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ErdkundeBrockhaus 1882

Bandjermassing, eine niederländ.⸗ostind. Residentschaft in Borneo, auch Zuyder⸗ und Oosteraf deeling (d. h. Süd⸗ und Ostabteilung) genannt. Dieselbe umfaßt, von W. nach O. gezählt, das Stromgebiet des Kahaijan, des Murung, des an seinem untersten Teile Bandjer, weiter aufwärts Barito und noch weiter nach oben Kumpei enannten Flusses und sämtlicher Nebenflüsse derselben, in einem Gesamtareal von 375 094 qEm mit einer Bevölkerung von 636 737 Eingeborenen, 422 Curopäern, 2670 Chinesen, 331 Arabern und 35 andern asiat. Fremdlingen. Die Eingeborenen sind Dajaks und Malaien. Zu dieser Re identschaft gehört jetzt das frühere Sultanat B., welches, seinem rößten Teile nach, von dem Stromgebiete der Ra ara, dem beträchtlichsten der linken (Jachen Nebenflüsse des Barito, gebildet, einen Flächenraum von 15400 km, mit der Hauptstadt Martapura und gegen 130000 C. enthielt. Das Reich Bandjermassing erscheint in der Geschichte zuerst gegen Ende des 14. H im als Vasallenstaat des Hindureichs Modjopahit im östl. Java, und gelangte erst nach dem Zusammensturze des letztern (1478) zu + Unabhängigkeit unter dem javan. Prinzen Surija Nata. Der siebente Nachfolger des letztern, Sultan Surija Angro, führte 1600 zuerst in B. den Islam ein. Ihm folgten 12 mohammed. Fürsten, deren letzter Sultan Adam (1825—57) war. Die Holländer stifteten schon 1606 und 1608 in B. Handelsniederlassungen, zogen diese aber 1669 wieder ein. Halto folgten daselbst (1698) die Engländer, deren Faktorei aber (1707) von der malaiischen Bevölkerung von B. ausgemordet wurde. Die Holländer schlossen erst 1733 wieder neue Handelsverbindungen mit B., wo sie später (1746 und 1756) durch neue Traktate mit den Sultanen zu immer größerm Einfluß gelangten, bis der Pannumhahnn Batu, den sie in einem Streite um die Erbfolge unterstützt hatten, aus Dank hierfür sich (1787) zu ihrem ihn en erklärte, die Investitur als Sultan von ihnen empfing, ihnen zugleich auch einen nicht unbeträchtlichen Teil seines Grundgebiets als unmittelbares Eigentum abtrat. Seitdem befanden sich die Sultane von B. in stets zunehmender Abhängigkeit von der niederländ. Regierung. Endlich, nach dem Tode von Sultan Adam (1857) gaben Streit um die Erbfolge, Aufstände der Bevölkerung, die Ermordung einer Anzahl von Europäern zu Kalangan und andere Umstände die Veranlassung, daß die Niederländer das Reich B. annektierten und 1860 eine neue, 171 Besitzungen im Süden und Osten Borneos umfassende Residentschaft bildeten. Letztere zerfällt in die sechs Abteilungen B. und Umgegend, Amunthai, Martapura, Duson und Dajak-Länder, Samprit und Kutei mit der Ostküste von Borneo. Die Abteilung B. besteht, ihren südlichsten Teil, die Halbinsel Tanah-Lawut abgerechnet, aus sehr niedrig gelegenem, teilweise sumpfigem, häufig überflutetem, großenteils mit Urwald bestandenem Flachlande, aus welchem sich nur hin und wieder kurze, isolierte Hügel⸗ und Bergketten inselförmi e der t Die Bewohner des Malaie sind Dajaks, die der Flußufer hauptsächlich talgien und Bugis. Die Hauptstadt B., auf dem linken Ufer des Barito, 38 km oberhalb seiner ien und MI die See gelegen, ist Sitz des Residenten und Militärkommandanten. Es befinden sich daselbst das Fort van Thuyl, das befestigte Campement Tatas, eine Schule, die Gouvernementsmagazine u. s. w. Die Zahl der Einwohner beträgt 25—30000, von denen 217 CEuropäer, 1580 Chinesen, 291 Araber, der Rest aber Malaien, Bugis und Bajaks sind. Der Handel, hauptsächlich durch Araber und Euuhe betrieben, ist nicht unbedeutend. Die Einfuhr besteht sch tsächlich in Salz, europ. Kattunstoffen, Gerät Hosten aus Eisen und andern Metallen, Glasgeschirr, grobem chines. Porzellan und vielen Artikeln des Luxus und Bedürfnisses für a, 6000 die Ausfuhr in Steinkohlen, Diamanten, Goldstaub, Rotang, Zimmerholz, Wachs, Getah Pertjah, verschiedenen Harzen und einigen inländischen Arzneistoffen, wie die Rinde von Guru und Sintok. Außer der Hauptstadt B. sind in dieser Residentschaft erwähnenswert: Amunthai, der an der Negara gelegene Hauptort der gleichnamigen Assistent-Residentschaft mit inländischen Waffenschmiedereien; Martapura, die Hauptstadt des frühern Reichs B., jetzt der Abteilung Martapura, in welcher die Kohlenminen Oranje-Nassau zu Pengarron und Delft, zu Gunong-Tjabok in der Nähe von Karang-intam gelegen sind.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 427Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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