten ist das Schießen aber ein Probieren, das durch aus der Erfahrung hergeleitete Lehren geregelt werden kann. Die ersten Untersuchungen über die Form der Flugbahn der Geschosse (aus Feuerwaffen) rühren von Tartaglia (1546) her. Galilei stellte mittels der Gesetze der Schwerkraft die parabolische Theorie auf, welche die Einwirkung des Luftwiderstandes auf die Geschosse zwar außer Acht läßt, auf die Bahn von Geschossen mit geringem Luftwiderstande aber ohne großen Fehler angewendet werden kann. Die Erkenntniß der Gesetze des Luftwiderstandes verdankt man Newton, wel-Pan 1687 nachwies, daß die Flugbahnkurve keine arabel sein könne. Robins (1742) beschäftigte sich mit der Bestimmung der Anfangsgeschwindigkeit der Geschosse und ist der Erfinder des noch heute gebräuchlichen ballistischen Pendels. Mittels desselben mißt man die Geschwindigkeit des Geschosses kurz vor der Mündung des Rohrs, indem man gegen einen hier pendelartig aufgehängten Holzblock schießt, aus dessen Ausschlagwinkel sich jene Geschwindigkeit annähernd berechnen läßt. Die erste wirkliche Auflösung des ballistischen Problems verdankt man dem Mathematiker Euler. Weitere Verdienste um die B. haben Hutton, Lombard (1797), Obenheim (1814). Seit 1820 wurde der Einfluß der Rotation mehr und mehr erkannt, und in dieser Hinsicht haben namentlich der preuß. Oberst Otto, der Physiker Magnus, die Franzosen Poisson und Didion gearbeitet. Eine neue Anregung zur Fortbildung der B. gab die allgemeinere Anwendung der gezogenen Feuerwaffen und der Langgeschosse, und sind hier namentlich die Preußen von Neumann und Prehn und der Russe Majewskij zu nennen. Vollkommenere Apparate zur experimentellen B. mit Benutzung des Elektromagnetismus haben die Belgier Navez lelektroballistisches Pendel) und Leboulengé (Chronograph und Kleysyder) in neuerer Zeit geliefert. Vgl. von Sinner, Neues vollständiges Lehrbuch der B.y (Bern 1834); Poisson, Recherches sur le mouvement des projectiles dans l'air etc.o (Par. 1839); Didion, «Traité de balistique (3. Aufl., Par. 1859); Otto, „Bemerkungen über den Einfluß der Umdrehung der Artilleriegeschosse⸗ (1840 — 48); Prehn, «Die B. der gezogenen Geschützeß (Berl. 1864); Haupt, «Mathematische Theorie der Flugbahn gezogener Geschosse (Berl. 1876); Hentsch, «Ballistik der Handfeuerwaffeno (Berl. 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 405Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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