Atempera, frz. à de trempe, auch Temperamalerei gen., eine Art der Malerei, soll, nachdem sie bereits von den Assyrern und Persern geübt, von Byzanz, wo sie unter Constantinus etc. blühte, nach Rom gekommen und dort bis zum Aufblühen der Olmalerei in Geltung geblieben sein. Man glaubte früher, es seieine Art Wassermalerei gewesen, wozu man Eiweiß mit Feigenmilch als Bindungsmittel gebrauchte; Andere nahmen an, die Farben seien nur mit Leimwasser oder Branntwein gemischt worden, allein genaue Untersuchungen haben ergeben, daß wirklich ölige, mit Harztheilchen verbundene Substanzen in den betr. Malereien enthalten sind. Durchgängig aber findet man beiihnen einen weißen, geschliffenen Grund von Gips oder Kreide, mit Milch, thierischer Gallerte oder Eiweiß versetzt. Die Farben zeigen sich dünn aufgetragen, haben ihr Kolorit gut bewahrt, lassen sich mit Wasser gut reinigen, ohne sich aufzulösen, u. besitzen die Eigenschaft wirklicher Olfarben, nur mit dem Unterschied, daß sie nicht gedunkelt, wohl aber mit einer Patina überzogen sind. Neuerdings angestellte Untersuchungen haben d. Vermuthung bestätigt, daß theils Oel, theils Wachs Bestandtheile des Bindemittels gewesen seien oder auf irgend eine Art als Überzug gedient haben. Obgleich der Farbenauftrag mehr lasirend erscheint, so kann man doch aus einer gewissen Unbehülflichkeit dieser Art Bilder leicht schließen, daß die Technik dieser Malerei einer freien, geistreichen Behandlung nicht günstig war; doch würde dieser Umstand der jetzigen, weit vorgeschrittenen Technik unserer Maler weichen, und es könnte leicht mit dem Wiederauffinden dieser alten Kunst, schon wegen der Haltbarkeit ihrer Farben, eine neue Epoche der Dekorationsmalerei beginnen. Außerdem ist noch zu bemerken, daß sich die Temperamalerei von der Freskomalerei auch dadurch unterscheidet, daß sie nicht auf den frischen Putz, sondern auf trockene Wände aufgetragen wird.