FeedBaltzer (Wilh. Eduard)
ReligionBrockhaus 1882

Baltzer (Wilh. Eduard), bekannt als Vertreter der Freien Gemeinden und Vorkämpfer des Vegetarianismus, geb. 24. Okt. 1814 in dem im Regierungsbezirke Rers eburg gelegenen Dorfe Hohenleine, erhielt seine Bildung seit 1828 in Schulpforta, widmete sich seit 1834 zu Leipzig, seit 1836 zu Halle balier theol. und mathem. Studien, war darauf ei seinem Bruder, Friedrich B., Pfarrer in Zwochau (seit 1849 als polit. Flüchtling in Zürich, dann in Dresden, Verfasser von «Trutznachtigall. Lieder aus der Heimate, Chemn. 1881), Hauslehrer und nahm 1841 einen Ruf als Diakonus und Hospitalprediger in Delitzsch an, wo er sechs ahre hindurch thätig war. In diese Zeit fielen die Kämpfe wegen des Agendenzwangs, welche zur Gründung freier Gemeinden führten. B. nahm an diesen lebhaften Anteil und gründete 5. Jan. 1847 u Nordhausen eine Freie Gemeinde, nachdem ihm ie Bestätigung der Wahl zum Pfarrer der dortigen Nikolaikirche versagt worden war. B. war sodann Mitglied des Vorparlaments in Frankfurt und wurde 1848 vom Kreise Nordhausen in die preuß. Nationalversammlung gesendet, in welcher er zur Partei Waldeck gehörte und Mitglied der Verfassungskommission war. Seitdem lebte er in seiner Gemeinde zu Nordhausen, auf welche er einen tiefgreifenden Einfluß ausübt. Die bedeutendsten seiner frühern Schriften sind: „Das sog. Apostolische Glaubensbekenntnis (Opz. 1847), «Alte und neue Weltanschauungo (4 Bde., Nordh. 1850—59; 2. Aufl. 1859 — 81), „Das Leben Rio »(2. Aufl., Nordh. 1861), «Allgemeine Religionsgeschichtes (Nordh. 1854), «Die neuen Fatalisten des Materialismuso (Gotha 1859). Außerdem veröffentlichte er eine übersetzung (Nordh. 1860) und eine Erklärung der vier Evangelien (Nordh. 1863). Im J. 1868 begründete B. zu Nordhausen einen „Verein von Freunden der natürlichen Lebensweiser, welcher auf dem von Mitgliedern aus allen Gegenden Deutschlands besuchten Vereinstage vom 19. Mai 1869 zu Nordhausen Statuten erhielt. Seine vegetarianischen Grundsätze sprach B. in der Schrift «Die natürliche Lebensweiser (4 Bde., Nordh. 1867—72; 2. Aufl. 1871 fg.) aus. Mit dem J. 1868 begann er die Herausgabe eines Vereinsblatteso, von welchem seitdem alljährlich 10 Nummern erscheinen. Ferner gab er heraus: Empedocles. Eine Studie zur Philosophie der Griechen (Nordh. 1879), «Fünf Bücher vom wahren Menschentum » (Nordh. 1880),4Vegetarianisches Kochbuch»(6. Aufl., Nordh. 1880), „Gott, Welt und Mensch. Grundlinien der Religionswissenschaft in ihrer neuen Stellung und Gestaltung² (Nordh. 1869), 0 deen zur socialen Reformo (1873), ein 4Liederbuch für freie religiöse Gemeinden (Nordh. 1863), ein Religionslehrbuch für Schule und Haus freier Gemeinden) 3 Abteil., Nordh. 1870), Aus der Edda. Deutsche achklänge in neuen Liederny (2. Aufl., Lpz. 1879) und viele andere Schriften. Ein zweiter Bruder B.s, Theo dor B., war Prediger in Naumburg und wurde wegen do matischen Dissensus emeritiert; er verteidigte sich in der Schrift Ein Glaubensbekenntniso. — Eduard B.s Sohn, Leonhard Volkmar, prakt. Arzt in Nordhausen, huldigt auch dem Vegetarianismus; er schrieb »Die schem. Zusammensetzung und physiol.“ aern-Nordh. 1874), Das Kyffhäusergebirge in mineral. geognost. und botan. Beziehunge (Nordh. 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 413Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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