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ErdkundeBrockhaus 1882

Bard, ital. Bardo, kleine Gemeinde im Kreise Aosta der ital. Provinz Turin mit 442 E., in engem Thale zwischen steilen Alpenhöhen, 311 m über dem Meere, links am reißenden Flusse Dora Baltea gelegen. Dabei erhebt sich auf einem isolierten 599 das berühmte gleichnamige Fort, welches der Sage nach schon von Hannibal erbaut worden sein soll. Es beherrscht die Straße über den Großen und Kleinen St. Bernhard in die piemont. Ebene und ist somit 2298 seine Lage als Schlüssel von Italien wichtig. Im Spanischen Erbfolgekriege wurde es 1704 von den Franzosen eingenommen. Bei Bonapartes übergang über die Alpen (1800) legte das Fort den Franzosen noch zuletzt große Schwierigkeiten in den Weg. Auhohen v ließ das Fort mit der Stadt von den Anhöhen von Albard beschießen und zwang die Be satzung zur Übergabe. Das Fort wurde sodann demoliert, aber später vom König Karl Albert wiederhergestellt. Bardale (kelt.), Lerche, s. unter Barden. Bardeleben (Heinr. Adolf), einer der namhaftesten deutschen Chirurgen, geb. 1. März 1819 zu Frankfurt a. O., besuchte das dortige Gymnasium, studierte 1837 — 43 in Berlin, Heidelberg und Paris Medizin und folgte w1843 einem Rufe nach Gießen, um an der dortigen Universität die Stelle eines physiol. Assistenten und demnächst das Prosektorat zu übernehmen; 1844 wurde ihm in Gießen die venia docendi, 1848 eine außerord. Professur erteilt. Im J. 1849 wurde er ord. Professor der Chirurgie und Direktor der chirurgischen Klinik in Greifswald. Beim Ausbruch des Deutschen Kriegs von 1866 zum Generalarzt ernannt, übernahm er die Funktionen eines konsultierenden Chirurgen in den Feldlazaretten des Bezirks Gits 1 Im Herbst 1868 folgte er einem Rufe an die Uni versität Berlin als ord. Professor der Chirurgie und Direltor der chirurgischen Klinik im königl. Charitekrankenhause. Im J. 1870 wurde er als konsultierender Chirurg zu der Ersten Armee kommandiert und 1872 zum Generalarzt à la suite des Sanitätskorps ernannt. Bis litterarischer Ruf Bperatf sich auf sein uf, 4 der Chirurgie und perationslehrer (8. Aufl., 4 Bde., Berl. 1879 fg.), welches im In- und Auslande allgemeine Anerkennung gefunden hat. Seine übrigen litterarischen Arbeiten finden sich zerstreut in Müllers und Virchows «Archiven »‚ im «Archiv für physiol. Heilkunde u. s. w. Die Referate über die Fortfchritte der Chirurgie, welche er seit 1851 für den Canstattschen a ahresberichtv und dessen von Virchow und Hirsch redigierte Fortsetzung liefert, werden besonders geschätzt. Bereits seit 1869 hat B. in seiner Klinik die antiseptische Methode Listers besonders nachdrücklich vertreten. Das von ihm für die Tenaron un derselben angegebene vereinfachte Verfahren hat, nach den in der berliner Charité erzielten wehens vielen Beifall erhalten. ardeleben (Kurt von), angesehenes Mitglied der konstitutionellen Partei in Preußen, geb. 24. April 1796 auf dem väterlichen Gute Rinau in Ostpreußen, besuchte das Gymnasium in Königsberg, verließ es aber im Alter von 17 J., um an den I+U kriegen von 1813—15 teilzunehmen. Einige Jahre nach dem Frieden nahm er seinen Abschied, vermählte sich mit der Tochter des Oberpräsidenten von Auerswald in Königsberg und lebte fortan auf seinem Gute. Er wurde 1834 als Abgeordneter der Ritterschaft in den preuß. Provinziallandtag gewählt und nahm seit dieser Zeit an allen Provinziallandtagen teil. Auf dem Huldigungslandtage von 1840 gehörte er zu denjenigen, die eine Petition um Einführung einer Reichsverfassung an den König richteten. Auf dem ersten Vereinigten Landtage von 1847 zeigte er eine liberale, aber gemäßigte Haltung. Der Kreis Königsberg wählte ihn zum Abgeordneten für das Frankfurter Parlament, in dem er seinen Sitz im rechten Centrum nahm. Nach der Ermordung seines Schwagers, des Generals von Auerswald (18. Sept. 1848), verließ er Frankfurt. Bald darauf wurde er bei den Nachwahlen für die preuß. Nationalversammlung in diese gewählt. B. hielt sich dort zur Partei der Rechten und unterzeichnete das Manifest derselben gegen die Fraktion Unruh. Nach Auflösung der Versammlung begab er sich * sein Gut zurück. Der preuß. Kammer von 1849 gehörte er nicht an. Erst nach Auflösung derselben ahl in in dem königsberger Wahlkreise seine Wahl in die Zweite Kammer, in welcher er zur altliberalen Opposition gehörte. Seit 1852 nahm er kein Mandat wieder an. Unter dem Ministerium Manteuffel-Westphalen als Landrat aus dem Kreise Fischhausen, in welchem er begütert war, nach dem Kreise Strasburg an die poln. Grenze versetzt, nahm er deshalb 1853 seinen Abschied und starb 13. Febr. 18⁵⁴ in Königsberg.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 476Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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