Baltzer (Joh. Baptista), bedeutender kath. Dogmatiker, geb. 16. Juli 1803 zu Andernach, studierte 1823—27 Theologie zu Bonn unter Hermes, ward 1829 Priester, 1830 außerord., 1831 ord. Professor der Theologie zu Breslau, 1843 geistlicher Rat des Konsistoriums für Ehesachen, 1844 Prosynodalexaminator, 1846 Mitglied des Domkapitels, 1860 Domscholastikus. Als entschiedener Anscried und Verteidiger des Hermesianismus (s. d.) chrieb B. «Hinweisungen auf den Grundcharakter des Hermesischen Systemtn (Bonn 1832) und «über die Entstehung religiöser Gegensätze im Katholizismus und Protestantismus „ (Bonn 1833). Später zu der überzeugung gelangt, daß Hermes den Kantischen Rationalismus wohl verbessert, aber nicht überwunden habe, schloß sich B. an die Spekulationen Anton Günthers (s. d.) an. Zu deren Verteidigung schrieb B. die «Theol. Briefe » (1. Serie, Mainz 1844; 2. Serie, Bresl. 1845) und die Neuen theol. Briefey (1. u. 2. Serie, Bresl. 1853) und reiste 1853 mit Gangauf und Knoodt nach Rom, unterwarf sich jedoch dem päpstlichen Verwerfungsdekret vom 8. Jan. 1857. Wegen seiner Richtung verdächtig, ward B. 1860 durch den Fürstbischof Förster in Breslau von seiner Professur suspendiert, aber durch Urteil des königl. Disciplinarhofs vom 9. Jan. 1864 restituiert. Während des Vatikanischen Konzils zählte B. zu den Gegnern der Unfehlbarkeit, unterzeichnete auch gegen dasselbe die nürnberger Erklärung vom 26. Aug. 1870. Deswegen ab ordine et beneficio suspendiert, starb B. 1. Okt. 1871 zu Bonn. In Bezug auf die Streitfrage zwischen Bibel und Naturwissenschaften schrieb B. «Die biblische Schöpfungsgeschichte, insbesondere die darin enthaltene Kosmo- und Geogonie in ihrer übereinstimmung mit den Naturwissenschaftend (2 Bde., Lpz. 1867 —73) und «lüber die er Meut der Organismen und die Urgeschichte der Menschen» (Paderb. 1869; 4. Aufl. 1873). Vgl. Melzer, „B.s Leben, Wirken und wissenschaftliche Bedeutung » (Bonn 1877).