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ErdkundeBrockhaus 1882

Bamian, Bämijän, Flecken und Paßort in Kabulistan, 87 Km im WNW. von Kabul, an der Scheide der hohen Schneegebirge des Hindu-Kusch und des an den Hilmendquellen aufsteigenden Kuhi-Baba gelegen, sowie an der Hauptstraße und dem alten Karawanenwege von Kabul nach Turkistan, deren Schlüssel der Ort ist. Das sehr Hadschuat-Thal von B. liegt nördlich von dem fattsent. passe, der, bis 3700 m sch von steilen, fast senkrechten Felswänden einges Aossen, 14km lang und kaum 2,5 Kkm breit, den einzigen, für schweres Fuhrwerk und Artillerie gangbaren, sicher schon von Alexander d. Gr. benutzten Weg über den Hindu-Kusch bildet, und ist besonders auch merkwürdig wegen der Altertümer, die er umfaßt. Das Thal war ein Hauptort des Buddhakultus, wovon noch heute die verstümmelten riesenhaften Idole zeugen. B. wird samt den in Felsen gehauenen Idolen schon von den buddhistischen Mönchen beschrieben, die im 4. und 5. Jahrh. von China über Mittelasien nach Indien pilgerten. Die Bildsäulen befinden sich auf einem Hügel von ungefähr 90 m Höhe, in welchem ringsum, in unregelmäßigen Stockwerken übereinandergetürmt, auf 11 km hin, eine große Menge Aushöhlungen oder Zellen angebracht sind, mit Diaule⸗ Schnitzwert versehen. Die männliche Bildsäule Sang-Kal genannt, ragt 52, die weibliche, Schah Muna, 37 mempor. Beide aben eine natürliche Stellung und sind mit einer eichten Draperie überzogen. Von der männlichen Figur ist der wohlgeformte Mund noch vollkommen Schalten⸗ bei der weiblichen fehlt der ganze obere Teil des Gesichts. Jede Bildsäule ist in einer tiefen auw ausgehauen, die ebenfalls Schnitzwerk besitzt, auf welchem Fürsten und Fürstinnen und eine Menge sieigt in cher Darstellungen anlenpen sind. Man eigt im uven e der Bildsäulen vermittelst einer in den massiven Stein Oie beide Wendeltreppe bis zum Haupte empor. Die beiden Thalwände sind von unzähligen (angeblich 12000) Grottenwerken durchlöchert und das ganze Thal außerdem übersäet mit sehr gut ben N0 schlanken Türmen und Ruinen von Gräbern, Moscheen und andern Gebäuden der 9j gelegenen spätern mohammed. Stadt Galgaleh, welche von Dschingis-Chan 1221 zerstört wurde. 15 km westlich von B. liegen die Ruinen der er Burg Zohak (aus schön gebrannten Ziegeln, Haf erhalten, von 25 m hohen Wällen umgeben), eren Erbauung dem fabelhaften Schlangenkönig Persiens gleiches Namens zugeschrieben wird. Die Burg diente zur Bewachung des wichtigen er Heit Man fand hier und im Thale B. in neuester Zeit eine große Anzahl Münzen, Ringe und andere Altertümer, die von Prinsep, Masson, Wilson, Wood u. a. beschrieben wurden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 419Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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