FeedBalliste
GeschichteBrockhaus 1882

Balliste (vom lat. ballista, dieses vom Wunrt EHπνer, d. h. werfen) bezeichnete im Altertum urfgeschütze, welche zJum Werfen von Steinen oder steinernen Kugeln im starkgekrümmten Bogen bestimmt waren. Sie glichen im Gebrauch unsern heutigen Mörsern, während eine andere Gattung der Wurfgeschütze, die Katapulten (s. d.), zum Schießen großer Pfeile in mehr horizontaler Richtung dienten, also unsern heutigen Kanonen entsprachen. Bei den Griechen dienten im Sinne der B. die Palin tonen (Lithobolen), gebildet aus starken Holzgerüsten, bei denen zur Führung des zu schleudernden Geschosses, ähnlich wie bei der Armbrust, eine Rinne angebracht war, welche oft unter einem Winkel bis zu 45* stand. Als bewegende Kraft für das Geschoß dienten zwei voneinander unabhängige Arme, die in senkrecht angebrachten, aus starken, zufammengedrehten Sehnen gebildeten Cylindern steckten, und deren freie Enden durch eine starke Sehne verbunden waren. Spannte man letztere, unmittelbar auf das Geschoß wirkende a.e an, bog man also die Arme zurück, so drehten diese natürlich die senkrechten Sehnencylinder zusammen, sodaß, wenn man zum Fortschleudern des Geschosses die Verbindungssehne l! losließ, deren natürliche Schnellkraft sich mit der Gewalt der beim Vorschnellen der Arme sich zurückdrehenden senkrechten Sehnencylinder vereinigte. Eine den Römern eigentümliche Konstruktion von B. war der Onagor, der ebenfalls zum Werfen von Steinen und Steinkugeln, ofters auch von verwesenden tierischen Körpern benutzt wurde, welche die Luft in den belagerten Städten verpesten und somit Krankheiten erzeugen sollten. Der Onager (s. beistehende-Abbildung) hatte nur einen Arm, der mit dem einen Ende zwischen starken, zusammenedrehten, horizontal im Gerüst liegenden Sehnen stecte, während das andere freie Ende in Form eines kolossalen Löffels, zur Aufnahme des Geschosses, gestaltet war. Zum Laden des Geschützes zog man das freie Ende des in einer vertikalen Ebene sich bewegenden Arms mittels eines Windewerks nieder, hielt den Arm mit einem Haken fest und belastete den Löffel. Der Een der A Sehnenstrang war durch das Niederziehen des Arms gespannt, also zur Kraftentwickelung bereit. Wollte man schleudern, so schlug man den Haken heraus; der Arm wurde nun von der sich aufdrehenden Sehne in die Höhe gerissen und schleuderte dabei den Inhalt des Löffels im hohen Bogen fort. Die B. wurden den Römern durch die Griechen bekannt. Erstere bedienten sich derselben bereits in den Punischen Kriegen, und diese Maschinen bildeten wahrscheinlich bis in das 3. Jahrh. n. Chr. die einzigen Wurfgeschütze der Römer. Von da ab ward der Onager als Wurfgeschütz und neben ihm ein Bogengeschütz mit einem eisernen Bogen, welches nun den Namen B. erhielt, als Horizontalgeschütz im Sinne der Katapulten verwendet. Anfangs gebrauchten die Römer die B. nur beim Angriff und zur Verteidigung fester Plätze sowie auf S Pon im Feldkriege nur bei der Verteidigung fester Positionen. Erst in der spätesten Kaiserzeit kommen vierräderige B., auch Carroballisten genannt, als Horizontalgeschütze im Feldkrieg vor. Die schwersten B. warfen Körper von 2—6 Ctr. Gewicht auf Entfernungen von circa 1000 Schritt. Im Mittelalter wurden ähnliche Konstruktionen wie die alten Schleudergeschütze unter den Namen Mangen, Steinblyden, Ankwerke verwendet. Vgl. Dufour, cMémoire sur Partillerie des anciens et sur celle du moyen ägen (Paris und Geuf 1840); Rustow und Köchly, (Geschichte des griech. Kriegswesens » (Aarau 1852); Jähns, (Handbuch einer Geschichte des Kriegswesensv (Berlin 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 405Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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